Börse Frankfurt-News: Finanztitel auf dem Prüfstand (Auslandsaktien-Marktbericht)
Die internationalen Aktienmärkte befinden sich weiter im Aufwind, auch wenn sich die Investoren mit Blick auf die kommende Berichtssaison etwas verhalten zeigen. Das sei eine Stimmung "zwischen Bangen und Hoffen", erklärt Walter Vorhauser von der Close Brothers Seydler Bank, man hoffe auf eine gute Berichtssaison und rechne gleichzeitig mit schwachen Zahlen aus den USA. "Durch die Unsicherheit auf den Aktien- und Rentenmärkten profitiert wieder das Gold", erklärt der Skontroführer einen Nebeneffekt. Das Edelmetall habe diese Woche mit 1.262 US-Dollar je Feinunze fast ein neues Jahreshoch markiert.
Eine Belastung für die Aktienmärkte, genauer gesagt für Finanztitel, sind laut Jan Vrbsky von der Baader Bank die Nachrichten, dass einige europäische Banken beim Stresstest nicht alle Daten offengelegt haben sowie der anstehende Basel III-Vertrag und die damit einhergehende Erhöhung der Kernkapitalquote der Finanzinstitute. "Das System soll dadurch größere Stabilität bekommen. Es bedeutet aber auch, dass sich die Banken über die nächsten Jahre mit Eigenkapital ausstatten müssen", erläutert Vrbsky.
Geron verspricht die ewige Jugend
Eine interessante Meldung von der Technologiebörse Nasdaq berichtet Skontroführer Vrbsky. Das US-amerikanische Unternehmen Geron Corporation (WKN 902213) habe einen Wirkstoff entwickelt, der das körpereigene Enzym Telomerase aktivieren solle. Als Folge werde der Alterungsprozess des menschlichen Körpers aufgehalten. Die Nachricht über den biochemischen Jungbrunnen hat gestern den Aktienkurs um satte acht Prozent beflügelt. Er notiert heute bei rund 3,90 Euro.
PetroChina auf Expansionskurs
Der größte chinesische Ölkonzern PetroChina (WKN A0M4YQ) hat mit den Ausschreibungen für die technische Umsetzung der Ölförderung im riesigen Halfaya-Ölfeld im Irak begonnen. Dort ist das Unternehmen seit Dezember des vergangenen Jahres mit 37,5 Prozent beteiligt. In dem Multimilliardenprojekt will PetroChina die jährliche Rohölförderung auf 535 Millionen Barrel am Tag steigern. Während der zwanzigjährigen Laufzeit des Vertrages werde mit einer Gesamtfördermenge von 4,1 Milliarden Barrel gerechnet. Laut Vorhauser sind solche Riesenprojekte nicht unkritisch. Investitionen dieser Größenordnung würden auf die Laune der Investoren drücken. "Das bedeutet zunächst Kosten und belastet den Kurs", bemerkt der Skontroführer. In Frankfurt notiert das Papier aktuell bei 0,86 Euro.
Glückliches Urteil für bwin
Der Aktienkurs des österreichischen Online-Glücksspielkonzerns bwin (WKN 936172) schoss nach der gestrigen Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs, das Staatsmonopol auf Glückspiele aufzuheben, in die Höhe und notiert aktuell bei fast 42 Euro. "Die Aktie stand zuletzt etwas unter Druck", meint Vrbsky. Der Online-Wettanbieter habe in Deutschland mit einigen Problemen zu kämpfen wie zum Beispiel dem hiesigen Werbeverbot.
Sony wird Partner von Google TV
Sony (WKN 853687), der zweitgrößte Hersteller von Konsumelektronikprodukten weltweit, hat laut Vorhauser auf der diesjährigen IFA seinen allerneuesten Coup vorgestellt: Zusammen mit Logitech werde Sony die Hardware für das 2011 in Deutschland anlaufende Google-TV liefern. Die Plattform soll problemloses Hin- und Herschalten zwischen Fernsehprogrammen und Internet-Inhalten wie YouTube oder Bezahlvideos ermöglichen. Als weiteres Projekt habe Sony den Online-Mediendienst Qriocity (Curiosity = "Neugier") vorgestellt. Dieser soll schon in diesem Herbst in Europa Apple's iTunes Store Konkurrenz machen. "Der Zeitpunkt ist gut gewählt", bemerkt Vorhauser, "die Umsätze bei Sony's MP3-Playern ziehen an, in Japan lagen sie im August sogar 4 Prozent vor Apple." Mit regem Interesse sei auch die Ankündigung eines 3D-Vaio-Notebooks für das kommende Frühjahr aufgenommen worden. Ein Problem habe Sony allerdings, der starke Yen belaste die Exporte. Der Aktienkurs konnte sich trotz der Neuigkeiten nur wenig erholen, er notiert heute bei 23 Euro.
Axa: Verkauf der Asien-Tochter geplatzt
Die Aktie des französischen Versicherungsriesen Axa (WKN 855705) ist unter Druck geraten und notiert am Donnerstag mit einem Minus von rund zwei Prozent bei 12,75 Euro. Der Grund sei laut Vrbsky der geplatzte Verkauf von Axa Asia Pacific, der Asien-Tochter des Versicherers, an die National Australia Bank. "Im allerletzten Moment hat die australische Kartellbehörde ihr Veto eingelegt" erklärt der Skontroführer.
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© 9. September 2010 / Margarethe Dawo
(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)


