Paris (www.aktiencheck.de) - Die Beschlüsse des EU-Gipfeltreffens sorgten an den europäischen Börsen zum Wochenausklang für ein kleines Kursfeuerwerk. Die Indizes konnten ihre Gewinne im Handelsverlauf stetig ausbauen und gingen in der Nähe ihrer Tageshochs in den Feierabend. Der Dow Jones EURO STOXX 50 schloss mit einem satten Aufschlag von 4,96 Prozent bei 2.264,72 Punkten. Der auch britische und schweizerische Titel umfassende Dow Jones STOXX 50 legte um 2,04 Prozent auf 2.380,99 Zähler zu.
Die europäischen Länderbörsen verzeichneten ebenfalls durchwegs deutliche Zugewinne. Die höchsten Aufschläge verzeichneten die Börsen in den kriselnden Euro-Ländern, die maßgeblich von den Beschlüssen des EU-Gipfels profitieren. So verbesserte sich der italienische MIB um 6,6 Prozent, der spanische IBEX legte um 5,7 Prozent zu.
Die Regierungsvertreter der Euroländer haben sich heute Nacht in Brüssel auf ein Maßnahmenpaket zur Stabilisierung der Situation in der Eurozone geeinigt. Unter anderem hat man sich im Rahmen der Sitzung auf ein zentrales Organ zur Überwachung des europäischen Bankensektors unter Mitwirkung der Europäischen Zentralbank verständigt. Des Weiteren verpflichteten sich die Eurostaaten, alle notwendigen Maßnahmen zur Stabilisierung der Eurozone umzusetzen. Dazu sollen vor allem die beiden Eurorettungsschirme EFSF und ESM eingesetzt werden, um eine flexible und effiziente Unterstützung hilfsbedürftiger Euro-Mitglieder zu gewährleisten. In diesem Zusammenhang wurden auch die von Spanien beantragten Finanzhilfen für den angeschlagenen Bankensektor des Landes genehmigt. Außerdem verpflichteten sich die Euro-Länder unter anderem zur Umsetzung ihres Stabilitäts- und Wachstumsprogramms im Gesamtvolumen von 120 Mrd. Euro, mit dem die Konjunktur in der Eurozone angekurbelt werden soll.
Die Verbraucherpreise sind im Juni 2012 mit unverändertem Tempo angestiegen, teilte die EU-Statistikbehörde Eurostat in ihrer Vorabschätzung zur Inflationsentwicklung in der Eurozone mit. So verharrte die jährliche Inflationsrate bei 2,4 Prozent, während sie im Vormonat schon bei 2,4 Prozent gelegen hatte. Damit lag die Gesamtinflationsrate in der Eurozone erneut deutlich über der Preisstabilitätsnorm der Europäischen Zentralbank (EZB), die eine Teuerungsrate von unter, aber nahe 2,0 Prozent anstrebt.
Im britischen FTSE 100 legten Aktien von Evraz um 8,2 Prozent zu und nahmen damit die Spitzenposition ein. Auch CRH und Weir Group fanden sich mit Zugewinnen von 7,3 Prozent bzw. 5,5 Prozent auf den vorderen Plätzen wieder. Vodafone und Barclays reihten sich derweil mit Abschlägen von 0,9 Prozent bzw. 1,7 Prozent in die kurze Liste der Verlierer ein. Aktien der Pennon Group verloren als Schlusslicht 1,9 Prozent an Wert.
Aktien von Anheuser-Busch InBev kletterten in Brüssel um 3 Prozent nach oben. Der weltgrößte Brauereikonzern hat ein Abkommen zum Erwerb von knapp der Hälfte der Anteile an der mexikanischen Grupo Modelo geschlossen, die sich noch nicht in seinem Besitz befinden. Der Kaufpreis beläuft sich dabei auf 20,1 Mrd. US-Dollar. Bei der Grupo Modelo handelt es sich um den größten Brauereikonzern in Mexiko. Der fusionierte Konzern steigt den Angaben zufolge zum weltweit führenden Bierbrauer auf. Im Zusammenhang mit der jüngsten Transaktion verkauft die Grupo Modelo ihre 50 Prozent-Beteiligung an dem Joint Venture Crown Imports LLC für 1,85 Mrd. US-Dollar an ihren US-Partner, den Wein- und Spirituosenkonzern Constellation Brands (US21036P1084/ WKN 871918).
Im französischen CAC40 setzten sich vor allem Finanztitel an die Spitze. So gewannen Société Générale als stärkster Wert 10,0 Prozent hinzu. BNP Paribas und Crédit Agricole legen um 9,7 Prozent bzw. 8,7 Prozent zu. Für Aktien von Vivendi (Vivendi Universal) ging es um 3,1 Prozent nach oben. Der Medien- und Mobilfunkkonzern gab gestern bekannt, dass Jean-Bernard Lévy als Chairman des Management Board zurücktritt. Hintergrund seien unterschiedliche Auffassungen hinsichtlich der strategischen Entwicklung der Gruppe. Am Indexende verloren unterdessen Veolia als einziger Verlierer 3,2 Prozent an Wert.
Wie heute zudem bekannt gegeben wurde, blieb das Bruttoinlandsprodukt (BIP) Frankreichs im ersten Quartal 2012 auf stabilem Niveau. Im vierten Quartal 2011 war das BIP leicht um 0,1 Prozent angestiegen. Ferner hat sich der private Konsum in Frankreich im Mai 2012 erhöht. Im Vormonatsvergleich zogen die Verbraucherausgaben um 0,4 Prozent an. Gegenüber dem Vorjahresmonat erhöhte sich der private Verbrauch um 0,6 Prozent. Die französischen Erzeugerpreise haben sich unterdessen im Mai 2012 reduziert. Binnen Monatsfrist gingen die Erzeugerpreise um 1,0 Prozent zurück, gegenüber einem unveränderten Preisniveau im April. Im Vergleich dem Vorjahresmonat zogen die Erzeugerpreise um 2,2 Prozent an.
Im Schweizer SMI schloss mit Swisscom nur ein Wert marginal im Minus. An der Indexspitze stand die Aktie von Holcim mit einem Aufschlag von 4,5 Prozent. Für Aktien der Credit Suisse (Credit Suisse Group (CS Group) (N)) ging es um 4,1 Prozent nach oben. Wie das Kreditinstitut heute mitteilte, geht man davon aus, auch im zweiten Quartal auf Gruppenebene und in allen Divisionen profitabel zu sein. Bereits im ersten Quartal des laufenden Fiskaljahres hatte die Credit Suisse trotz der schwierigen Rahmenbedingungen an den internationalen Kapitalmärkten und hohen Einmalbelastungen einen Reingewinn von 44 Mio. CHF ausweisen können.
Dow Jones EURO STOXX 50: 2.264,72 (+4,96 Prozent) Dow Jones STOXX 50: 2.380,99 (+2,04 Prozent) FTSE 100 (London): 5.571,15 (+1,42 Prozent) CAC40 (Paris): 3.196,65 (+4,75 Prozent) MIB (Mailand): 14.274,37 (+6,59 Prozent) IBEX 35 (Madrid): 7.102,20 (+5,66 Prozent) SMI (Zürich): 6.066,86 (+1,34 Prozent) ATX (Wien): 1.963,00 (+4,15 Prozent) (29.06.2012/ac/n/m)