Paris (aktiencheck.de AG) - Die europäischen Indizes mussten am Freitag ihre Verluste ausweiten. Neben den vagen Aussagen von Ben Bernanke zu möglichen Lockerungen der Geldpolitik, dem milliardenschweren Konjunkturpaket von US-Präsident Obama sorgte vor allem der überraschende Rücktritt EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark für einbrechende Kurse. Der Dow Jones EURO STOXX 50 verlor am Ende 4,15 Prozent auf 2.073,67 Punkte. Der auch britische und schweizerische Titel umfassende Dow Jones STOXX 50 fiel um 2,55 Prozent auf 2.108,76 Zähler zurück. Die europäischen Länderbörsen tendierten ebenfalls klar im Minus.
Das Leistungsbilanzdefizit der EU27 hat sich im zweiten Quartal 2011 vergrößert. Dies teilte das europäische Statistikamt heute auf Basis vorläufiger Daten mit. So erhöhte sich das Defizit auf 43,2 Mrd. Euro, nach Passivsalden von 38,8 Mrd. Euro im ersten Quartal 2011 und 33,1 Mrd. Euro im Vorjahresquartal. Für die Eurozone wurde ein Leistungsbilanzdefizit in Höhe von 28,5 Mrd. Euro ausgewiesen. Im vorangegangenen Quartal war ein Defizit in Höhe von 30,9 Mrd. Euro und im zweiten Quartal 2010 ein Minus von 18,6 Mrd. Euro verbucht worden.
In Großbritannien ging es zum Wochenschluss klar nach unten. Größte Verlierer waren die Finanztitel. Barclays gaben am Ende des britischen Leitindex 9,4 Prozent nach. Ganz anders dagegen das Bild beim Ölkonzern Tullow Oil . Bei einer Offshore-Bohrung in Französisch-Guayana ist man auf ein bedeutendes Ölvorkommen gestoßen. Nach vorläufigen Auswertungen der vorhandenen Daten handelt es sich um qualitativ hochwertiges Öl. Die Aktie von Tullow Oil gewann als einer der wenigen Gewinner an der Spitze des FTSE 100 knapp 15,2 Prozent.
Die französische Industrieproduktion hat sich im Juli 2011 erhöht. Dies gab die nationale Statistikbehörde Insee heute bekannt. Demnach kletterte die Industrieproduktion gegenüber dem Vormonat um 1,5 Prozent, wogegen sie im Juni um 1,5 Prozent gesunken war. Im Vergleich zum Vorjahresmonat hat die Industrieproduktion um 2,8 Prozent zugelegt. Im CAC 40 fanden sich am Abend nur Verlierer. Vor allem Finanztitel gaben deutlich nach. Papiere von BNP Paribas, AXA, Natixis, Crédit Agricole und Société Générale gaben am Indexende zwischen 7,5 und 10,6 Prozent ab.
Im österreichischen ATX war Österreichische Post mit einem Plus von 0,4 Prozent der einzige Gewinner. Die Aktie von Verbund (Verbun a) markierte unterdessen mit einem Minus von 11,6 Prozent das Indexende. Der Konzern will zu einem der bedeutendsten Wasserkrafterzeuger in Europa aufzusteigen. Verbund kündigte gestern die Absicht an, zwischen 2012 und 2016 2,6 Mrd. Euro in nationale und internationale Kraftwerks- und Netzausbauprojekte zu investieren. Für das Gesamtjahr 2011 erwartet der Versorger ein Konzernergebnis von ca. 380 Mio. Euro. Für 2012 strebt Verbund ein Konzernergebnis von ca. 450 bis 500 Mio. Euro an. Das Management beabsichtigt ferner, 45 bis 50 Prozent des Konzernergebnisses an Dividenden auszuschütten.
Auch in der Schweiz standen Finanztitel klar unter Druck. Am Ende des SMI verloren UBS 5,6 Prozent und Credit Suisse 5,9 Prozent. Die geringsten Abschläge wies Novartis (-0,2 Prozent) aus.
Anteile von Miba (Miba vz) fielen um 2,8 Prozent zurück. Der Konzern konnte im ersten Halbjahr einen Umsatz- und Ergebnisanstieg ausweisen. Das Vorsteuerergebnis wurde durch Sondereffekte aus Kapazitätsengpässen, hohe Anlaufkosten aus der Integration des im Vorjahr erworbenen Reibbelag-Geschäftes in die Miba Friction Group sowie die anhaltend angespannte Kosten- und Versorgungssituation auf den Rohstoffmärkten spürbar belastet. Papiere von Sanochemia (Sanochemia Pharmazeutika) gewannen 1,3 Prozent an Wert. Das Unternehmen hat weitere Absatzmärkte für das Medikament Agileo (Tolperison) erschlossen. So haben Sanochemia und das in Zypern ansässige Pharmaunternehmen Remedica eine exklusive Vereinbarung über Marketing und Vertrieb von Agileo für Ägypten und weiteren MENA-Ländern unterzeichnet.
Dow Jones EURO STOXX 50: 2.073,67 (-4,15 Prozent) Dow Jones STOXX 50: 2.108,76 (-2,55 Prozent) FTSE 100 (London): 5.214,65 (-2,35 Prozent) CAC40 (Paris): 2.974,59 (-3,60 Prozent) MIB (Mailand): 14.020,18 (-4,93 Prozent) IBEX 35 (Madrid): 7.910,20 (-4,44 Prozent) SMI (Zürich): 5.430,77 (-1,78 Prozent) ATX (Wien): 2.046,13 (-5,41 Prozent) (09.09.2011/ac/n/m)