Paris (aktiencheck.de AG) - Nach der Einigung im US-Schuldenstreit hielten sich die europäischen Börsen bis zur Mittagszeit in der Gewinnzone. Nach schwachen US-Konjunkturdaten gingen die Kurse am Nachmittag aber in den freien Fall über. Die Indizes schlossen mit massiven Verlusten in der Nähe ihrer Tagestiefstände. Der Dow Jones EURO STOXX 50 rutschte um 2,88 Prozent auf 2.593,34 Punkte ab. Der auch britische und schweizerische Titel umfassende Dow Jones STOXX 50 verlor 0,97 Prozent auf 2.486,60 Zähler. Der in Paris berechnete EURONEXT 100 gab um 1,85 Prozent auf 656,06 Stellen nach.
Auch die europäischen Länderbörsen verzeichneten durchweg Verluste. Die höchsten Einbußen verbuchten dabei der italienische MIB mit einem Minus von 3,9 Prozent und der spanische IBEX, der 3,2 Prozent einbüßte. Vergleichsweise robust präsentierte sich der britische FTSE 100, der mit einem Minus von 0,7 Prozent aus dem Handel ging.
Die Arbeitsmarktsituation im Euroraum hat sich im Juni 2011 nach Angaben des europäischen Statistikamtes Eurostat stabilisiert. Im Euroraum (ER17) verharrte die saisonbereinigte Arbeitslosenquote bei 9,9 Prozent, nach 9,9 Prozent im Vormonat und 10,2 Prozent im Vorjahresmonat. Gleichzeitig belief sich die Arbeitslosenquote der gesamten Union (EU27) auf 9,4 Prozent, im Vergleich zu 9,4 Prozent im Mai 2011 und 9,7 Prozent im Juni 2010. Eurostat schätzt, dass in der EU27 insgesamt 22,5 Millionen Menschen arbeitslos waren, davon 15,6 Millionen im Euroraum. Gegenüber Mai hat die Zahl der Arbeitslosen in der EU27 um 38.000 abgenommen und ist im Euroraum um 18.000 angestiegen. Im Vergleich zu Juni 2010 ist die Zahl in der EU27 um 706.000 und im Euroraum um 346.000 geschrumpft.
Kurz vor der drohenden Zahlungsunfähigkeit haben sich in den USA Demokraten und Republikaner am Wochenende auf einen Kompromiss verständigt. Wie es heißt, sieht die Vereinbarung die Anhebung der gesetzlichen Schuldenobergrenze um mindestens 2,1 Bio. US-Dollar bis 2013 und damit über die Präsidentenwahlen hinaus vor. Ohne diese Maßnahme hätte die weltweit größte Volkswirtschaft bereits ab dem morgigen Dienstag einen Teil ihrer Schulden nicht mehr bedienen können.
HSBC Holdings (HSBC) rückten um 2,2 Prozent vor. Die Großbank konnte im ersten Halbjahr dank einer deutlich gesunkenen Risikovorsorge im Kreditgeschäft mit einem Gewinnanstieg aufwarten. So erreichte man einen Vorsteuergewinn von 11,47 Mrd. US-Dollar, was einem Anstieg von 3 Prozent gegenüber dem Vorjahreswert entspricht. Dank einer deutlich verbesserten Steuerquote lag der Nettogewinn in den sechs Monaten mit 8,93 Mrd. US-Dollar deutlich über dem Vorjahreswert von 6,63 Mrd. US-Dollar. Der Gewinn je Aktie verbesserte sich dabei auf 50 Cents, nach zuvor 38 Cents je Aktie. Wesentlichen Anteil an der starken Ergebnisentwicklung hatten deutlich geringere Vorsorgeaufwendungen im Kreditgeschäft: Hier betrug die gesamte Risikovorsorge 5,27 Mrd. US-Dollar, nach 7,52 Mrd. US-Dollar im Vorjahreszeitraum. Entsprechend konnte man in der Geschäfts- und Privatkundensparte sowie im Bereich Vermögensverwaltung beim operativen Ergebnis deutlich zulegen, während man im Handelsgeschäft und im Investmentbanking gegenüber dem starken Vorjahresergebnis einen operativen Gewinnrückgang hinnehmen musste. Wie der Finanzkonzern weiter ausführte, will man in den kommenden Jahren 2,5 bis 3,5 Mrd. US-Dollar einsparen. Dazu ist der Abbau von insgesamt rund 5.000 Stellen geplant.
