Frankfurt (aktiencheck.de AG) - Nach einem über weite Strecken des Tages lustlosen Handel konnte der deutsche Aktienmarkt am Nachmittag deutlich an Fahrt aufnehmen. Der Dax schloss am Ende mit 1,20 Prozent im Plus bei 6.056,59 Punkten. Für den MDAX ging es um 2,85 Prozent nach oben auf 8.208,09 Zähler. Der SDAX stieg um 1,29 Prozent auf 3.883,68 Stellen. Der TecDax gewann 1,87 Prozent auf 753,67 Punkte. Der Bund Future verlor zuletzt 0,36 Prozent auf 128,74 Zähler. Der Euro zog zuletzt um 0,88 Prozent an auf 1,2094 Dollar.
Wie erwartet hat der Geldpolitische Rat der Europäischen Zentralbank beschlossen, das Zinsniveau unverändert zu lassen. Der zentrale 2-Wochen-Refi-Mindestbietungssatz, zu dem sich die Geschäftsbanken refinanzieren, bleibt damit bei 1,00 Prozent. Wie zuvor bekannt wurde, hat sich die Inflation in Deutschland im Mai nach endgültigen Angaben des Statistischen Bundesamtes beschleunigt. Demnach wuchs die Inflationsrate auf 1,2 Prozent, nach einer Jahresteuerungsrate von 1,0 Prozent im April 2010 und 0,0 Prozent im Mai 2009. Der für die Geldpolitik wichtige Schwellenwert von 2,0 Prozent wird damit weiterhin unterschritten.
Die wichtigsten US-Börsen lagen zum Handelsschluss in Deutschland mit bis zu 2,3 Prozent vorne. Hintergrund waren starke Konjunkturdaten aus China. So kletterte der chinesische Handelsbilanzüberschuss im Mai deutlich auf 19,53 Mrd. Dollar, nach nur 1,68 Mrd. Dollar im Vormonat. Hierbei erhöhten sich die Ausfuhren im Vorjahresvergleich kräftig um 48,5 Prozent auf 131,76 Mrd. Dollar. Außerdem hat sich die Arbeitsmarktsituation in den USA in der Vorwoche verbessert. Demnach verringerte sich die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe um 3.000 auf 455.000, während Volkswirte im Vorfeld sogar einen Rückgang auf 450.000 prognostiziert hatten. Das US-Handelsbilanzdefizit hat sich im April auf 40,3 Mrd. Dollar erhöht, während Volkswirte einen Zuwachs auf 41,3 Mrd. Dollar prognostiziert hatten. Am Abend steht der US-Staatshaushalt auf dem Programm. Am Freitag folgen in den USA die Einzelhandelsumsätze, die Verbraucherstimmung und die Lagerbestände.
Die Aufwärtsbewegung wurde angeführt von den drei Autobauern BMW (+ 4,5 Prozent), Daimler (+3,1 Prozent) und Volkswagen (+2,7 Prozent). Daneben zogen mitunter adidas um 2,6 Prozent, Fresenius um 2,5 Prozent und Infineon um 2,4 Prozent an. Die Deutsche Lufthansa (+1,3 Prozent) hat im Mai einen Passagieranstieg verbucht. Demnach wurden auf Konzernebene insgesamt 8,178 Millionen Passagiere befördert, was einem Plus von 34,7 Prozent entspricht. Der Sitzladefaktor erhöhte sich um 4,8 Prozentpunkte auf 79,2 Prozent. Bei der Lufthansa Passage wurde bei der Zahl der beförderten Passagiere ein Plus von 10,5 Prozent auf 5,429 Millionen ausgewiesen.
Die T-Aktie schloss 1,7 Prozent fester. Wie die Deutsche Telekom erklärte, hat T-Systems von der DekaBank den Zuschlag für die Übernahme und den Betrieb der Informations- und Kommunikationsinfrastruktur erhalten. Dabei sei eine Vertragslaufzeit von sechs Jahren vereinbart worden. Das Volumen über die gesamte Laufzeit liege im dreistelligen Millionen Euro Bereich. Das Papier der Deutschen Bank (Deutsche Bank) gewann nach einem schwachen Auftakt 0,6 Prozent. Dabei droht dem Finanzkonzern Presseangaben zufolge ein milliardenschweres Problem in den USA. Eine Tochter des deutschen Branchenprimus könnte drastisch unterkapitalisiert sein. Die US-Einlagensicherung kritisiert fehlendes Eigenkapital der amerikanischen Tochter Taunus, hieß es.
Für den zum Luft- und Raumfahrtkonzern EADS (European Aeronautic Defence and Space) gehörenden Flugzeugbauer Airbus war die internationale Luftfahrtausstellung ILA ein voller Erfolg. Den Angaben zufolge erhielt Airbus im Rahmen der Veranstaltung Aufträge im Gesamtwert von 15,3 Mrd. Dollar. Das Highlight für den führenden europäischen Flugzeugbauer war der Festauftrag über 32 Maschinen vom Typ A380 von der Fluggesellschaft Emirates Airline mit einem Gesamtwert von 11,5 Mrd. Dollar. EADS schlossen im MDAX mit 4,2 Prozent im Plus. Wie der Aromenhersteller Symrise mitteilte, stärkt er seine weltweite Marktführerschaft in der Herstellung von synthetischem Menthol mit einem signifikanten Ausbau der Produktionskapazitäten. Den Angaben zufolge beabsichtigt der Konzern, die bestehenden Kapazitäten bis zur Jahresmitte 2012 zu verdoppeln. Mit diesem Projekt in einem strategisch wichtigen Wachstumsmarkt vertiefe Symrise die Kooperation mit LANXESS . Symrise gewannen 1,8 Prozent. LANXESS rückten um 3,1 Prozent vor.
QSC und die zum Telekommunikationskonzern freenet gehörende freenet Cityline haben eine Vereinbarung über eine langfristige Netzkooperation geschlossen. Demnach wird das Schmalbandnetz von freenet, auf dem die festnetzbasierten Sprach- und Internetzugangsdienste betrieben werden, von QSC übernommen. Das Endkundengeschäft verbleibe exklusiv auch weiterhin bei freenet. QSC gewannen im TecDAX 5,8 Prozent. freenet schlossen quasi unverändert. In Zusammenhang mit der Übernahme der IDS Scheer durch die Software AG wird einem Pressebericht zufolge offenbar wegen des Verdachts des Insiderhandels ermittelt. Demnach hätten bereits Durchsuchungen in den Firmenzentralen in Saarbrücken und Darmstadt sowie in Privatwohnungen stattgefunden. Die Aktie der Software AG schloss dennoch 3,5 Prozent fester.
DAX: 6.056,59 (+1,20 Prozent) MDAX: 8.208,09 (+2,85 Prozent) SDAX: 3.883,68 (+1,29 Prozent) TecDAX: 753,67 (+1,87 Prozent) (10.06.2010/ac/n/m)