28.11.2012 18:35
Bewerten
(0)

Börsen-Zeitung: Eine Frage der Bewertung, Kommentar zur Verschärfung der EU-Regeln für Ratingagenturen, von Stephan Lorz.

Frankfurt (ots) - Dass im Laufe der Euro-Krise so manche Bonitätsbewertung von Ratingagenturen die Politik verärgert hat - etwa wegen ihres krisenverschärfenden Veröffentlichungszeitpunkts - ist nachvollziehbar. Oft wurden Ratingveränderungen von Staaten unmittelbar vor entscheidenden EU-Gipfeln bekannt gegeben, obwohl sich an der Lage des betroffenen Landes zuvor nichts geändert hatte. Das wirft Fragen nach den Absichten auf. Auch leisteten sich die Agenturen so manche Fehlleistung etwa durch zu früh bekannt gewordene Bonitätsänderungen.

Dass die EU-Kommission deshalb wegen des institutionellen und marktbewegenden Charakters der Agenturen nun auf mehr Transparenz dringt, sie bei grober Fahrlässigkeit sogar haftbar machen und den Veröffentlichungszeitpunkt vorgeben möchte, ist deshalb durchaus diskussionswürdig. Auch andere Unternehmen müssen sich ihrer rechtlichen und gesellschaftlichen Verantwortung stellen. Und im Fall der Länderratings geht es schließlich oft um das Wohl und Wehe ganzer Volkswirtschaften.

Allerdings darf die Haftung nicht so weit gehen, dass die Agenturen künftig wegen einer - aus Sicht des Betroffenen - zu schlechten Bonitätsnote zur Rechenschaft gezogen werden können. Das ist zwar dem Verordnungsentwurf nach ohnehin nicht geplant. Wie weit Gerichte bei der Interpretation von Gesetzestexten aber gehen, hat zuletzt das Urteil des Europäischen Gerichtshofs im Hinblick auf den Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) gezeigt: Das strikte "Beistandsverbot" (No-Bail-out-Klausel) des EU-Vertrags bei finanziellen Schieflagen von Euro-Staaten wurde zu einer "Beistandsmöglichkeit" umdeklariert. Da der Unmut der Politik über die zu schlechte Bonitätsbewertung zu den neuen Regulierungsvorschlägen geführt hat, ist nun die Gefahr groß, dass auch der aktuelle Regulierungswortlaut "uminterpretiert" wird.

Bei aller Kritik am Gebaren der Ratingagenturen sieht der Gesetzgeber ja inzwischen ein, dass er es selbst war, der durch die Integration der Ratings in Regulierungsbestimmungen den Agenturen erst zur jetzt beklagten Marktbedeutung verholfen hat. Von Natur aus handelt es sich bei Ratings nämlich lediglich um Meinungsäußerungen. Und inhaltlich haben sich die Urteile im Bereich der jetzt kritisierten Länderratings meist sogar als ökonomisch fundiert erwiesen. Nicht immer natürlich, aber die Agenturen sind ja auch keine Versicherung gegen Zahlungsausfall, sondern bewerten nur - wie es dieser Kommentar auch tut.

(Börsen-Zeitung, 29.11.2012)

Originaltext: Börsen-Zeitung Digitale Pressemappe: http://www.presseportal.de/pm/30377 Pressemappe via RSS : http://www.presseportal.de/rss/pm_30377.rss2

Pressekontakt: Börsen-Zeitung Redaktion

Telefon: 069--2732-0 www.boersen-zeitung.de

Anzeige
Anzeige
Börse Stuttgart Anlegerclub

Aktien mit Sicherheit und Potenzial

Für die neue Ausgabe des Anlegermagazins haben unsere Redakteure Aktien identifiziert, die aus ihrer Sicht Sicherheit und Potenzial bieten. Einen besonderen Blick werfen sie dabei auf die Chemie- und Versicherungsbranche. Erfahren Sie im aktuellen Magazin, wie Sie "Richtig investieren" und lesen Sie, welche Aktien bei überschaubarem Risiko einiges an Potenzial bieten.
Anlegermagazin kostenlos erhalten

Heute im Fokus

DAX schließt mit kräftigen Zugewinnen -- Dow im Plus -- ZEW-Konjunkturerwartungen fallen -- Bitcoin-Zertifikat lässt spekulative Anleger voll auf ihre Kosten kommen -- BMW, UniCredit, BHP im Fokus

Euro gibt Vortagesgewinne ab. Angeblich vier neue Audi-Vorstände im Gespräch. Tesco-Aktie mit kräftigem Plus nach starkem Wachstum. Kenneth Rogoff sieht den Crash kommen - das ist seine Lösung. Brüssel vertieft Prüfung der Monsanto-Übernahme durch Bayer. Grand City womöglich vor Aufnahme in MDAX. Great Wall: Kein Kontakt zu Fiat wegen Übernahme.

Top-Rankings

KW 33: Analysten-Flops der Woche
Diese Aktien stehen auf den Verkauflisten der Experten
KW 33: Analysten-Tops der Woche
Diese Aktien stehen auf den Kauflisten der Experten
Nicht nur schön und talentiert
Diese Frauen haben in Hollywood am meisten verdient

Die 5 beliebtesten Top-Rankings

Enormer Stressfaktor
In diesen Ländern haben Arbeitnehmer den größten Stress
Der CEO von Allianz, BMW oder doch Daimler?
Diese Manager lieben die Deutschen
Das sind 2017 bislang die größten Verlierer in Buffetts Depot
Welche Aktie enttäuschte bisher am meisten?
Die Meister-Liste der 1. Fußball Bundesliga
Welcher Verein hat die meisten Meistertitel?
Bitcoin & Co.: Die wichtigsten Kryptowährungen
Welche Digitalwährung macht das Rennen?
mehr Top Rankings

Umfrage

Donald Trump steht zunehmend in der Kritik. Was glauben Sie, wie lange wird er US-Präsident sein?

Online Brokerage über finanzen.net

Das Beste aus zwei Welten: Handeln Sie für nur 5 Euro Orderprovision* pro Trade unmittelbar aus der Informationswelt von finanzen.net!
Zur klassischen Ansicht wechseln

Willkommen bei finanzen.net Brokerage

Handeln Sie für nur 5 Euro Orderprovision* pro Trade unmittelbar aus finanzen.net!

Weitere Informationen finden Sie hier.

Jetzt informieren und Depot eröffnen


Sie haben bereits ein Depot? Dann verknüpfen Sie es jetzt mit Ihrem finanzen.net-Account!

Jetzt verknüpfen

Top News
Beliebte Suchen
DAX 30
Öl
Euro US-Dollar
Goldpreis
Meistgesucht
Deutsche Bank AG514000
Daimler AG710000
Volkswagen (VW) AG Vz.766403
Apple Inc.865985
CommerzbankCBK100
TeslaA1CX3T
E.ON SEENAG99
BASFBASF11
BMW AG519000
Amazon906866
Allianz840400
EVOTEC AG566480
Nordex AGA0D655
Lufthansa AG823212
Siemens AG723610