15.08.2012 15:44
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Börse Frankfurt-News: Reicht die Kraft für die 7.000? (Markttechnik)

    FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) - 15. August 2012. Aus charttechnischer Sicht deutet einiges auf ein Scheitern des DAX an der Marke von 7.000 Punkten. Mit jedem vergeblichen Durchbruchsversuch wachsen die Widerstände.

 

Schwankungsanfällig mit einem positiven Unterton beschreibt die Helaba die Marktkonstellation am gestrigen Dienstag. "Man wurde den Eindruck nicht los, dass die Marktteilnehmer unbedingt die psychologisch wichtige Marke von 7.000 Zählern sehen wollten." Überzeugende US-Einzelhandelsumsätze und ein besser als erwartet ausgefallenes deutsches BIP im zweiten Quartal 2012 hätten positive Impulse geliefert. Zudem könnten sich der hiesige Außenhandel und die deutsche Binnennachfrage in den Monaten April bis Juni sehen lassen.

 

Dennoch fehlten im DAX die Umsätze, wie Christoph Geyer beobachtet. "Die potenziellen Käufer trauen der Lage einfach nicht und halten sich mit Engagements zurück", meint der technische Analyst der Commerzbank. "Der DAX ist nun zum wiederholten Mal an der runden Marke von 7.000 Punkten gescheitert, obwohl die Chancen zum Durchbruch dieses Widerstands sehr gut waren." Je häufiger der Ausbruchsversuch nun scheitere, umso stärker würde der technische Widerstand.

 

Der Kauf-Funke ist noch nicht übergesprungen

 

Ähnlich beurteilt dies Gregor Bauer. Trotz der guten fundamentalen Ausgangslage zeigt der seit Mitte Mai anhaltende Aufwärtstrend im deutschen Aktienbarometer nach Auffassung des unabhängigen Analysten Ermüdungserscheinungen. "Der DAX hat in der vergangenen Woche von etwa 6.882 bis 6.996 Punkten eine deutliche Widerstandszone aufgebaut." Zudem deuteten die geringen Marktbewegungen der einzelnen Handelstage auf eine bestehende Unsicherheit hinsichtlich der künftigen Entwicklung. "Noch ist der Kauf-Funke nicht übergesprungen und die Marktstimmung weiterhin verhalten", fasst Bauer zusammen.

 

Sollte der DAX es schaffen, die psychologisch wichtige Marke von 7.000 Punkten zu knacken, stünde direkt die nächste Widerstandszone bei Fuß. Diese verlaufe zwischen etwa 7.100 bis 7.196 Zählern, dem Jahreshoch vom 16. März 2012. "Kein Wunder also, dass zurzeit bereits auf kleine Kursgewinne der Abgabedruck kurzfristig orientierter Händler folgt." Ein Anstieg in den Bereich um 7.250 Punkte im DAX ebne den Weg nach oben.

 

Vorsicht ist Bauer zufolge geboten, wenn das deutsche Aktienbarometer wieder unter die Unterstützung um 6.880 Zähler fällt. "Dann wäre die aktuelle Konstellation nach unten aufgelöst und der DAX würde die nächste Unterstützung um die Marke von 6.600 Punkten ansteuern."

 

Korrektur möglich

 

Als zunehmend vergebens sieht auch Jana Meier die derzeitigen Bemühungen des DAX, die Marke von 7.000 Punkten zu knacken. "Der Stochastik notiert längst deutlich im überkauften Bereich", meint die Analystin von HSBC Trinkaus & Burkhardt. Zudem hätten technische Indikatoren wie der angeführte Oszillator und der MACD die jüngsten Hochstände des deutschen Aktienindex bereits nicht mehr begleitet. "Diese negativen Divergenzen bremsen weitere Kursavancen deutlich aus."

 

Die zurückhaltende Einschätzung sieht Meier durch diverse Divergenzen vonseiten der grundsätzlichen Marktverfassung untermauert. So tendiere beispielsweise der DJ Transportation seit Ende Juni südwärts, während die Industriewerte des "großen Bruders" mit Notierungen oberhalb der Marke von 13.000 Punkten neue Hochs verbuchen konnten. "Laut Dow-Theorie ist aufgrund der fehlenden Bestätigung der beiden Indizes Gefahr im Verzug."

 

"Dabei könnte der deutsche Leitindex frischen Rückenwind gut gebrauchen", bemerkt Meier. Denn die Widerstandszone aus der Parallelen bei aktuell 6.978 Punkten zum Aufwärtstrend seit Anfang Juni zusammen mit mehreren alten Hoch- und Tiefpunkten im Bereich der psychologisch wichtigen Marke von rund 7.000 Punkten stellten sich als harte Gegner heraus. Ein unmittelbarer Angriff auf das bisherige Jahreshoch im DAX bei 7.194 Punkten stehe deshalb nicht ganz oben auf der Agenda.

 

"Vielmehr nehmen die Gefahren einer Korrektur des deutschen Leitindex zu", erkennt Meier. Der endgültige Startschuss für eine Atempause des DAX falle bei einem Rutsch unter das Maihoch bei 6.876 Punkten. Ein Wiedersehen mit dem oben genannten Aufwärtstrend seit Anfang Juni, der bei knapp 6.500 Punkten verlaufe, sei dann wohl nur eine Frage der Zeit.

 

Anlegerstimmung kaum besser

 

Wenige Anleger wagen sich aus der Deckung. Mit einem Bull/Bear-Index von 46,1 Punkten im Vergleich zu 43,9 Punkten in der Vorwoche hebt sich die Stimmung unter den 300 von der Börse Frankfurt befragten aktiven Investoren nur leicht. Der Index liegt damit weiterhin unter der Marke von 50, die Optimisten und Pessimisten voneinander trennt. 1 Prozent der Befragten hat sich von seinen Short-Positionen verabschiedet, gleichzeitig verlassen 2 Prozent das Lager der Unentschlossenen, d.h. 3 Prozent haben sich auf der Long-Seite positioniert und erwarten nun ebenfalls steigende Kurse im DAX auf Vierwochensicht. Mit 38 Prozent Optimisten und 45 Prozent Pessimisten zeigt sich ein insgesamt sehr auseinandergehendes Meinungsbild.

 

Der Bull/Bear-Index misst das Maß an Optimismus im Markt. Dafür werden die Optimisten ins Verhältnis zu den Pessimisten gesetzt und mit den neutral Gestimmten gewichtet. Werte unter 50 Punkte zeigen eine pessimistische Gesamtstimmung der Anleger. Was es bedeutet, können Sie ab 17 Uhr bei boerse-frankfurt.de/sentiment lesen.

 

© 15. August 2012 / Iris Merker

 

(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)

 

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