Paris (aktiencheck.de AG) - Die europäischen Anleger zeigten sich am Donnerstag in guter Stimmung. Neben der EZB-Sitzung sorgten auch die US-Arbeitsmarktdaten für gute Laune. Der Dow Jones EURO STOXX 50 verbesserte sich um 0,35 Prozent auf 2.969,24 Punkte. Der auch britische und schweizerische Titel umfassende Dow Jones STOXX 50 zog indes um 0,23 Prozent an auf 2.682,00 Zähler. Der in Paris berechnete EURONEXT 100 gewinnt 0,54 Prozent auf 725,69 Stellen. Die europäischen Länderbörsen tendierten uneinheitlich.
Der Geldpolitische Rat der Europäischen Zentralbank beschloss auf seiner heutigen turnusmäßigen Sitzung, das Zinsniveau unverändert zu lassen. Der zentrale 2-Wochen-Refi-Mindestbietungssatz, zu dem sich die Geschäftsbanken refinanzieren, bleibt damit bei 1,00 Prozent. Marktbeobachter hatten diese Entscheidung trotz des zunehmenden Inflationsdrucks bereits im Vorfeld erwartet.EZB-Präsident Trichtet stellte zudem erstmals eine Zinserhöhung in Aussicht. Das europäische Statistikamt Eurostat legte am heutigen Donnerstag seine zweite Schätzung zum Bruttoinlandsprodukt für das vierte Quartal 2010 vor, wonach die Wirtschaft erneut angewachsen ist. Gegenüber dem Vorquartal kletterte das BIP in der Eurozone (EZ16) um 0,3 Prozent und in der gesamten Europäischen Union (EU27) um 0,2 Prozent. Im dritten Quartal 2010 war das BIP um 0,3 bzw. 0,5 Prozent gestiegen. Im Vorjahresvergleich zog die Wirtschaftsleistung in der Eurozone um 2,0 Prozent und in der EU27 um 2,1 Prozent an, während sie im Vorquartal um 1,9 bzw. 2,2 Prozent zugelegt hatte. Das Absatzvolumen im europäischen Einzelhandel ist nach vorläufigen Angaben des Statistikamtes Eurostat im Januar 2011 angestiegen. Im Vormonatsvergleich wuchs der saison- und arbeitstäglich bereinigte Absatz in der Eurozone um 0,4 Prozent und in der EU27 um 0,6 Prozent. Im Dezember 2010 war der Einzelhandelsindex in den beiden Gebieten um 0,4 bzw. um 0,3 Prozent zurückgegangen. Binnen Jahresfrist legte der arbeitstäglich bereinigte Einzelhandelsumsatz in der Eurozone um 0,7 Prozent zu, gegenüber einem Minus von 0,4 Prozent im Vormonat. In der gesamten Union (EU27) wurde 1,9 Prozent mehr verkauft als im Januar 2010, während der Absatz im Dezember 2010 um 0,1 Prozent über dem Vorjahresniveau gelegen hatte.
Der Immobilienmarkt in Großbritannien hat sich im Februar 2011 weniger abgekühlt als noch im Vormonat. Wie bekannt gegeben wurde, verringerte sich der britische Hometrack-Immobilienpreisindex um 0,2 Prozent gegenüber dem Vormonatsniveau. Im Januar war ein Minus von 0,5 Prozent ermittelt worden. Im Vorjahresvergleich reduzierten sich die Immobilienpreise um 2,7 Prozent, nach einem Minus von 2,2 Prozent Januar. Im FTSE 100 legte die Aktie von Tullow Oil um 3,9 Prozent zu. Der Ölkonzern hat sieben Kilometer vor der Küste Ghanas ein in Sandstein eingeschlossenes Ölreservoir entdeckt. Erste Auswertungen hätten dabei ergeben, dass es sich bei dem in 1.674 Metern Tiefe gemachten Fund um ein sehr großes Ölfeld mit qualitativ hochwertigem Öl handelt. An der Spitze des Index stand jedoch IMI mit einem Plus von 6,6 Prozent. Der Versicherer Aviva gab am Donnerstag bekannt, dass er im Geschäftsjahr 2010 einen deutlich höheren Gewinn erzielen konnte, was auf gestiegene Einnahmen bei Lebensversicherungen und geringere Kosten zurückzuführen ist. Demnach belief sich der Nettogewinn nach Abzug von Minderheitsanteilen auf 1,46 Mrd. Britische Pfund (GBP), gegenüber einem Gewinn von 1,09 Mrd. GBP im Vorjahr. Die Aktie von Aviva notierte in London mit einem Plus von 1,7 Prozent. Am Ende des FTSE 100 standen Autonomy mit einem Minus von 1,0 Prozent.
