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09.09.2010 16:57

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Börse Frankfurt-News: Peeters: Jackpot auf dem Börsenparkett (Kolumne)


    FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) - 9. September 2010. Roger Peeters befasst sich diesmal mit dem Einfluss politischer Entscheidungen auf den Aktienmarkt und die hieraus profitierenden Akteure der vergangenen Woche.

Ausgerechnet die Zunft der Glückspielbetreiber, also solcher Unternehmen, die davon leben, dass ihre Kunden über Nacht reich werden oder zumindest davon träumen, sorgt mit plötzlichen Kursgewinnen für den Aufreger der Woche. Just zur Wochenmitte standen die einschlägigen Anbieter auf dem Börsenparkett ganz oben auf den Gewinnerlisten vieler Handelsplätze, so etwa Tipp24 und Jaxx in Deutschland, sowie die bwin Gruppe am Handelsplatz in Wien. Jaxx beispielsweise, als kleinster und somit potenziell volatilster Wert, gewann am besagten Tag rund 50 Prozent an Wert.

Das mag auf dem Parkett als Glück oder Pech empfunden worden sein. Diejenigen, die diese Aktie kurz zuvor erworben hatten, fühlten sich wahrscheinlich ein wenig wie die Gewinner eines Lotto-Jackpots. Diejenigen, die kurz vor dem Hype die Aktien nichtsahnend ihre Anteile verkauft haben, fühlen sich genauso vom Schicksal betrogen wie die Lottospieler, die ausgerechnet in der Woche, in der ihre Stammzahlen gezogen wurden, vergaßen den Schein abzugeben.

 

Doch mit Schicksal hat das Geschehen ebenso wenig zu tun wie mit Glück oder Pech. Die genannten Bewegungen sind direkte Auswirkungen regulatorischen Einflusses der staatlichen Obrigkeit. In diesem Falle war es der Europäische Gerichtshof, der urteilte, dass der deutsche Glücksspiel-Staatsvertrag nicht mit dem EU-Recht vereinbar ist. Damit wurde das momentane Staatsmonopol zumindest in der derzeitigen Form mehr oder minder sturmreif geschossen, was glänzende Perspektiven für private Anbieter verheißt. Das erklärt die eindrucksvollen Kursgewinne genauso wie die korrespondierenden Verluste in der Vergangenheit, als der Staat diese Zunft gängelte.

Erste Gewinnmitnahmen am Tag darauf gingen übrigens einher mit Aussagen erster Politiker, die sich nicht geschlagen geben, sondern den Status quo nur dahingehend umstellen wollen, dass das Monopol mit dem EU-Recht vereinbar werde. Ob das klappt sei dahingestellt, aber sicher ist: Die üppigen Einnahmen des Fiskus aus dem verstaatlichten Glücksspiel scheinen eine echte Motivation zu sein, um mit allen Mitteln weiter zu kämpfen. Am Ende des Tages entsteht hier eine echte Front zwischen den Aktionären eines privaten Betriebs auf der einen Seite und dem Staat in seiner hier durchaus etwas diskutablen Doppelrolle als juristischen Gestalter und potenziellen Nutznießer der halbstaatlichen Marktteilnehmer.

Eine Konstellation, zu der auch Aktionäre der großen Versorger-Aktien einige Strophen trällern könnten. Denn auch hier wurde im Zuge der Diskussion um den Termin des viel diskutierten "Atomausstiegs" einiges an Volatilität im Aktienchart von den jeweils herrschenden aus der Politik herbei geführt. Wer Investments in Aktien wie RWE oder E.ON tätigt, sollte offenkundig ähnlich akribisch über Wahlumfragen wie über den Bilanzen der Firmen wachen.

Die Liste der Aktien, die wesentlich von politischen Entscheidungen determiniert werden, ließe sich noch reichlich verlängern: Aktien aus dem Bereich der Erneuerbaren Energien, die von üppigen Umlagen in den Strompreisen profitieren, Automobilhersteller, die durch staatlich finanzierte "Abwrackprämien" gepäppelt wurden und natürlich die Bankenwelt, die erst teuer gerettet und nun über immer neu angedachte Regularien gemaßregelt werden soll.

All das ist nicht neu, aber man hat durchaus den Eindruck, dass der Einfluss des Staates auf den Aktienmarkt in den vergangen Jahren zugenommen hat. Ob das gut ist, sei dahin gestellt. Anleger kommen jedoch kaum mehr drum herum, sich diesem Thema zu stellen in ihren Dispositionsentscheidungen.

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© 9. September 2010/Roger Peeters

*Roger Peeters ist Vorstand der Close Brothers Seydler Research AG, einer Tochter der Frankfurter Wertpapierhandelsbank Close Brothers Seydler Bank, einer auf mittelständische Unternehmen fokussierte Bank. Zuvor leitete Peeters viele Jahre die Redaktion der "Platow Börse" und beriet den von ihm konzipierten DB Platinum III Platow Fonds. 2008 erschien von ihm 'Finde die richtige Aktie - ein Profi zeigt seine Methoden' im Finanzbuchverlag. Peeters schreibt regelmäßig für die Börse Frankfurt.

(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)

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