Paris (aktiencheck.de AG) - Die wichtigsten europäischen Indizes konnten nach sehr schwachen Vorgaben aus den USA am Donnerstag ihre Verluste weitgehend reduzieren. Neben zahlreichen Quartalsausweisen steht dabei weiterhin der anhaltende US-Schuldenstreit im Fokus der Anleger. Der Dow Jones EURO STOXX 50 verlor 0,04 Prozent auf 2.692,76 Punkte. Der auch britische und schweizerische Titel umfassende Dow Jones STOXX 50 verbesserte sich um 0,29 Prozent auf 2.530,84 Zähler. Der in Paris berechnete EURONEXT 100 gab um 0,11 Prozent nach auf 675,49 Stellen. Die europäischen Länderbörsen tendierten uneinheitlich.
Die Wirtschaftsstimmung in der EU hat sich im Juli 2011 eingetrübt. Dies gab die Generaldirektion Wirtschaft und Finanzen der EU-Kommission heute bekannt. So schrumpfte der Sammel-Index zur Einschätzung der wirtschaftlichen Entwicklung in der gesamten Union (EU27) auf 102,4 Punkte, nach 104,6 Punkten im Juni. Ferner gab der Index für die Eurozone auf 103,2 Zähler nach, während er im Vormonat bei 105,4 Punkten gelegen hatte. Indes hat sich das Geschäftsklima in der Eurozone im Juli 2011 eingetrübt. So verringerte sich der entsprechende Indexstand auf 0,45 Punkte, nach revidiert 0,95 (vorläufig 0,92) Punkten im Vormonat und 0,59 Punkten im Juli 2010.
Royal Dutch Shell (Royal Dutch Shell Grou a) hat im zweiten Quartal einen deutlichen Gewinnzuwachs erzielt hat, was mit höheren Ölpreisen und neuen Projekten in Katar und Kanada zusammenhängt. Die Erwartungen der Analysten wurden erfüllt. Der Nettogewinn nach Abzug von Minderheitsanteilen belief sich auf 8,66 Mrd. US-Dollar, nach 4,39 Mrd. US-Dollar im Vorjahr. Der um Bestandswertveränderungen bereinigte Gewinn (CCS) lag bei 7,99 Mrd. US-Dollar (Vorjahr: 4,53 Mrd. US-Dollar). Der um Bestandswertveränderungen und Einmaleffekte bereinigte Gewinn betrug 6,6 Mrd. US-Dollar. Analysten hatten im Vorfeld einen Gewinn in dieser Größenordnung erwartet. Der Umsatz des Konzerns erreichte 121,26 Mrd. US-Dollar und lag damit deutlich über dem Niveau des zweiten Quartals 2010 (90,57 Mrd. US-Dollar). Die Aktie des Ölkonzerns verbesserte sich um 0,5 Prozent. AstraZeneca legten nach Geschäftszahlen für das zweite Quartal um 0,2 Prozent zu. Der Umsatz des Pharmakonzerns lag mit 8,43 Mrd. US-Dollar über dem Vorjahreswert von 8,18 Mrd. US-Dollar. Dabei konnte man unter anderem von höheren Absätzen beim Cholesterinsenker Crestor und dem Asthmamedikament Symbicort profitiern. Der Nettogewinn lag mit 2,11 Mrd. US-Dollar auf Vorjahresniveau, während der Gewinn je Aktie auf 1,53 US-Dollar verbessert werden konnte (Vorjahreswert: 1,46 US-Dollar). Der bereinigte Gewinn je Aktie lag im Berichtszeitraum bei 1,73 US-Dollar, nach 1,79 US-Dollar je Aktie im Vorjahreszeitraum. Wie der Konzern weiter ausführte, erwartet man für das laufende Fiskaljahr nunmehr einen bereinigten Gewinn von 7,05 bis 7,35 US-Dollar je Aktie.
