06.02.2013 20:59
Bewerten
 (0)

Börsen-Zeitung: Aussterbende Spezies, Kommentar zu Schweizer Privatbankiers von Daniel Zulauf

Frankfurt (ots) - Den Letzten beißen die Hunde. Man kann - und man sollte vielleicht schon aus purer Nostalgie - bedauern, dass nun auch die beiden ehrwürdigen Genfer Privatbanken Pictet und Lombard Odier ihr Rechtskleid wechseln. Die beiden Institute haben gerade gemeinsam und scheinbar aus heiterem Himmel verkündet, dass sie ihre Rechtsform als Personengesellschaft Anfang nächsten Jahres aufgeben werden, um sich in Kommanditaktiengesellschaften zu wandeln. Damit beerdigen sie das altbewährte Geschäftsmodell, in dem die teilhabenden Bankiers mit ihrem gesamten Privatvermögen solidarisch für das Unternehmen haften.

Objektiv bedeutet der Wandel zwar einen Verlust, weil er zu einer weiteren Verengung der ohnehin schon reichlich eintönigen Angebotspalette der Banken führt. Doch deshalb braucht niemand die Alarmglocken zu läuten. Die Kundschaft der Genfer Privatbankiers ist zwar außergewöhnlich gut betucht, aber sie ist gemessen an der Anzahl klein. Und vor allem: Diese Klientel weiß sich nötigenfalls immer auch selber zu helfen.

Viel wichtiger und beunruhigend ist hingegen die Botschaft, die sich hinter der Veränderung in der Genfer Bankenlandschaft verbirgt. Die Privatbankiers können und wollen für ihre Unternehmen und ihre Kunden nicht mehr persönlich geradestehen. Natürlich hat dies auch viel mit den schieren Dimensionen der beiden Banken zu tun. Zusammengenommen zählen sie weltweit über 5000 Mitarbeiter und die verwalteten Vermögen belaufen sich auf mehr als 500 Mrd. sfr. Es versteht sich von selbst, dass die damit verbundenen Risiken schwer auf den Schultern der wenigen Teilhaber lasten.

Doch dass die Bankiers diese Last gerade jetzt, nach mehr als 200 Jahren loswerden möchten, ist kein Zufall. Nach sechs Jahren Finanz- und Schuldenkrise schreitet die Regulierung in der internationalen Finanzwirtschaft mit Siebenmeilenstiefeln voran. Unter dem Eindruck von Madoff und Lehman entstehen überall neue Anlegerschutzgesetze. Als ob es eine Selbstverantwortung des Investors gar nicht gäbe, werden zunehmend Banken in die Haftung genommen. Aber Anlegerschutz ist politisch opportun, auch wenn er erwiesenermaßen nur für einen kleinen privilegierten Kreis der Bevölkerung relevant ist.

Mit Fatca und anderen Steuerabkommen haben auch die Staaten erkannt, dass sich die Verantwortung in der Steuereintreibung auf Banken überwälzen lässt. Man kann verstehen, dass die Genfer Bankiers nicht als Letzte von den Hunden gebissen werden wollen.

Originaltext: Börsen-Zeitung Digitale Pressemappe: http://www.presseportal.de/pm/30377 Pressemappe via RSS : http://www.presseportal.de/rss/pm_30377.rss2

Pressekontakt: Börsen-Zeitung Redaktion

Telefon: 069--2732-0 www.boersen-zeitung.de

Artikel empfehlen?

Heute im Fokus

DAX stabil -- EZB erhöht Notkreditrahmen für griechische Banken erneut -- Windeln.de-Börsengang: Frisches Kapital für weiteres Wachstum -- BVB, Heidelberger Druck im Fokus

Ukrainische Naftogaz unterzeichnet Interims-Vereinbarung mit Gazprom. Griechenland legt etwas ausführlichere Reformpläne vor. Japanische ANA bestellt sieben A321 bei Airbus. E.ON muss Entschädigung für Übervorteilung britischer Kunden zahlen. Valentinstag hilft Marks & Spencer auf die Sprünge.
Was verdient man bei Apple?

Diese Aktien sind auf den Verkauflisten der Experten

Welcher Vorstandsvorsitzende verdiente 2014 am besten?

Die 5 beliebtesten Top-Rankings

Wissenswertes rund um die Investorenlegende

Mit welchen Techniken sparen Weltkonzerne Steuern?

10 Patente, die Apple für die Zukunft bereithält

Welche Aktien zählt Warren Buffet zu seinem Portfolio?

Die wundersame Welt von Google

mehr Top Rankings

Umfrage

Welche Rolle spielen bei Ihrer Geldanlage ethische oder ökologische Aspekte?