Paris (aktiencheck.de AG) - Die wichtigsten europäischen Börsen konnten ihre Kursaufschläge bis zum Börsenschluss behaupten. Der Dow Jones EURO STOXX 50 gewann insgesamt 0,77 Prozent auf 2.840,71 Punkte hinzu. Der auch britische und schweizerische Titel umfassende Dow Jones STOXX 50 verbesserte sich um 0,81 Prozent auf 2.613,68 Zähler. Der in Paris berechnete EURONEXT 100 legte um 0,57 Prozent auf 698,31Stellen zu. Auch die europäischen Länderbörsen tendieren weiter im Plus.
Die Ratingagentur Fitch gab heute bekannt, dass sie das Kreditrating von Irland von "A+" auf "BBB+" gesenkt hat. Der Ausblick wurde als "stabil" eingestuft. Die schwierige Haushaltslage, die zunehmenden Probleme im Bankensektor und das unsichere wirtschaftliche Umfeld haben zu diesem Schritt geführt, schrieb die Ratingagentur. Angesichts der hohen Staatsverschuldung sowie der weiter ungelösten Probleme im irischen Bankensektor haben die EU und der IWF zuletzt ein Hilfspaket im Gesamtwert von 85 Mrd. Euro für das ins Schlingern geratene Euro-Land verabschiedet.
Daneben hat auf der Konjunkturseite der neunköpfige Geldpolitische Rat (MPC) der Bank of England (BoE) beschlossen, das Zinsniveau unverändert zu lassen. Somit verharrt die als Leitzins dienende Repo-Rate bei 0,50 Prozent. Marktbeobachter hatten diesen Beschluss bereits im Vorfeld erwartet. Zuletzt war das Zinsniveau Anfang März 2009 um 50 Basispunkte auf sein derzeitiges Rekordtief zurückgenommen worden. Indes hat sich das britische Handelsbilanzdefizit im Oktober 2010 leicht vergrößert. So belief sich das Defizit auf 8,5 Mrd. Britische Pfund (GBP), nachdem für September ein Passivsaldo von 8,4 Mrd. GBP gemeldet worden war. Volkswirte hatten hingegen einen Rückgang auf 8,1 Mrd. GBP prognostiziert. Daneben hat sich der britische Immobilienmarkt im November 2010 leicht abgekühlt. So lag der Halifax-Hauspreisindex um 0,1 Prozent unter dem Vormonatsniveau, wogegen die Preise im Oktober um 1,8 Prozent gestiegen waren. Binnen Jahresfrist gingen die Häuserpreise um 2,1 Prozent zurück, nach einer Preissteigerung von 1,2 Prozent im Oktober. Schließlich hat sich die Beschäftigungssituation in Frankreich im dritten Quartal 2010 verbessert, wie die nationale Statistikbehörde INSEE mitteilte. So kletterte die Beschäftigtenzahl um 19.200. Im zweiten Quartal 2010 hatte die Beschäftigung in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Eurozone um revidiert 38.600 (vorläufig: 24.000) zugenommen. Damit lag die Beschäftigung um 0,1 Prozent über dem Vorquartalsniveau und 0,4 Prozent über dem Wert des Vorjahresquartals.
In Großbritannien war am Abend die Aktie von Barclays mit einem Plus von 4,49 Prozent der Top-Gewinner im FTSE 100. Dahinter verbuchen Cobham, die BG Group und die RBS Aufschläge von jeweils mehr als 3 Prozent. Die Papiere von BAE Systems konnten ihre Abschläge deutlich auf 0,12 Prozent reduzieren. Der Rüstungskonzern plant einem Zeitungsbericht zufolge Stellenstreichungen in Großbritannien. Demnach beabsichtigt man, insgesamt bis zu 1.350 Arbeitsplätze abzubauen. Hintergrund sei eine Entscheidung der britischen Regierung, den Harrier Kampfjet und das Aufklärungsflugzeug Nimrod einzustellen. Am Ende des britischen Leitindex gaben Smith & Nephew 3,93 Prozent ab, gefolgt von Standard Chartered mit 3,62 Prozent. Die Großbank meldete heute, dass sie für das laufende Geschäftsjahr trotz steigender Kosten einen Rekordgewinn erwartet. Laut CEO Peter Sands hat sich die Bank im Jahr 2010 stark entwickelt und ist auf gutem Weg, ein weiteres Jahr mit neuen Rekordwerten bei Gewinn und Ertrag abzuschließen. Dabei haben sich die Bereiche Wholesale Banking und Consumer Banking bisher gut entwickelt. Beide Bereiche werden voraussichtlich ein zweistelliges Wachstum beim Gewinn vor Steuern ausweisen, hieß es.
