03.12.2012 19:50
Bewerten
 (0)

Börsen-Zeitung: Die Kröte wächst, Kommentar zum Einstieg des Bundes beim Luftfahrtkonzern EADS, von Stefan Kroneck.

Frankfurt (ots) - Angesprochen auf den französischen Staatseinfluss bei EADS gab der frühere Verwaltungsratschef Manfred Bischoff einst zu Protokoll, dass man die Kröte habe schlucken müssen, sonst wäre der Luftfahrtkonzern nie zustande gekommen. 13 Jahre nach Gründung der Airbus-Muttergesellschaft mehren sich nun die Anzeichen, dass die Kröte nicht etwa schrumpft, sondern wächst und gedeiht.

Mit dem Einstieg des Bundes über die Förderbank KfW wird EADS mehr und mehr zu einem Staatsunternehmen. Der ordnungspolitische Sündenfall wird zu einem Dauerzustand. Mit einem Anteil von zusammen knapp 30% werden Frankreich, Deutschland (voraussichtlich jeweils 12%) und Spanien (5%) künftig den neuen Block der Ankeraktionäre bilden. Daimler und Lagardère scheren aus dem bisherigen Aktionärspakt aus.

Mancher mag diese Entwicklung als Vorteil für EADS-Chef Thomas Enders werten, sinkt doch die Beteiligung der bisherigen strategischen Aktionäre, die derzeit noch bei insgesamt über 50% liegt. Das ist aber ein Trugschluss. Für Enders, der den Staat aus dem Unternehmen lieber heraushalten will, ist dieser Schritt eine weitere Niederlage im Machtkampf um EADS. Sein Versuch, über eine Fusion mit dem britischen Wettbewerber BAE Systems den Staat im Konzern via Goldene Aktien zurückzudrängen, scheiterte an den divergierenden nationalen Interessen Deutschlands, Frankreichs und Großbritanniens. Die beiden industriellen Großaktionäre steigen auf mittlere Sicht komplett aus. Damit entfallen künftig zwei gewichtige Vertreter der privaten Investorengruppe, die staatliches Vormachtstreben bei EADS zumindest begrenzen und eindämmen konnten.

Jetzt sind alle Schleusen geöffnet. Enders wird mehr denn je unternehmerische Entscheidungen mit industriepolitischen Interessen der beteiligten Staaten in Einklang bringen müssen. Dies birgt Konfliktpotenzial zwischen dem Management und den Regierungen, weil Staatsunternehmen zur Fehlallokation von Ressourcen neigen. Das Argument, dass der Einstieg des Bundes ein Gegengewicht zum französischen Staat bilden soll, um etwa deutsche Interessen bei Standortfragen zu sichern, ist unter diesem Aspekt nicht stichhaltig.

Für Enders wird die Führung des ohnehin komplexen Konzerns noch schwieriger. Berlin würde der Sache die Krone aufsetzen, sollte der Luftfahrtkoordinator der Bundesregierung und Enders-Gegner Peter Hintze (CDU) als Vertreter des Bundes in den Verwaltungsrat einziehen. Schwer vorstellbar, dass Enders bereit wäre, diese Kröte zu schlucken.

(Börsen-Zeitung, 4.12.2012)

Originaltext: Börsen-Zeitung Digitale Pressemappe: http://www.presseportal.de/pm/30377 Pressemappe via RSS : http://www.presseportal.de/rss/pm_30377.rss2

Pressekontakt: Börsen-Zeitung Redaktion

Telefon: 069--2732-0 www.boersen-zeitung.de

Anzeige
Börse Stuttgart Anlegerclub
Technologieaktien: Drei Möglichkeiten, um vom Trend "Digitale Fabrik" zu profitieren!
Die vierte industrielle Revolution ist im vollen Gange und verändert, vom Großteil der Gesellschaft völlig unbemerkt, bereits die Produktionsabläufe in den großen, industriellen Hallen. Wir zeigen Ihnen in der aktuellen Ausgabe des Anlegermagazins drei Möglichkeiten, wie Sie in den kommenden Monaten und Jahren von dem Zukunftstrend "Digitale Fabrik" profitieren können.
Anlegermagazin kostenlos erhalten

Heute im Fokus

DAX geht mit kleinem Plus ins Wochenende -- Wall Street reagiert verhalten auf Amtsantritt von US-Präsident Trump -- Postbank sieht Chancen auf IPO -- Yellen: US-Geldpolitik auf Kurs -- GE im Fokus

Buffett-Investment BYD träumt vom Gigaerfolg in den USA. AIG schlägt Milliardenrisiken an Berkshire Hathaway los. Deutsche Top-Manager warnen Trump vor Strafzöllen und Abschottung. American Express verdient deutlich weniger. Chinas Wachstum fällt auf niedrigsten Stand seit 1990. Winterkorn bleibt dabei: Von Betrug bei VW nichts gewusst.
Diese Aktien stehen auf den Kauflisten der Experten
Jetzt durchklicken
Diese 10 Automobil Neuheiten gibt es bei der Detroit Auto Show 2017
Jetzt durchklicken
Diese Aktien stehen auf den Verkauflisten der Experten
Jetzt durchklicken

Die 5 beliebtesten Top-Rankings

Die Millionen-Dollar-URLs
Jetzt durchklicken
Welche Commodities entwickelten sich 2016 am stärksten?
Jetzt durchklicken
Mit diesem Studium wird man CEO im Dow Jones
Jetzt durchklicken
Das verdienen YouTube-Stars mit Videos
Jetzt durchklicken
So reich sind die Minister aus Donald Trumps Kabinett
Jetzt durchklicken
mehr Top Rankings

Umfrage

Der künftige US-Präsident Donald Trump hat die Nato als obsolet bezeichnet. Halten Sie das Militärbündnis ebenfalls für überflüssig?
Beliebte Suchen
DAX 30
Öl
Euro US-Dollar
Goldpreis
Meistgesucht
Volkswagen AG Vz. (VW AG) 766403
BASF BASF11
Deutsche Bank AG 514000
Bayer BAY001
Daimler AG 710000
Scout24 AG A12DM8
AMD Inc. (Advanced Micro Devices) 863186
Apple Inc. 865985
E.ON SE ENAG99
Allianz 840400
Deutsche Telekom AG 555750
Commerzbank CBK100
BMW AG 519000
Nestle SA A0Q4DC
Facebook Inc. A1JWVX