Die französische Arbeitsmarktlage hat sich derweil im vierten Quartal 2010 verbessert. Dies teilte die nationale Statistikbehörde Insee mit. So verringerte sich die ILO-Arbeitslosenquote in Europas zweitgrößter Volkswirtschaft auf 9,6 Prozent. Im dritten Quartal 2010 war noch eine Quote von 9,8 Prozent ausgewiesen worden. Ferner lag die Zahl der Arbeitslosen bei 2,6 Millionen. Aktien von Carrefour kletterten im französischen CAC40 um 0,4 Prozent nach oben. Der Einzelhandelskonzern meldete, dass er im abgelaufenen Geschäftsjahr eine Gewinnsteigerung um fast 57 Prozent ausweisen konnte, nachdem man im Vorjahr noch unter hohen Restrukturierungsbelastungen zu leiden hatte. Die Erwartungen wurden jedoch verfehlt, da das Ergebnis auch im Berichtszeitraum durch Sondereffekte beeinträchtigt wurde. Indes erwartet man ein Wachstum in 2011. GDF SUEZ. (GDF SUEZ ) gewannen 1,4 Prozent. Der Energieversorger präsentierte die Geschäftszahlen für das abgelaufene Fiskaljahr. Unter dem Strich verbesserte sich das Nettoergebnis nach Anteilen Dritter auf 4,62 Mrd. Euro, nach 4,48 Mrd. Euro im Vorjahr. Profitiert habe man unter anderem von der gestiegenen Strom- und Erdgasnachfrage sowie der Übernahme des britischen Wettbewerbers International Power. Aktien von Total (TOTAL) stiegen 1,1 Prozent. Der drittgrößte Ölkonzern in Europa, meldete, dass er mit dem russischen Gasproduzenten OAO Novatek (Novatek (GDRS)) eine strategische Partnerschaft geschlossen hat. Anteile von Alcatel-Lucent liegen aktuell mit einem Plus von 8,0 Prozent unangefochten an der Indexspitze. Hintergrund sind unbestätigte Presseberichte, wonach ein chinesisches Unternehmen ein Übernahmeangebot vorbereiten könnte. An der Spitze des CAC 40 standen Alcatel-Lucent (+6,4 Prozent), während am Ende des Index EADS 2,7 Prozent verloren.
Im niederländischen AEX fielen Anteile von Ahold um 2,7 Prozent zurück. Der Gewinn des Einzelhandelskonzerns ist im vierten Quartal gesunken, was auf Restrukturierungskosten in den USA, schwächere Margen und eine Sonderbelastung in Zusammenhang mit den skandinavischen Aktivitäten zurückzuführen ist. Die Erwartungen wurden damit verfehlt. Indes wurde die Dividende erhöht. Zudem wurde ein Aktienrückkauf angekündigt.
Anteilsscheine von Adecco (Adecco SA) führten mit einem Plus von 5,4 Prozent den schweizerischen SMI-Index an. Der Zeitarbeitsspezialist konnte im vierten Quartal mit einem deutlichen Gewinnplus aufwarten. Beim Nettogewinn verzeichnete Adecco einen deutlichen Anstieg auf 141 Mio. Euro, nach 42 Mio. Euro im Vorjahreszeitraum. Am Ende des SMI standen Roche mit einem Minus von 2,7 Prozent.
Der weltgrößte Brauereikonzern Anheuser-Busch InBev gab bekannt, dass sein Gewinn im vierten Quartal gesunken ist. Im Vorjahr hatte der Konzern noch von einem Einmalertrag aus Asset-Verkäufen profitiert. Auf bereinigter Basis wurden die Erwartungen jedoch angesichts höher als geplanter Kostensenkungen geschlagen. Die Aktie legte in Brüssel mehr als 2 Prozent zu.
Dow Jones EURO STOXX 50: 2.969,24 (+0,35 Prozent) Dow Jones STOXX 50: 2.682,00 (+0,23 Prozent) EURONEXT 100: 725,69 (+0,54 Prozent) FTSE 100 (London): 6.005,09 (+1,52 Prozent) CAC40 (Paris): 4.060,76 (+0,66 Prozent) MIB (Mailand): 22.154,23 (-0,38 Prozent) IBEX 35 (Madrid) 10.566,90 (-0,72 Prozent) SMI (Zürich): 6.599,21 (+0,11 Prozent) ATX (Wien): 2.856,48 (-0,25 Prozent) (03.03.2011/ac/n/m)