Paris (aktiencheck.de AG) - Die wichtigsten europäischen Börsen konnten am Mittwoch ihre morgendlichen leichten Gewinne nicht halten. Auslöser für die drastischen Kursverluste waren neben der Euro-Krise konkrete Gerüchte um eine Herabstufung Frankreichs und Schwierigkeiten im dortigen Bankensektor. Zwar wurden die Gerüchte wieder dementiert, dennoch konnten die Märkte nicht mehr drehen. Der Dow Jones EURO STOXX 50 verlor am Ende 6,12 Prozent auf 2.153,83 Punkte. Der auch britische und schweizerische Titel umfassende Dow Jones STOXX 50 verbrach um 4,46 Prozent auf 2.118,85 Zähler. Die europäischen Länderbörsen tendieren ebenfalls schwächer.
In Großbritannien standen im FTSE 100 Anteilsscheine von Standard Life (ISN GB00B16KPT44/ WKN A0J3TV) an der Spitze. Das Plus lag am Ende bei 10,5 Prozent, womit die morgendlichen Gewinne noch einmal deutlich ausgebaut wurden. Der Lebensversicherer gab heute bekannt, dass sich sein Gewinn im ersten Halbjahr erhöht hat. Operativ wurde ein über den Markterwartungen liegendes Ergebnis erzielt, was vor allem auf ein starkes Kanada-Geschäft zurückzuführen ist. Ganz oben im britischen Leitindex waren zudem Randgold (+4,3 Prozent), Royal Bank of Scotland (+3,6 Prozent) und Burberry (+3,3 Prozent) zu finden. Indes tendierten Titel von HSBC mit 5,3 Prozent im Minus. Die Großbank äußerte sich am gestrigen Dienstag zu den jüngsten Spekulationen in der Presse hinsichtlich eines möglichen Verkaufs ihres Kreditkartengeschäfts in den USA. Demnach bestätigt HSBC, dass man sich zurzeit in Verhandlungen über einen möglichen Verkauf des Card and Retail Services-Geschäfts befindet. Am Ende des FTSE 100 gaben Aktien von Essar Energy, Barclays und Standard Chartered 12,6 Prozent, 8,7 Prozent bzw. 7,5 Prozent ab. Im breiten Markt gaben Papiere von TUI Travel um 1,9 Prozent nach. Europas größtes Touristikunternehmen konnte seinen Verlust im dritten Quartal des laufenden Geschäftsjahres deutlich verringern. Das bereinigte operative Ergebnis konnte indes deutlich zulegen, was mit einer starken Entwicklung in Großbritannien und Skandinavien zusammenhängt. Wie das Unternehmen weiter mitteilte, ist es zuversichtlich, die eigenen Erwartungen im Gesamtjahr erfüllen zu können.
In Frankreich notierte der gesamte CAC 40 im roten Bereich. Die geringsten Verluste konnte Unibail-Rodamco (-0,5 Prozent) ausweisen. Titel von GDF SUEZ (GDF SUEZ ) fielen um 4,2 Prozent. Der Energie- und Gasversorger meldete heute, dass sein Gewinn im ersten Halbjahr gesunken ist, was mit widrigen Wetterverhältnissen sowie einer schwächeren Nachfrage nach Erdgas in Europa zusammenhängt. Zudem profitierte das Vorjahresergebnis von einem Einmalertrag. Beim EBITDA konnte man die Erwartungen jedoch übertreffen. Zudem wurde die EBITDA-Prognose für das laufende Geschäftsjahr 2011 bestätigt. Wie der Konzern weiter mitteilte, hat er mit der China Investment Corp. (CIC) ein Memorandum of Understanding unterzeichnet, das eine Kooperation zwischen beiden Parteien über sämtliche Geschäftsbereiche und Regionen hinweg vorsieht, vor allem im Asien/Pazifik-Raum. Dabei befindet man sich zurzeit in fortgeschrittenen Verhandlungen über eine 2,3 Mrd. Euro teure Beteiligung von CIC an der Exploration & Production-Sparte von GDF SUEZ. Zudem will CIC sich für 0,6 Mrd. Euro mit 10 Prozent an der LNG Atlantic-Verflüssigungsanlage in Trinidad und Tobago beteiligen. Die Schlusslichter im CAC 40 bildeten indes die Finanzwerte. So verloren Société Générale 14,7 Prozent, Credit Agricole um 11,8 Prozent, AXA 10,6 Prozent und BNP Paribas 9,5 Prozent. Indes hat sich die französische Industrieproduktion im Juni 2011 verringert. Demnach schrumpfte die Industrieproduktion gegenüber dem Vormonat um 1,6 Prozent, wogegen sie im Mai um 1,9 Prozent angestiegen war. Im Vergleich zum Vorjahresmonat hat die Industrieproduktion um 2,1 Prozent zugelegt.
In der Schweiz waren im SMI ebenfalls nur Verlierer auszumachen. Mit die geringsten Abschläge wies Nestlé mit einem Minus von 2,9 Prozent aus. Der Lebensmittelkonzern meldete heute, dass er im ersten Halbjahr 2011 einen geringeren Gewinn erwirtschaftet hat, was u.a. mit einem starken Schweizer Franken und höheren Rohstoffkosten zusammenhängt. Die Erwartungen wurden jedoch übertroffen. Ganz am Ende waren Anteilsscheine von Adecco (-10,8 Prozent) und Lonza Group (-8,8 Prozent) zu finden. Der Zeitarbeitsspezialist Adecco (Adecco SA) konnte im zweiten Quartal mit einem deutlichen Gewinnzuwachs aufwarten. Insgesamt habe man im Berichtszeitraum von der weiterhin freundlichen Gesamtentwicklung profitieren können. Insbesondere in der Industrie sei die Nachfrage nach neuen Mitarbeitern hoch geblieben. Kostensenkungsmaßnahmen hätten ebenfalls zu der freundlichen Ergebnisentwicklung beigetragen. Das mittelfristige Ziel einer EBITA-Marge von mehr als 5,5 Prozent wurde bestätigt.
Der österreichische Mineralölkonzern OMV musste im zweiten Quartal angesichts der Unruhen im Mittleren Osten und in Nordafrika einen Gewinnrückgang ausweisen. Zudem lag der Umsatz mit 7,96 Mrd. Euro über dem Vorjahreswert von 5,73 Mrd. Euro. Die OMV-Aktie verlor 0,9 Prozent.
Dow Jones EURO STOXX 50: 2.153,83 (-6,12 Prozent) Dow Jones STOXX 50: 2.118,85 (-4,46 Prozent) FTSE 100 (London): 5.007,16 (-3,05 Prozent) CAC40 (Paris): 3.002,99 (-5,45 Prozent) MIB (Mailand): 14.676,04 (-6,65 Prozent) IBEX 35 (Madrid): 7.966,00 (-5,49 Prozent) SMI (Zürich): 4.791,96 (-4,12 Prozent) ATX (Wien): 2.093,45 (-2,18 Prozent) (10.08.2011/ac/n/m)