Frankfurt (aktiencheck.de AG) - Nachdem es bereits gestern stark nach unten ging, konnte auch am Dienstag im Zuge einer klar negativen Entwicklung an der Wall Street die Abwärtsspirale nicht gestoppt werden. Die marktbeherrschenden Themen bleiben weiterhin die Schuldenkrise in Europa sowie die Angst vor einem möglichen Abgleiten der US-Wirtschaft in die Rezession. Der DAX verlor zuletzt 1,00 Prozent auf 5.193,97 Punkte, während der MDAX 0,81 Prozent auf 8.334,93 Stellen fiel. Für den SDAX ging es derweil um 1,76 Prozent auf 4.199,36 Zähler nach unten. Der TecDAX verschlechterte sich um 0,68 Prozent auf 691,81 Punkte. Der Bund-Future gewann zuletzt 0,22 Prozent auf 138,62 Punkte, während sich der Euro um 0,51 Prozent auf 1,3997 US-Dollar verbilligte.
Der Auftragseingang in der Industrie hat sich im Juli 2011 nach Angaben des Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) reduziert. Nach vorläufigen Angaben fielen die Auftragseingänge preis-, kalender- und saisonbereinigt um 2,8 Prozent. Im Monat zuvor waren sie hingegen um 1,8 Prozent geklettert. Anders als in den Vormonaten war der Umfang an Großaufträgen lediglich durchschnittlich. Der Rückgang ging allein auf die schwache Auslandsnachfrage zurück (-7,4 Prozent), die zuvor allerdings auch extrem zugenommen hatte. Die Inlandsnachfrage nahm demgegenüber um 3,6 Prozent zu. Ihren Vorjahresstand übertrafen die Industrieaufträge im Juni/Juli kalenderbereinigt um 9,1 Prozent. Die Inlandsbestellungen verzeichneten binnen Jahresfrist dabei Zuwächse von 7,3 Prozent, die Auslandsbestellungen von 10,5 Prozent.
An der Wall Street zeichnet sich heute eine negative Tendenz ab. So notieren die wichtigsten US-Indizes derzeit mit bis zu 1,9 Prozent im Minus. Konjunkturseitig wird morgen in Japan das BoJ Sitzungsergebnis erwartet. In Deutschland stehen Daten zur Produktion im Produzierenden Gewerbe für Juli zur Veröffentlichung an. In den USA steht zudem noch das Beige Book an.
Im Mittelpunkt des Interesses standen heute im Dax die Aktien von Bayer , die als schwächster Wert um 7,5 Prozent einbrachen. Wie der Pharmakonzern heute mitteilte, hat die US Zulassungsbehörde FDA auf ihrer Internet-Webseite Dokumente veröffentlicht, die Gegenstand einer Sitzung eines aus unabhängigen Experten bestehenden Beratergremiums (AdCom) zum Zulassungsantrag für Rivaroxaban sein werden. Im Rahmen der von der FDA auf seiner Internet-Seite veröffentlichten Dokumente werden von Bayer zusätzliche Daten zur Wirksamkeit des Medikaments in der entsprechenden Indikation verlangt. Aus den im Zuge der Rocket AF Studie ermittelten Daten gehe nicht hervor, dass Rivaroxaban genauso effektiv sei, wie das Vergleichsmedikament Warfarin, heißt es in den von der FDA veröffentlichten Dokumenten. Außerdem wurden von der FDA Bedenken bezüglich der sicheren Anwendung von Rivaroxaban in der betreffenden Indikation geäußert. Das Beratergremium wird am 08. September 2011 tagen und den Zulassungsantrag für Rivaroxaban für die Indikation Prävention von Schlaganfällen und systemischen Embolien bei Patienten mit Vorhofflimmern vor dem Hintergrund der Rocket AF Studie diskutieren.
RWE (RWE) verbilligten sich daneben heute um 1,6 Prozent, nachdem der Versorger den Verkauf der Mehrheitsbeteiligung am Netzbetreiber Amprion abgeschlossen hat. So hat ein überwiegend aus deutschen und institutioneller Finanzinvestoren aus der Versicherungswirtschaft und von Versorgungswerken bestehendes Konsortium 74,9 Prozent der Anteile des Übertragungsnetzbetreibers übernommen. Allianz verschlechterten sich um 1,5 Prozent. Der Versicherungskonzern gibt dem Geschäftsbereich Asset Management eine neue Struktur und stärkt dabei die Markenpräsenz von Allianz Global Investors und PIMCO. Durch die neue Struktur der Allianz Asset Management, die neu benannte Holdinggesellschaft für den Allianz-Geschäftsbereich Asset Management, die zum 1.1.2012 wirksam wird, werden den Angaben zufolge die beiden Investment Manager der Gruppe - PIMCO und Allianz Global Investors - als unabhängige Unternehmen unter dem Dach der Allianz Asset Management klarer definiert. MAN fuhren indes mit einem Abschlag von 2,3 Prozent hinterher, nachdem die zum Konzern gehörende MAN Truck & Bus hat einen Großauftrag über 200 Bus-Chassis aus Singapur erhalten hat. Ganz oben auf dem Einkaufszettel der Investoren fanden sich im DAX zum Handelsschluss die Anteilsscheine von Fresenius Medical Care mit einem Zugewinn von 3,3 Prozent wieder.
