Frankfurt (aktiencheck.de AG) - Die wichtigsten deutschen Aktienindizes konnten am Montag ihre im zwischenzeitlichen Handel deutlichen Gewinne nicht verteidigen und rutschten am Nachmittag in die Verlustzone. Insgesamt profitierten die Märkte anfänglich von der Einigung im US-Schuldenstreit, wobei dann im Handelsverlauf Ernüchterung einkehrte. Der Kompromiss muss noch ratifiziert werden. In diesem Zusammenhang fürchten sich manche Anleger, dass der Kompromiss im Kongress abgelehnt werden könnte. Zudem belasteten auch negative US-Konjunkturdaten. Der DAX verschlechterte sich um 2,86 Prozent auf 6.953,98 Punkte. Der MDAX fiel um 1,42 Prozent auf 10.338,08 Stellen. Für den SDAX ging es derweil um 0,77 Prozent nach unten auf 5.251,47 Zähler. Der TecDAX gab um 0,60 Prozent nach auf 815,77 Punkte. Der Bund Future gewann zuletzt 0,67 Prozent auf 131,23 Zähler, während sich der Euro um 1,06 Prozent auf 1,4202 US-Dollar verschlechterte.
Kurz vor der drohenden Zahlungsunfähigkeit haben sich in den USA Demokraten und Republikaner am Wochenende auf einen Kompromiss verständigt. Wie es heißt, sieht die Vereinbarung die Anhebung der gesetzlichen Schuldenobergrenze um mindestens 2,1 Bio. US-Dollar bis 2013 und damit über die Präsidentenwahlen hinaus vor. Ohne diese Maßnahme hätte die weltweit größte Volkswirtschaft bereits ab dem morgigen Dienstag einen Teil ihrer Schulden nicht mehr bedienen können.
An den US-Börsen zeichnet sich heute eine negative Tendenz ab. So notieren die wichtigsten US-Indizes derzeit mit bis zu 1,1 Prozent im Minus. Am Dienstag stehen in der EU die Erzeugerpreise für Juni zur Veröffentlichung an. Aus den USA werden Zahlen zu den Persönlichen Auslagen und Einkommen für Juni erwartet.
Die Deutsche Telekom plant einem Medienbericht zufolge massive Stellenstreichungen in ihrer Bonner Zentrale. Wie es heißt, will Konzernchef René Obermann im Rahmen des laufenden Sparprogramms umfangreiche Entlassungen in Führungspositionen umsetzen. So sollen in den kommenden Jahren bis zu 1 600 Stellen in der Bonner Zentrale wegfallen. Das wären bis zu 8 Prozent aller Posten in der Konzernverwaltung. Der Titel verschlechterte sich um 3,8 Prozent. Siemens will in Russland zusammen mit dem russischen Unternehmen Power Machines OJSC binnen der nächsten Monate ein Gasturbinen-Joint Venture gründen, an dem Siemens 65 Prozent und Power Machines den Rest der Anteile halten soll. Das Gemeinschaftsunternehmen mit Sitz in St. Petersburg soll für Entwicklung, Fertigung und den Service von Gasturbinen in Russland und den anderen Ländern der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) tätig sein. Im Gegenzug trennt sich Siemens von seiner Beteilung in Höhe von 25 Prozent plus einer Aktie an Power Machines und gibt diese an den Mehrheitseigner Highstat Ltd. ab. Die Anteilsscheine des Technologiekonzerns verbilligten sich ebenfalls um 3,8 Prozent. BMW fuhren mit einem Abschlag von 3 Prozent hinterher. Die Vertriebsregion Europa der BMW Group wird ab dem 1. Oktober 2011 von Nicolas Peter (49) geleitet. Peter übernimmt die Region von Ludwig Willisch (55), der Präsident von BMW of North America wird. Der Vorstandschef des Energieversorgers E.ON (EON), Johannes Teyssen, zieht derweil aus der radikalen Wende in der Energiepolitik Konsequenzen und plant einem Pressebericht zufolge einschneidende Sparmaßnahmen. Wie es heißt, plant man eine durchgreifende Zentralisierung. Die deutschen Standorte München, Hannover und Essen stehen vor der Schließung. Wie es weiter heißt, sind die Verhandlungen von E.ON mit dem russischen Erdgasversorger OAO Gazprom (Gazprom (Spons ADRs)) über niedrigere Gasbezugspreise gescheitert. Die Aktie des Versorgers gab um 3,1 Prozent nach. Ferner haben BASF und Purac, eine Tochter der niederländischen CSM (CSM NV (formerly Centrale Suiker Maatschappij NV)), Verhandlungen über die Gründung eines Joint Ventures zur Produktion biobasierter Bernsteinsäure aufgenommen.Zudem wird der Konzern seine Anlage zur Herstellung des Dämmstoffs Styrodur C am Standort Ludwigshafen deutlich erweitern. Die Anteilsscheine von BASF verloren 3,2 Prozent an Wert. Im Dax notierten alle 30 Werte in der Verlustzone. Am besten hielten sich noch Volkswagen, die lediglich um 1 Prozent nachgaben. Hinten ging es für die Commerzbank um 5,2 Prozent nach unten.
