von Jörg Bernhard
Obwohl bei der Wahl in Griechenland die Befürworter der bereits ausgehandelten Sparpläne eine Mehrheit erhielten, dachten die Investoren bereits einige Schritte weiter und straften nun Spanien mit steigenden Zinsen ab. Zeitweise mussten die Iberer für zehnjährige Laufzeiten mehr als sieben Prozent bieten. Diese Marke wird als besonders kritisch gesehen, da man keinem der klammen Eurozonen-Problemländer zutraut, solch hohe Zinsen auf Dauer zu stemmen. Schwache Konjunkturdaten aus Deutschland, Europa, China und den USA sorgten für zusätzlichen Verkaufsdruck.
In der abgelaufenen Börsenwoche schwankte der DAX zwischen Wochentief (Montag) und Wochenhoch (Donnerstag) in einer Spanne von 206 Zählern. Das Verhältnis zwischen Kursgewinnern und -verlierern fiel mit 22 zu 8 ausgesprochen positiv aus. Am deutlichsten bergab ging es mit den beiden zyklischen Aktien BASF (-3,3 Prozent) und Volkswagen (-2,2 Prozent). Einen regelrechten Steigflug legte hingegen die Aktie der Deutschen Lufthansa hin und verteuerte sich um 9,7 Prozent auf 8,968 Euro.
Lufthansa-Aktie hebt ab
Trotz diverser negativer Nachrichten gelang der Lufthansa-Aktie fast ein Wochenplus im zweistelligen Prozentbereich. An jedem der fünf Handelstage stieg der DAX-Wert in höhere Kursregionen, obwohl am Sonntag zuvor in München die dritte Startbahn per Bürgerentscheid verhindert wurde und diverse Bankanalysten ihre Kursziele für die Aktie nach unten revidiert hatten. Einzig der schwache Ölpreis und die damit einhergehenden niedrigen Kerosinkosten hellten die Stimmung auf.
Weil die internationale Konjunktur mehr und mehr zur Schwäche neigt, gerieten Aktien wie BASF und Volkswagen aufgrund ihrer Konjunktursensitivität unter die Räder. In Europa deuten viele Konjunkturindikatoren auf eine anstehende Rezession hin und in der US-Wirtschaft und China fallen die konjunkturellen Bremsspuren ebenfalls heftiger als erwartet aus. Die bearishe Stimmung ließ den DAX wieder auf seine 200-Tage-Linie zurückfallen. Nun fragen sich viele Börsianer, ob das jüngste Überwinden dieser Linie eine „Bullenfalle“ war.
Bildquellen: Julian Mezger