03.08.2012 15:30
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Börse Frankfurt/Anleihen: Berg- und Talfahrt für Bund-Future

3. August 2012. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Anleger mussten in dieser Woche schmerzlich feststellen, dass die Notenbanken allein nicht all ihre Sorgen beseitigen können. "Sowohl diesseits als auch jenseits des Atlantik hatten Marktteilnehmer auf neue Geldspritzen gewartet und wurden enttäuscht", fasst Arthur Brunner von ICF Kursmakler zusammen. Erst erteilte Ben Bernanke in den USA neuen geldpolitischen Lockerungsmaßnahmen der Federal Reserve eine Absage. "EZB-Präsident Mario Draghi konnte die geschürten Erwartungen ebenfalls nicht erfüllen." Im Vorfeld der EZB Ratssitzung hatte er angekündigt, alles Notwenige zu tun, um den Euro zu erhalten. Damit habe er Spekulationen über eine Banklizenz für den ESM und sofortigen Käufen in spanischen und italienischen Staatsanleihen die Türen geöffnet.

Nach anfänglicher Ernüchterung über ausbleibende Stützungskäufe sei die Aufregung am heutigen Freitag bereits wieder abgeebbt. "Was bleibt ist die Erkenntnis, dass die Worte von Mario Draghi in Zukunft vermutlich nicht mehr ganz so auf die Goldwaage gelegt werden", prognostiziert Gregor Daniel. Der EZB-Chef habe sich mit seinen Äußerungen einfach zu weit aus dem Fenster gelehnt.

Schwankungen wie auf hoher See

An den Renditeveränderungen für zehnjährige spanische Staatsanleihen erkennt man dem Händler der Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft zufolge die Gefühlsausbrüche an den Kapitalmärkten. "Sie machten einen Zickzackkurs von 7,75 Prozent in der vergangenen Woche, runter auf 6,58 Prozent vor und wieder rauf auf 7,31 Prozent nach der Ratssitzung."

Bund-Future springt nach oben

Brunner

Ebenso rasant kletterte der Bund-Future von 142,83 auf 145,17 Prozent. "Innerhalb von nur zwei Stunden schnellte das deutsche Rentenbarometer vom Wochentief zum Wochenhoch", merkt Brunner an. Profitiert habe einmal mehr der Bund. "Für fünfjährige Anleihen waren lediglich 0,31 Prozent jährliche Zinsen fällig." Im Vergleich dazu musste Spanien für vierjährige Bonds zu einem Zins von 5,971 Prozent deutlich tiefer in die Tasche greifen.

Der Bundesrepublik helfe zudem die Bestätigung der Höchstnote für ihre Kreditwürdigkeit verbunden mit einem stabilen Ausblick durch Standard & Poor's. "Top-Bewertungen gab es auch für Frankreich", bemerkt Daniel und sieht darin den Grund für die niedrigen Renditen von 2,05 Prozent für zehnjährige französische Anleihen. "Damit sind sie von ihrem Allzeittief bei 2,02 Prozent nicht weit entfernt."

Euro stabilisiert sich gegenüber US-Dollar

Stopp

Der Euro ging gegenüber dem US-Dollar gestärkt aus den Diskussionen rund um mögliche Anleihekäufe vonseiten der EZB hervor. "Er konnte sich deutlich jenseits der kritischen Marke von 1,20 etablieren", beschreibt Klaus Stopp. Der Anleihehändler der Baader Bank warnt jedoch davor, diesem Währungspaar zu viel Bedeutung beizumessen. "Da werden zwei Problemkinder miteinander verglichen." Gegenüber dem australischen Dollar beispielsweise habe der Euro mit 1,1640 zwischenzeitlich ein neues Tief erreicht, ebenso gegenüber dem japanischen Yen mit 94,09.

Anleger setzen auf Fremdwährungen

Die anhaltenden Zukunftssorgen hinsichtlich des Euros spielten generell den als stabil geltenden Fremdwährungen in die Hände. "Im Rentenhandel hat sich bei uns das Umsatzverhältnis in den vergangenen Monaten kontinuierlich zugunsten von Fremdwährungsbonds verschoben", registriert Daniel. Auf der Beliebtheitsskala ganz oben befinde sich der australische Dollar, gefolgt von der türkischen Lira und dem kanadischen Dollar. Etwa stehe eine im Juni 2015 fällig werdende Hyundai-Anleihe (WKN A0VK42) mit einem Kupon von 5,375 Prozent bei Anlegern derzeit auf den Einkaufslisten. Zudem komme eine VW-Anleihe (WKN A0VRFC) mit einem Zins von 6,250 Prozent und einer Fälligkeit im Juli 2015 gut an.

Hochverzinsliches gesucht

Im Handel bevorzugten Anleger Unternehmensanleihen mit hoher Rendite, wie die Händler berichten. Brunner spricht von einem regen Interesse beispielsweise an Schäffler-Anleihen (WKNs A1G0J3, A1G0J5, A1G6WT9). "Continental präsentierte in dieser Woche gute Zahlen", begründet der Händler die hohe Nachfrage.

Spürbare Umsätze gebe es zudem in einer Nachranganleihe der IKB (WKN 273032), die im Juli nächsten Jahres fällig wird. "Vor allen Kleinanleger greifen bei einer Rendite von 15,75 Prozent zu und versüßen sich damit das Risiko."

Arcelor Mittal verliert Investment Grade

Daniel

Teuer zu stehen kommt dem Stahlkonzern Arcelor Mittal der Verlust des Investment Grades von Standard & Poor's. Neben dem Kurssturz der Aktie von 8,8 Prozent auf 11,91 Euro müsse das Unternehmen beispielsweise für eine Anleihe (WKN A1AHHS) deshalb vertragsgemäß einen höheren Kupon zahlen, wie Daniel anmerkt. "Die Umstellung erfolgt allerdings erst ab dem nächsten Kupontermin am 3. Juni 2013."

© 3. August 2012 / Iris Merker

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   August 03, 2012 09:00 ET (13:00 GMT)- - 09 00 AM EDT 08-03-12

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