Der im MDAX notierte Triebwerkshersteller MTU Aero Engines Holding stand mit einem Abschlag von 3,1 Prozent im Fokus, nachdem man das beste Halbjahresergebnis in der Geschichte erzielt hat. Zudem wurde die Jahresprognose angehoben. So verbesserte sich das operative Ergebnis (bereinigt) um 14 Prozent auf 164,0 Mio. Euro. Der Umsatz erreichte 1,35 Mrd. Euro und lag damit auf Vorjahresniveau. Den Gewinn nach Steuern (bereinigt) hat das Unternehmen um 22 Prozent auf 89,1 Mio. Euro gesteigert. Für 2011 wird nun mit einem bereinigten EBIT von 325 Mio. Euro gerechnet. Bisher war die MTU von einem bereinigten EBIT in Höhe des Vorjahreswertes ausgegangen (2010: 311,3 Mio. Euro). Der Gewinn nach Steuern (Net Income bereinigt, 2010: 182,3 Mio. Euro) wird jetzt leicht über dem Vorjahresniveau erwartet. Der neue Ausblick basiert auf einem Dollarkurs von 1,40 US-Dollar / Euro. Bisher war die MTU von einem Wechselkurs von 1,35 US-Dollar / Euro ausgegangen. Daneben flogen EADS mit einem Abschlag von 0,8 Prozent hinterher. Der Luft- und Raumfahrtkonzern verlautbarte heute, dass seine Tochter Astrium eine Vereinbarung zum Erwerb von Vizada für 960 Mio. US-Dollar vom Mehrheitsaktionär Apax France, einem französischen Private-Equity-Fonds, getroffen hat. Für 2011 erwartet Vizada einen Umsatz von rund 660 Mio. und ein EBITDA von 95 Mio. US-Dollar. Ferner notierten Rheinmetall mit 1,6 Prozent im Minus. Der Konzern will einem Medienbericht zufolge einen Börsengang der Automobilzuliefer-Tochter Kolbenschmidt Pierburg forcieren. Schließlich hat die zum Baukonzern HOCHTIEF gehörende australische Tochter Leighton Holdings einen Auftrag aus Australien mit einem Volumen von 150 Mio. Australischen Dollar an Land gezogen. Die Aktie von HOCHTIEF verschlechterte sich um 4,1 Prozent. Ganz oben auf dem Einkaufszettel der Investoren fanden sich am Ende im MDAX FUCHS PETROLUB mit einem Aufschlag von 2,6 Prozent wieder, während die rote Laterne an Heidelberger Druck ging. Der Titel notierte deutlich mit 5,4 Prozent im Minus.
Nordex gaben um 2 Prozent nach. Der Windanlagenbauer ist von der Eolia Renovables mit der Lieferung von 15 Anlagen des Typs N100/2500 beauftragt worden. Das Unternehmen ruft die Turbinen aus dem Rahmenvertrag ab, den es mit Nordex im Jahr 2007 abgeschlossen hat. Der Auftrag umfasst neben der Lieferung der Anlagen auch die schlüsselfertige Windparkerrichtung. Eolia Renovables nimmt zudem den Nordex-Premiumservice in Anspruch. MorphoSys verbilligten sich daneben um 1,8 Prozent. Der Biotechnologiekonzern verlautbarte, dass seine Geschäftseinheit für Forschungs- und diagnostische Antikörper AbD Serotec ihre bestehende Lizenzvereinbarung mit dem US-Pharmakonzern Merck & Co. erweitert hat, um den Einsatz der HuCAL GOLD-Antikörpertechnologie von MorphoSys im Bereich der Impfstoffforschung einsetzen zu können. Tagessieger im TecDax wurde Evotec mit einem Zugewinn von 4,4 Prozent, während auf dem letzten Platz Pfeiffer Vacuum 3,9 Prozent verloren.
Im SDAX legten GRENKELEASING als drittbester Wert um 1,9 Prozent zu. Der Konzern konnte sein Ergebnis in der ersten Jahreshälfte 2011 verbessern und hat den Ausblick für das Gesamtjahr angehoben. Der Konzerngewinn kletterte um 47,6 Prozent auf 18,1 Mio. Euro. Für das Gesamtjahr rechnet der Konzern nunmehr mit einem Gewinn zwischen 36 Mio. und 38 Mio. Euro. Vorne rückten Deutsche Beteiligungs AG um 3,3 Prozent vor.
DAX: 6.953,98 (-2,86 Prozent) MDAX: 10.338,08 (-1,42 Prozent) SDAX: 5.251,47 (-0,77 Prozent) TecDAX: 815,77 (-0,60 Prozent) (01.08.2011/ac/n/m)