Paris (aktiencheck.de AG) - Die Abstufung der Kreditwürdigkeit Italiens durch die Ratingagentur Standard & Poor's belastete die europäischen Börsen am Dienstag nur kurz. Gestützt auf die Hoffnung auf baldige Fortschritte in der Griechenland-Krise schlossen die wichtigsten europäischen Indizes letztlich mit deutlichen Zugewinnen. Der Dow Jones EURO STOXX 50 gewann 2,11 Prozent auf 2.140,41 Punkte. Der auch britische und schweizerische Titel umfassende Dow Jones STOXX 50 verbesserte sich um 1,86 Prozent auf 2.156,60 Zähler.
Die europäischen Länderbörsen schloss ebenfalls klar im Plus. Dabei stach der Schweizer SMI mit einem Aufschlag von 2,1 Prozent positiv hervor, während der österreichische ATX mit einem Plus von 1,0 Prozent hinterherhinkte.
Ein wichtiges Thema am Markt war die überraschende Abstufung des Ratings für Italien durch Standard & Poor's. Zudem ist der Ausblick negativ, womit eine weitere Absenkung droht. Damit sinkt die Kreditwürdigkeit auf "A/A-1", das ist eine Stufe schlechter als die bisherige Note "A+/A-1+". Begründet wurde diese Entscheidung mit den schwachen Wachstumsaussichten des Landes. Selbst mit dem von der Regierung um Ministerpräsident Silvio Berlusconi geplanten Sparpaket im Volumen von rund 60 Mrd. Euro seien die Finanzziele der Regierung schwer erreichbar. Zudem wurde auf die fragile Regierungskoalition in Rom verwiesen. Unterdessen ist der Auftragseingang der italienischen Industrie nach Angaben der nationalen Statistikbehörde Istat im Juli 2011 gestiegen. So erhöhte sich der Auftragseingang gegenüber dem Vormonat um 1,8 Prozent. Volkswirte hatten im Vorfeld hingegen mit einem Minus von 1,5 Prozent gerechnet. Weiteren Angaben zufolge lagen die Neuaufträge um 6,5 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats, während die Prognose der Volkswirte auf 8,3 Prozent gelautet hatte.
Nach Börsenschluss bestätigte die amerikanische Ratingagentur Fitch ihre Bonitätseinstufung für Deutschland mit dem Top-Rating. Wie die Agentur am Dienstag mitteilte, wurde das Rating für die größte Volkswirtschaft in Euro-Land mit der bestmöglichen Bewertung von AAA bestätigt. Der Rating-Ausblick ist weiterhin stabil. Als Grund für die unverändert positive Einschätzung nannte Fitch die stabile Entwicklung der deutschen Konjunktur und den robusten Arbeitsmarkt. Positiv wurde auch die Stellung deutscher Bundesanleihen erwähnt, die bei Investoren nach wie vor als sicherer Hafen gelten. Gleichzeitig warnte die Agentur aber auch, eine Lösung in der europäischen Schuldenkrise sei eine wichtige Voraussetzung, um auch künftig die Stabilität der deutschen Wirtschaft sicherzustellen. Angesichts der erheblichen Verpflichtungen aus Rettungspaketen und eines hohen Exportanteils in Euro-Länder sei die Gefahr einer Ansteckung groß. Daneben wurde auch das starke Engagement deutscher Banken in Staatsanleihen kriselnder Euro-Länder als Risikofaktor genannt.
Lloyds Banking (Lloyds Banking Group) verteuerten sich um 2,4 Prozent. Die Bank hat Presseangaben zufolge mit dem Verkauf eines Portfolios an gewerblichen Immobilienkrediten im Wert von 1 Mrd. Britische Pfund (GBP) begonnen. Wie es heißt, beschleunigt die Bank damit ihren Prozess zur Auflösung ihres Portfolios an notleidenden Krediten im Volumen von 24 Mrd. GBP. Dabei habe die jüngste, lang ersehnte Transaktion dem Vernehmen nach das Interesse von Pensionsfonds, Private Equity-Gesellschaften und Investoren aus Übersee geweckt. Allerdings befindet sich der Verkauf den Angaben zufolge noch in einer frühen Phase.
