Paris (aktiencheck.de AG) - Die wichtigsten europäischen Indizes büßten im Handelsverlauf am Mittwoch einen Teil ihrer anfänglichen Gewinne wieder ein, schlossen aber dennoch klar im Plus. Dabei blieb die europäische Schuldenkrise das bestimmende Thema an den internationalen Märkten, nachdem gestern auch die Staatsanleihen von Frankreich, Belgien und Österreich unter Druck geraten waren. Der Dow Jones EURO STOXX 50 legte am Ende um 0,62 Prozent zu auf 2.267,96 Punkte. Der auch britische und schweizerische Titel umfassende Dow Jones STOXX 50 gewann 0,18 Prozent auf 2.267,31 Zähler. Die europäischen Länderbörsen tendierten uneinheitlich.
Die europäischen Verbraucherpreise haben sich im Oktober 2011 mit unverändertem Tempo erhöht. Dies gab das europäische Statistikamt Eurostat bekannt. So verharrte die jährliche Inflationsrate der Eurozone bei 3,0 Prozent, nach 3,0 Prozent im September 2011 und 1,9 Prozent im Oktober 2010. Damit lag die Gesamtinflationsrate in der Eurozone über der Preisstabilitätsnorm der Europäischen Zentralbank (EZB), die eine Teuerungsrate von unter, aber nahe 2,0 Prozent anstrebt. Die Monatsteuerungsrate betrug im Berichtsmonat 0,3 Prozent. In der EU stieg die jährliche Inflationsrate auf 3,4 Prozent, während sie im September 2011 bei 3,3 Prozent und im Oktober 2010 bei 2,3 Prozent gelegen hatte. Die monatliche Teuerung belief sich auf 0,3 Prozent.
Die Arbeitsmarktsituation in Großbritannien hat sich im Oktober 2011 verschlechtert. Dies gab National Statistics in London bekannt. Binnen Monatsfrist kletterte die Zahl der Antragsteller auf Arbeitslosenhilfe um 5.300 auf 1,60 Millionen. Volkswirte hatten hier im Vorfeld eine Zunahme um 21.000 erwartet. Ferner stellte sich die Arbeitslosenquote auf 5,0 Prozent, nachdem sie im Vormonat schon bei 5,0 Prozent gestanden hatte. Im FTSE 100 legten Intertek an der Spitze 3,5 Prozent zu. Schwächster Titel im britischen Leitindex war Essar Energy mit einem Minus von 5,3 Prozent. Die Aktie der London Stock Exchange lag nach anfänglichen Kursverlusten am Ende mit 0,6 Prozent im Plus. Der Börsenbetreiber konnte im ersten Halbjahr mit einem deutlichen Gewinnanstieg aufwarten. Nach Aussage von CEO Xavier Rolet sieht man sich gut positioniert, um den Wachstumskurs auch weiterhin fortsetzen zu können. Die Zwischendividende für das erste Halbjahr wurde um 6 Prozent auf 9,3 Pence je Aktie erhöht. An der Spitze des FTSE 100 stechen Papiere von Intertek mit einem Plus von 3,2 Prozent hervor. Aktien von ICAP schlossen mit einem Minus von 4,7 Prozent. Der weltgrößte Broker für Transaktionen zwischen Banken gab bekannt, dass er im ersten Halbjahr einen leichten Gewinnanstieg verzeichnen konnte. Beim um Einmaleffekte bereinigten Konzernergebnis wurde allerdings ein Rückgang auf 128 Mio. GBP verzeichnet, nach 135 Mio. GBP im Vorjahreszeitraum.
Aktien von Vivendi (Vivendi Universal) schossen an der Spitze des CAC40 um 5,6 Prozent in die Höhe. Der französische Medien- und Mobilfunkkonzern meldete, dass sein bereinigter Gewinn im dritten Quartal leicht gesunken ist, die Erwartungen jedoch geschlagen werden konnten. Indes wurde die Jahresprognose nach unten korrigiert. Hintergrund sind negative Auswirkungen aus neuen Steuergesetzen in Frankreich. Am Indexende verloren Papiere von EDF 4,4 Prozent an Wert.