Bilfinger Berger meldete heute einen Zukauf. So erweitert der Baukonzern sein Angebot in der Umwelt- und Wassertechnologie und übernimmt das Filtergeschäft des weltweit aktiven Spezialherstellers Diemme mit Sitz in Lugo, Italien. Mit der Akquisition wird das bestehende Portfolio in der Wasser- und Reststoffaufbereitung ergänzt. Diemme Filtration erbringt eine Jahresleistung von 40 Mio. Euro und zeichnet sich den Angaben zufolge durch hohe Ertragskraft aus. Die Papiere von Bilfinger Berger gaben um 1,3 Prozent nach. Für Salzgitter ging es um 0,2 Prozent nach unten. Die zum Stahl- und Technologiekonzern gehörende Tochter Ilsenburger Grobblech GmbH (ILG) hat einen Großauftrag an Land gezogen. So wurde die ILG von der AM-BAU GmbH mit der Lieferung von rund 70.000 Tonnen Grobblech für den Offshore-Windpark Meerwind beauftragt. LANXESS verbilligten sich indes um 0,8 Prozent, nachdem der Chemiekonzern gestern weitere Investitionen in Höhe von 15 Mio. Euro in sein Glasfaserwerk in Antwerpen angekündigt hat. Tagessieger im MDAX wurden heute GAGFAH (Gagfah) mit einem Aufschlag von 6,1 Prozent, nachdem der Immobilienkonzern gestern den Beginn eines Rückkaufangebots nach einem modifizierten Dutch Auction-Verfahren bekannt gegeben hat. Im Rahmen dieses Angebots sollen im Umlauf befindliche Aktien im Gesamtwert von 75 Mio. Euro zu einem Kaufpreis zwischen mindestens 3,50 Euro und höchstens 5,00 Euro pro Aktie in bar zurückgekauft werden. Die rote Laterne ging schließlich an die LEONI mit einem Abschlag von 8,3 Prozent.
Evotec rauschten als bester Wert im TecDax um 17,1 Prozent nach oben. Der Biotechkonzern und der schweizerische Pharmakonzern Roche Holding gaben schon gestern die Unterzeichnung einer exklusiven weltweiten Lizenzvereinbarung zur Entwicklung und Kommerzialisierung von Evotecs MAO-B-Inhibitor zur Behandlung der Alzheimer'schen Erkrankung bekannt. In der Folge hebt Evotec die Umsatzprognose für das Jahr 2011 von 70 bis 72 Mio. Euro auf 77 bis 79 Mio. Euro an und erhöht das Liquiditätsziel zum Ende des Jahres auf über 60 Mio. Euro. Im Rahmen der Vereinbarung wird Evotec von Roche eine Vorabzahlung von 10 Mio. US-Dollar erhalten. Weitere Meilensteinzahlungen für die Entwicklung und Kommerzialisierung könnten bis zu 820 Mio. US-Dollar erreichen. Zudem hat Evotec Anspruch auf abgestufte Umsatzbeteiligungen in zweistelliger Höhe an den verkauften Produkten. QIAGEN hat derweil mit Eli Lilly (Eli Lilly and) eine Kooperation über die Entwicklung, Herstellung und Vermarktung eines molekularen Begleitdiagnostikums für einen neuen Wirkstoff von Lilly vereinbart, der sich derzeit in einer frühen Phase der Entwicklung befindet. Die Aktie von QIAGEN verteuerte sich um 0,3 Prozent. Einen schweren Stand hatten heute im TecDAX Roth & Rau sowie Phoenix Solar, die auf dem vorletzten und letzten Platz 5,5 bzw. 11,3 Prozent an Wert verloren. Beide Titel müssen zum 19. September den TecDAX verlassen.
Air Berlin (Air Berlin) konnte im August 2011 die Passagierzahlen steigern. So wurden im Berichtszeitraum 3.759.405 (2010: 3.726.914) Fluggäste befördert, was einem Plus von knapp ein Prozent entspricht. Die Auslastung der Flotte erhöhte sich um 1,7 Prozentpunkte auf 85,1 Prozent (August 2010: 83,4 Prozent), während die Kapazität gezielt um 1,1 Prozent reduziert wurde. Die Aktie der Airline flog am Ende mit einem Abschlag von 5,6 Prozent hinterher.
DAX: 5.193,97 (-1,00 Prozent) MDAX: 8.334,93 (-0,81 Prozent) SDAX: 4.199,36 (-1,76 Prozent) TecDAX: 691,81 (-0,68 Prozent) (06.09.2011/ac/n/m)