Vodafone Group (Vodafone) schlossen nach anfänglichen Gewinnen mit einem Minus von 1,4 Prozent. Wie bereits am Freitag bekannt gegeben wurde, plant der Mobilfunkbetreiber die Ausschüttung einer Sonderdividende. So erhält man aus der Beteiligung an dem amerikanischen Mobilfunkunternehmen Verizon Wireless erstmals seit 2005 wieder eine Dividende, die teilweise an die eigenen Aktionäre weitergegeben werden soll.
Air Liquide (Air Liquide) gingen in Paris mit einem Minus von 1,0 Prozent in den Feierabend. Der Industriegasehersteller hat seinen Gewinn im ersten Halbjahr verbessert und profitierte dabei von einem Umsatzwachstum und höheren Erdgaspreisen. Zudem wurde der Ausblick bestätigt. Der Nettogewinn belief sich auf 750 Mio. Euro, nach 676 Mio. Euro im Vorjahr. Der Umsatz nahm um 9,2 Prozent auf 7,12 Mrd. Euro zu, wobei auf vergleichbarer Basis ein Wachstum von 8,3 Prozent ausgewiesen wurde.
Ferner verbilligten sich die Aktien von EADS um 1,0 Prozent. Der Luft- und Raumfahrtkonzern meldete am Montag, dass seine Tochter Astrium eine Vereinbarung zum Erwerb von Vizada für 960 Mio. US-Dollar vom Mehrheitsaktionär Apax France, einem französischen Private-Equity-Fonds, getroffen hat. Den Angaben zufolge handelt es sich bei Vizada um einen führenden, unabhängigen Anbieter von weltweiten satellitengestützten mobilen Kommunikationsdiensten. Für 2011 erwartet Vizada einen Umsatz von rund 660 Mio. und ein EBITDA von 95 Mio. US-Dollar. Die Transaktion erfolgt vorbehaltlich der üblichen Zustimmung der Aufsichtsbehörden.
Der amerikanische Kohleproduzent Peabody Energy und der in Luxemburg ansässige Stahlkocher ArcelorMittal wenden sich mit ihrem Übernahmeangebot für den australischen Kohleproduzenten Macarthur Coal nun direkt an die Aktionäre. So wird man nach Abschluss der Due Diligence den Aktionären des australischen Kohleproduzenten eine Übernahmeofferte in Höhe von 15,50 Australische Dollar (AUD) in bar für jeden ihrer Anteilsscheine unterbreiten. Die Aktie von ArcelorMittag verlor 1,5 Prozent. Im französischen CAC 40 schlossen ausnahmslos alle Werte im roten Bereich. Die größten Verluste verzeichnete dabei einmal mehr die Aktie von Veolia Environnement, die um 5,3 Prozent abrutschte.
Dow Jones EURO STOXX 50: 2.593,34 (-2,88 Prozent) Dow Jones STOXX 50: 2.486,60 (-0,97 Prozent) EURONEXT 100: 656,06 (-1,85 Prozent) FTSE 100 (London): 5.774,43 (-0,70 Prozent) CAC40 (Paris): 3.588,05 (-2,27 Prozent) MIB (Mailand): 17.720,44 (-3,87 Prozent) IBEX 35 (Madrid): 9.318,20 (-3,24 Prozent) SMI (Zürich): 5.783,35 ATX (Wien): 2.574,09 (-1,43 Prozent) (01.08.2011/ac/n/m)