von Jörg Bernhard
Am vergangenen Dienstag veröffentlichte der deutsche Branchenprimus vorläufige Zahlen, die es in sich hatten. Nach der Gewinnwarnung schickten die Börsianer die Deutsche-Bank-Aktie auf eine rasante Talfahrt, die zu einem neuen Jahrestief bei 22,11 Euro führte. Kein Wunder, schließlich soll der Nettogewinn in Q2 2012 im Vergleich zum Vorjahresquartal von 1,2 Milliarden auf nur noch 700 Millionen Euro gefallen sein. Als Grund nannte das Management den schwachen Euro, was in Expertenkreise zu einer starken Verunsicherung führte. Am Dienstag hofft man, durch die konkreten Daten genauere Erkenntnisse über die Gründe zu erfahren. Viele Analysten gehen davon aus, dass der schwache Geschäftsverlauf auch durch rückläufige Umsätze und Probleme im Bereich Investmentbanking verursacht wurde.
Härtetest für Doppelspitze Jain/Fitschen
Dass allein der Euro für die Gewinnwarnung verantwortlich gemacht wird, erscheint aus folgenden Gründen nicht ganz plausibel zu sein. Da die Deutsche Bank hohe Umsätze auch im Ausland erzielt, müssten diese bei einer unterstellten Stagnation auf Eurobasis eigentlich gestiegen sein. Außerdem wird moniert, dass sich ein fünfprozentiger Währungsverlust beim Euro derart negativ auf den Unternehmensgewinn auswirken kann. Doch trotz all dieser Negativfaktoren konnte man der Unternehmensmeldung auch einige positive Aspekte abgewinnen. Grundsätzlich ist es nämlich in Europa keine Selbstverständlichkeit, dass eine Bank schwarze Zahlen im hohen dreistelligen Millionenbereich schreibt. Zum anderen kann man den Anstieg der Eigenkapitalquote (Tier 1) von 10,0 auf 10,2 Prozent als Indiz für eine relativ gesunde Verfassung der Deutschen Bank interpretieren. Aus charttechnischer Sicht sieht die Lage allerdings gefährlich aus – vor allem, falls die bei 22,00 Euro verlaufende Unterstützungszone nicht halten sollte. Der Timingindikator Relative-Stärke-Index (RSI) generierte mit dem Überwinden der Marke von 30 Prozent hingegen ein charttechnisches Kaufsignal. Damit keine „Bullenfalle“ entsteht, sollten die Details zu den Quartalszahlen möglichst keine Negativüberraschungen enthalten.