
Börse Frankfurt-News: Viele Höhenflieger (Auslandsaktien)
9. August 2012.Es läuft wieder rund an den Börsen, einige Dividendentitel - etwa Heineken oder Walt Disney - steuern sogar auf ein Allzeithoch zu. Für Aktionäre von Knight Capital gab es allerdings ein böses Erwachen.
Etwas mehr Zuversicht in der Eurokrise, ganz viel Liquidität und gar nicht so üble Quartalszahlen - das ist die Mischung, die die Börsen derzeit antreibt. Während der DAX Kurs auf 7.000 Punkte nimmt, nähert sich der Dow Jones wieder dem im April markierten Vierjahreshoch. "Alles sieht nach Entspannung aus", meint Roland Stadler von der Baader Bank. Vielleicht habe die EZB in der vergangenen Woche doch die richtigen Worte gefunden. Der Händler verweist auch auf den spanischen Aktienindex IBEX, der seit dem vergangenen Freitag von 6.400 auf zwischenzeitlich über 7.200 Punkte gestiegen ist.
"Anleger sind noch hin- und hergerissen", bemerkt Walter Vorhauser von Close Brothers Seydler. "Einerseits wird immer noch befürchtet, durch politische Entscheidungen auf dem falschen Fuß erwischt zu werden, andererseits wächst mit steigenden Kursen der Druck, noch auf den Zug aufzuspringen." Viele Unternehmen punkteten mit sehr guten Gewinnen, zudem müsse die Liquidität einfach untergebracht werden. Dass das Handelsaufkommen zuletzt wieder abgenommen habe, sei aber ein gutes Zeichen. Sein Fazit: "Alles steht noch auf sehr wackligen Füßen."
Knight Capital gerade noch gerettet
Auf alles anderem als soliden Füßen stand zwischenzeitlich auch der US-Finanzdienstleister Knight Capital Group, wie Vorhauser berichtet. "Durch einen Fehler im Handelssystem kaufte das Unternehmen vor gut einer Woche ungewollt Papiere im Wert von 4,5 Milliarden US-Dollar. Dadurch entstand innerhalb einer dreiviertel Stunde ein Verlust von 440 Millionen US-Dollar, das entspricht den Gewinnen dreier Jahren."
Die Aktie brach ein, an der Börse Frankfurt fiel der Dividendentitel (WKN A0ET45) innerhalb kurzer Zeit von über 8 auf rund 2 Euro. Zumindest kurzfristig scheint der Zusammenbruch des Handelsunternehmens, das Vorhauser zufolge rund 17 Prozent der Umsätze sowohl an der Nyse als auch an der Nasdaq auf sich vereint, aber abgewendet worden zu sein: Eine Reihe von Investoren, unter anderem Asset-Manager Blackstone und Broker TD Ameritrade, stehen mit einer Kapitalspritze bereit. Aktuell wird der Dividendentitel zu 2,50 Euro gehandelt.
Heineken: Kursknick nach Gegenofferte
Dagegen können Heineken-Aktionäre frohlocken: Der Dividendentitel des stark expandierenden niederländischen Brauereiriesen (WKN A0CA0G) hat sich in den vergangenen dreieinhalb Jahren mehr als verdoppelt auf aktuell knapp 44 Euro. "Bald ist das Rekordhoch von 49 Euro aus 2007 wieder erreicht", meldet Vorhauser. Für einen kleinen Kursdämpfer sorgte allerdings die Meldung, dass ein thailändischer Milliardär über das Unternehmen Kindest Place die Heineken-Offerte für die asiatische APB-Brauerei überbieten will. "Heineken ist bereits mit 42 Prozent an APB beteiligt, das Geschäft läuft auch sehr gut. Die Brauereibranche sieht großes Potenzial in den Schwellenländern."
Disney: "Avengers" verhilft zu Rekordgewinn
Ebenfalls in Richtung Allzeithoch unterwegs ist die Aktie der Walt Disney Company (WKN 855686). "Der US-Unterhaltungskonzerns hat gerade den größten Quartalsgewinn seiner Geschichte bekannt gegeben", erklärt Vorhauser. In dem im Juni zu Ende gegangenen dritten Quartal sei ein Gewinn von 1,83 Milliarden US-Dollar eingefahren worden, ein Plus von 24 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Zum Erfolg beigetragen hätten vor allem der Kinohit "The Avengers", aber auch das Fernsehgeschäft sowie Themenparks und Kreuzfahrtflotte, bei denen sich größere Investments nun auszahlten. "Der Kurs ist seit Herbst 2011 von 21 Euro auf über 40 Euro geklettert."
Nestlé überzeugt abermals
Viel Freude an ihrer Anlage haben auch Aktionäre von Nestlé. Der Dividendentitel, der sich ohnehin seit dem vergangenen Herbst ausgesprochen positiv entwickelt hat, legte seit Anfang Juni noch einen Spurt hin und kletterte von 45 auf über 50 Euro. Auch die jüngsten Quartalszahlen des Lebensmittelkonzerns wurden freudig aufgenommen, wie Stadler beobachtet hat. "Nestlé überzeugt mit organischem Wachstum, vor allem in Schwellenländern." An der Börse Frankfurt legt die Aktie (WKN A0Q4DC) von 49,77 Euro gestern auf aktuell knapp 51 Euro zu.
Rio Tinto besser als erwartet
Der Gewinn des britisch-australischen Bergbaukonzerns Rio Tinto ging im ersten Halbjahr zwar zurück, wie Stadler außerdem erklärt, Analysten hatten aber mit einem noch stärkeren Einbruch gerechnet. Die Aktie (WKN 852147) verteuerte sich daher. "Die Preise für Eisenerz sind im ersten Halbjahr um 21 Prozent gefallen, seitdem um weitere 13 Prozent. Das wirkt sich natürlich aus", erläutert der Händler. Allerdings halte der Konzern an seinen Prognosen für das Gesamtjahr fest und zeige sich zumindest längerfristig optimistisch. "Rio Tinto sollte vom Rohstoffhunger der Schwellenländer, speziell China, weiter profitieren." Die Aktie geht an der Börse Frankfurt heute zu knapp 41 Euro über den Tisch, Anfang Juni waren es nur rund 33 Euro.
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© 9. August 2012/Anna-Maria Borse
(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)