BAE Systems (BAE Systems) legten um knapp 3 Prozent zu. Der Rüstungskonzern verzeichnete im ersten Halbjahr angesichts rückläufiger Umsätze einen Gewinnrückgang. Der den Aktionären zuzurechnende Nettogewinn belief sich auf 478 Mio. GBP, gegenüber 618 Mio. GBP im Vorjahr. Der Umsatz verringerte sich um 13 Prozent auf 9,23 Mrd. GBP. Darüber hinaus gab der Konzern bekannt, dass er beabsichtigt, eigene Aktien im Wert von bis zu 500 Mio. GBP zurückzukaufen. Daneben rückten BT Group um 3,8 Prozent vor. Die größte Telefongesellschaft in Großbritannien, teilte heute mit, dass sie den Gewinn im ersten Quartal trotz rückläufiger Umsätze steigern konnte, was mit Kostensenkungen und mehr Breitband-Kunden zusammenhängt. Der Nettogewinn nach Abzug von Minderheitsanteilen belief sich auf 385 Mio. Britische Pfund (GBP), nach 284 Mio. GBP im Vorjahr. Der Umsatz fiel indes um 4,8 Prozent auf 4,76 Mrd. GBP. Das bereinigte EBITDA nahm um 3 Prozent auf 1,44 Mrd. GBP zu. Analysten waren hier von einem Wert von 1,42 Mrd. GBP ausgegangen. Schließlich fuhren Rolls-Royce Group um 0,6 Prozent vor. Der Triebwerkshersteller konnte im ersten Halbjahr wieder in die Gewinnzone zurückkehren. Der Umsatz sank leicht auf 5,36 Mrd. GBP. Der operative Gewinn lag mit 716 Mio. GBP über dem Vorjahreswert von 594 Mio. GBP. Unter dem Strich wurde beim Nettoergebnis ein Gewinn von 842 Mio. GBP verzeichnet, nachdem man im Vorjahreszeitraum einen Verlust von 334 Mio. GBP ausgewiesen hatte. Im FTSE 100 standen Shire mit Zugewinnen von 4,2 Prozent an der Spitze. Am Ende des Index fanden sich indes Carnival (-3,7 Prozent) wider.
In Frankreich stürzten im breiten Markt Air France-KLM um 8,1 Prozent ab, nachdem die Fluggesellschaft gestern Abend bekannt gab, dass sie im abgelaufenen Quartal angesichts gestiegener Kerosinpreise und der Problemfelder Japan, Naher Osten und Afrika einen Verlust ausweisen musste. So belief sich der Verlust nach Abzug von Minderheitsanteilen auf 197 Mio. Euro, nach einem Gewinn von 736 Mio. Euro im Vorjahr. Auf bereinigter Basis wurde beim Nettoergebnis ein Verlust von 212 Mio. Euro nach 252 Mio. Euro ausgewiesen. Dagegen verschlechterte sich das EPS von +2,00 Euro auf nun -0,67 Euro. Der Umsatz nahm im abgelaufenen Quartal um 8,7 Prozent auf 6,22 Mrd. Euro zu. Als schwächster Wert im CAC 40 brachen die Aktien des Röhrenherstellers Vallourec um 16,9 Prozent ein, nachdem das Unternehmen gestern Abend vor dem Hintergrund gestiegener Materialkosten einen Gewinnrückgang für das abgelaufene Quartal vermeldet hat. Negativ aufgenommen werden auch die heutigen Zahlen von Danone (Groupe Danone). So gab die Aktie des Lebensmittelherstellers um 0,8 Prozent nach, nachdem der Konzern im ersten Halbjahr seinen Gewinn steigern konnte. Die Erwartungen wurden jedoch verfehlt, was vor allem auf erhöhte Rohstoffkosten zurückzuführen ist. So belief sich der Nettogewinn nach Abzug von Minderheitsanteilen auf 861 Mio. Euro, nach 838 Mio. Euro im Vorjahreszeitraum. Analysten waren hier von einem Gewinn von 899 Mio. Euro ausgegangen. Der Umsatz erhöhte sich um 16,3 Prozent auf 9,73 Mrd. Euro, wobei er organisch um 8,7 Prozent zulegte. Die Ziele für das Gesamtjahr wurden bestätigt. France Télécom verbesserten sich um 0,8 Prozent. Der Umsatz des Konzerns ist im ersten Halbjahr auf 22,57 Mrd. Euro gestiegen, nach 22,14 Mrd. Euro im Vorjahr. Unter dem Strich wurde beim Nettogewinn ein Rückgang auf 1,95 Mrd. Euro verzeichnet, nach einem Nettogewinn von 3,73 Mrd. Euro im Vorjahreszeitraum.