Im Schweizer SMI lagen Anteile von Adecco mit einem Plus von 3,2 Prozent an der Indexspitze. Nach der schwachen Vortagesentwicklung befanden sich Finanztitel wie Credit Suisse, UBS und Zurich Financial mit Aufschlägen zwischen 0,3 Prozent und 1,6 Prozent auf Erholungskurs. Die Aktie von Bâloise (Bâloise-Holding) gab unterdessen 3,9 Prozent ab. Bei dem Versicherungskonzern beeinträchtigen Sondereinflüsse die Gewinnerwartung 2011 erheblich. Unternehmensangaben zufolge entwickelt sich das Versicherungsgeschäft trotz Unwetter- und Großschäden operativ gut. Hingegen werden Ereignisse und Entwicklungen im Zusammenhang mit der aktuellen Wirtschaftslage das Geschäftsergebnis nach heutigem Kenntnisstand deutlich beeinträchtigen. Das Jahr sollte dennoch mit einem Gewinn abgeschlossen werden.
An der Spitze des österreichischen ATX stand der Anteilschein von Schoeller-Bleckmann (Schoeller-Bleckmann Oilfield Equipment) mit einem Plus von 2,5 Prozent. Der Ölfeldservicedienstleister verzeichnete in den ersten neun Monaten des laufenden Fiskaljahres einen Gewinnanstieg auf 37,3 Mio. Euro, nach 17,4 Mio. Euro im Vorjahreszeitraum. Für das vierte Quartal zeigte sich der Konzern angesichts des guten Auftragsbestands weiterhin zuversichtlich. Derzeit sieht man trotz der bestehenden konjunkturellen Unsicherheiten keine Abschwächung auf der Nachfrageseite. Derweil ist die zum Ölkonzern OMV gehörende rumänische Tochter OMV Petrom in das Visier der rumänischen Kartellbehörden geraten. Gemäß den Bestimmungen des Kartellrechts kann eine Strafzahlung bis zu maximal 10 Prozent des Umsatzes betragen. Papiere von OMV reagierten mit einem Abschlag von 2,2 Prozent. Am Indexende stachen Papiere von Zumtobel mit einem Minus von 4,6 Prozent hervor.
Papiere von Binder+Co (Binder +) gaben 1,5 Prozent ab. Der Maschinen- und Anlagenbauer konnte in den ersten neun Monaten des laufenden Fiskaljahres mit einem Umsatz- und Ergebnisanstieg aufwarten. Beim Konzernergebnis wurde in den ersten neun Monaten ein Anstieg auf 3,65 Mio. Euro verzeichnet, nach 3,03 Mio. Euro im Vorjahreszeitraum. Angesichts des gegenüber dem Vorjahreswert um 36,2 Prozent gesteigerten Auftragsbestands geht das Management davon aus, die Umsatz- und Ergebniswerte des Jahres 2010 im laufenden Geschäftsjahr deutlich übertreffen zu können. Aktien von Sanochemia (Sanochemia Pharmazeutika) notierten 1,1 Prozent leichter. Der Konzern hat die Patientenrekrutierung für eine klinische Phase IIb-Studie zur Untersuchung der Wirksamkeit und Sicherheit von Vidon (PVP-Hyperizin) zur effizienten Diagnostik des nicht muskelinvasiven Blasenkarzinoms begonnen. Die Resultate der Studie werden im Frühjahr 2013 erwartet.
Die spanische Wirtschaft ist im dritten Quartal 2011 mit unverändertem Tempo gewachsen. Die nationale Statistikbehörde INE hat heute ihre vorläufigen Angaben bestätigt. Gegenüber dem Vorjahresquartal wuchs das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 0,8 Prozent, nachdem es im Vorquartal schon um 0,8 Prozent gestiegen war. Im Vergleich zum Vorquartal ist die Wirtschaftsleistung Spaniens unverändert geblieben, gegenüber einer Zunahme um 0,2 Prozent im zweiten Quartal 2011.
Dow Jones EURO STOXX 50: 2.267,96 (+0,62 Prozent) Dow Jones STOXX 50: 2.267,31 (+0,18 Prozent) FTSE 100 (London): 5.509,02 (-0,15 Prozent) CAC40 (Paris): 3.064,90 (+0,52 Prozent) MIB (Mailand): 15.419,20 (+0,80 Prozent) IBEX 35 (Madrid): 8.304,10 (+0,81 Prozent) SMI (Zürich): 5.685,80 (+0,37 Prozent) ATX (Wien): 1.864,08 (-0,75 Prozent) (16.11.2011/ac/n/m)