In Amsterdam gewannen die Aktien von ASML knapp 8 Prozent hinzu. Der niederländische Chip-Ausrüster hatte heute seine Prognose für den Auftragseingang im vierten Quartal deutlich nach oben korrigiert. Begründet wurde die Anhebung der Prognose u. a. mit dem zuletzt verstärkten Ausbau von Produktionskapazitäten bei NAND Flash Memory-Lösungen, was sich positiv auf die Nachfrage bei Lithographie-Systemen auswirke. Daneben verteuern sich Papiere von ING (ING Groep) um 2,38 Prozent. Der niederländische Allfinanzkonzern hatte bereits gestern bekannt gegeben, dass er seine 5-prozentige Beteiligung an der Fubon Financial Holding für 395 Mio. Euro an institutionelle Investoren verkauft hat. Die Transaktion wird zu einem Vorsteuergewinn von rund 170 Mio. Euro führen, der im vierten Quartal 2010 verbucht wird, hieß es.
In Frankreich standen Finanztitel ganz oben im CAC 40. Allen voran gewann AXA (+4,56 Prozent), vor Societe Generale (+3,82 Prozent), Credit Agricole (+3,63 Prozent) und BNP Paribas (+2,77 Prozent). Indes verbilligten sich Anteilsscheine von PPR um 1,65 Prozent. Der Einzelhandels- und Luxusartikelkonzern will sich nach eigenen Angaben von seiner Tochter Conforama trennen. Demnach steht PPR derzeit mit der Steinhoff International Holding Ltd. in exklusiven Verhandlungen über einen Verkauf des auf Möbel spezialisierten Handelshauses. Der Verkaufspreis werde voraussichtlich bei rund 1,2 Mrd. Euro in bar liegen, hieß es. Am Indexende büßten Peugeot-Aktien 5,5 Prozent an Wert ein, während EADS und Renault jeweils rund 3 Prozent verlieren.
Auch in der Schweiz stachen im SMI vor allem Finanzwerte ins Auge. So zeigten UBS und Zurich Financial mit 2,47 Prozent bzw. 2,09 Prozent deutliche Zugewinne. Julius Bär (Julius Baer Gruppe) verteuerten sich um 0,54 Prozent. Wie die führende Private Banking-Gruppe der Schweiz heute mitteilte, eröffnet sie einen neuen Standort in Rom. Den Angaben zufolge erfolgt dieser Schritt nach der Eröffnung des Standortes Mailand und verstärkt die Präsenz der Julius Bär Gruppe in Italien. Das Schwergewicht der Aktivitäten liegt, wie bereits in Mailand, in den Bereichen Anlageberatung und Vermögensverwaltung. Top-Verlierer waren auch am Abend die Papiere von SGS mit einem Minus von 2,17 Prozent.
Dow Jones EURO STOXX 50: 2.840,71 (+0,77 Prozent) Dow Jones STOXX 50: 2.613,68 (+0,81 Prozent) EURONEXT 100: 698,31(+0,57 Prozent) FTSE 100 (London): 5.807,96 (+0,23 Prozent) CAC40 (Paris): 3.858,05 (+0,68 Prozent) MIB (Mailand): 20.533,56 (+0,69 Prozent) IBEX 35 (Madrid): 10.185,50 (+1,06 Prozent) SMI (Zürich): 6.537,63 (+0,45 Prozent) ATX (Wien): 2.836,83 (+1,48 Prozent) (09.12.2010/ac/n/m)