In Großbritannien gaben ferner im breiten Markt die Aktien des Kaufhausbetreibers Debenhams um 1,4 Prozent nach, nachdem das Unternehmen heute ein Trading Update für das Geschäftsjahr 2010/11 gegeben hat. Dabei belief sich das vergleichbare Umsatzwachstum in den 52 Wochen zum 27. August 2011 auf 1,2 Prozent (inkl. Mehrwertsteuer) bzw. auf 0,3 Prozent (ohne Mehrwertsteuer). In den Wochen 44 bis 52 wurde hier ein Wachstum von 1,7 Prozent bzw. 0,4 Prozent ausgewiesen. Wie weiter mitgeteilt wurde, rechnet der Konzern für die 53 Wochen zum 3. September 2011 mit einer Bruttomarge auf bzw. leicht unter dem Vorjahreswert. Der Gewinn (Headline Profit before Tax) soll indes über der aktuellen durchschnittlichen Marktschätzung liegen.
Die Konjunkturperspektiven für die Schweiz haben sich in den letzten Monaten weiter eingetrübt. Dies gab das Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) heute bekannt. Ausschlaggebend hierfür sind die ungünstigen außenwirtschaftlichen Rahmenbedingungen, namentlich die ausgeprägte Abkühlung der Weltkonjunktur sowie der - auch nach Einführung der Wechselkursuntergrenze zum Euro - hoch bewertete Schweizer Franken. Die negativen Auswirkungen auf Exporte und Unternehmensinvestitionen dürften das wirtschaftliche Wachstum in der Schweiz vorübergehend stark bremsen. Für das Gesamtjahr 2011 zeichnet sich - wegen des guten ersten Halbjahrs - noch ein ansprechendes BIP-Wachstum von 1,9 Prozent ab (bisherige Prognose 2,1 Prozent). Dagegen wird die Wachstumsprognose für 2012 (bisher 1,5 Prozent) deutlich nach unten auf nur noch 0,9 Prozent korrigiert.
UBS (UBS) gewannen 1,4 Prozent. Die Bank beabsichtigt Presseangaben zufolge, Veränderungen in ihrer Investment Bank, die zuletzt durch nicht bewilligte Handelsgeschäfte einen herben Verlust erlitten hat, schneller als bisher geplant voranzutreiben. Eine personelle Veränderung meldet indes der Zementhersteller Holcim . So wird Bernard Fontana, derzeit CEO von Aperam , einem kürzlich von ArcelorMittal ausgegliederten Unternehmen, zum 1. Februar 2012 die CEO-Verantwortung übernehmen. Fontana tritt die Nachfolge des Ende Januar 2012 altershalber ausscheidenden CEO Markus Akermann an. Der Titel von Holcim verteuerte sich um 3,0 Prozent. Ganz oben auf dem Einkaufszettel der Investoren fanden sich im SMI die Papiere von Zurich Financial mit einem Zugewinn von 4,3 Prozent wieder. Schlusslicht war die Aktie von Actelion, die als einziger Verlierer im SMI um 0,5 Prozent nachgab.
Die schwedische Wirtschaft ist im zweiten Quartal 2011 nicht so stark gewachsen wie zunächst gemeldet. So kletterte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) nach Angaben der Statistikbehörde um 4,9 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal, nachdem vorläufig noch ein Plus von 5,3 Prozent gemeldet worden war. Im Vergleich zum Vorquartal wuchs die Wirtschaftsleistung um 0,9 Prozent, gegenüber einem vorläufig ermittelten Plus von 1,0 Prozent.
Dow Jones EURO STOXX 50: 2.140,41 (+2,11 Prozent) Dow Jones STOXX 50: 2.156,60 (+1,86 Prozent) FTSE 100 (London): 5.363,71 (+1,98 Prozent) CAC40 (Paris): 2.984,05 (+1,50 Prozent) MIB (Mailand): 14.356,13 (+1,91 Prozent) IBEX 35 (Madrid): 8.362,20 (+1,70 Prozent) SMI (Zürich): 5.471,40 (+2,06 Prozent) ATX (Wien): 2.020,69 (+0,99 Prozent) (20.09.2011/ac/n/m)