Sanofi (Sanofi) rückten um 1,7 Prozent vor. Der Pharmakonzern musste im zweiten Quartal 2011 infolge wachsender Generika-Konkurrenz einen Ergebnisrückgang ausweisen. Zwar erhöhten sich die Umsatzerlöse gegenüber dem Vorjahresquartal um 0,5 Prozent auf 8,35 Mrd. Euro. Bei konstanten Wechselkursen bedeutet dies ein Plus von 6,9 Prozent. Dagegen schrumpfte der Nettogewinn vor Sonderposten um 13,2 Prozent auf 2,15 Mrd. Euro bzw. 1,64 Euro pro Aktie. Bereinigt um Währungseffekte sank das Quartalsergebnis damit um 7,4 Prozent unter das entsprechende Vorjahresniveau. Für das laufende Gesamtjahr 2011 stellt der Konzern einen Rückgang des Ergebnisses pro Aktie um 2 bis 5 Prozent (bei konstanten Wechselkursen) in Aussicht. Mit einem Abschlag von 5,1 Prozent standen ferner Lafarge unter Druck. Der Baustoffhersteller musste im zweiten Quartal einen Gewinnrückgang ausweisen. So lag der Umsatz mit 4,42 Mrd. Euro leicht unter dem Vorjahreswert von 4,43 Mrd. Euro. Auf vergleichbarer Basis wurde ein Umsatzplus von 2 Prozent ausgewiesen. Unter dem Strich wurde beim Nettoergebnis ein Rückgang auf 289 Mio. Euro ausgewiesen, nach einem Nettogewinn von 329 Mio. Euro im Vorjahreszeitraum. Den Angaben zufolge wurde das Ergebnis im Berichtsquartal vor allem durch die gestiegenen Kosten und negative Wechselkurse beeinträchtigt. Alcatel-Lucent brachen um 15,3 Prozent ein, obwohl der Netzwerkausrüster im zweiten Quartal in die Gewinnzone zurückkehren konnte. So lag der Umsatz mit 3,90 Mrd. Euro über dem Vorjahreswert von 3,81 Mrd. Euro. Dabei konnte der Netzwerkspezialist vor allem von einer deutlich höheren Nachfrage in den Regionen nord- und Lateinamerika sowie in der Region Asien/Pazifik profitieren. Unter dem Strich konnte Alcatel-Lucent beim Nettoergebnis einen Gewinn nach Anteilen Dritter von 43 Mio. Euro erzielen, nach einem Verlust von 184 Mio. Euro im Vorjahreszeitraum. Um Einmaleffekte bereinigt wurde im Berichtszeitraum ein Nettogewinn von 82 Mio. Euro erwirtschaftet. Vorne fuhren indes Renault um 4,5 Prozent vor. Der Automobilhersteller hat im ersten Halbjahr einen deutlich höheren Gewinn erwirtschaftet hat, was das Ergebnis von Steuererträgen, geringeren Finanzierungskosten und Erlösen aus Asset-Verkäufen ist. Die Erwartungen wurden trotz Lieferengpässen und gestiegenen Rohstoffkosten übertroffen, was vor allem auf ein Wachstum außerhalb Europas zurückzuführen ist. Der Nettogewinn belief sich auf 1,22 Mrd. Euro, gegenüber 780 Mio. Euro im Vorjahreszeitraum. Der Umsatz nahm um 7,3 Prozent auf 21,10 Mrd. Euro zu. Der bereinigte operative Gewinn lag bei 630 Mio. Euro, was einem Rückgang um 19 Prozent entspricht. Analysten waren hier von einem Gewinn von 595 Mio. Euro ausgegangen. Für das laufende Jahr 2011 geht der Konzern nun von einem Wachstum von 3 bis 4 Prozent im weltweiten Automobilmarkt (Pkw und leichte Nutzfahrzeuge) aus.
Für eine Enttäuschung sorgte in der Schweiz die Credit Suisse (Credit Suisse Group (CS Group) (N)). Die Bank hat im zweiten Quartal ein geringeres Ergebnis erzielt und die Erwartungen verfehlt. Dabei war der Berichtszeitraum geprägt durch eine geringe Kundenaktivität und schwierige Handelsbedingungen wegen der europäischen Schuldenkrise und der sich verschlechternden globalen Wirtschaftsindikatoren, ein Niedrigzinsumfeld sowie einen starken Schweizer Franken. Der den Aktionären zurechenbare Reingewinn belief sich auf 768 Mio. Schweizer Franken (CHF), gegenüber einem Reingewinn von 1,59 Mrd. CHF in der Vorjahresperiode. Analysten waren im Vorfeld von einem Gewinn von 1,06 Mrd. CHF ausgegangen. Der Nettoertrag (Kernergebnis) betrug 6,33 Mrd. CHF (Vorjahr: 8,42 Mrd. CHF). Der Titel verschlechterte sich am Ende des SMI um 1,6 Prozent. Daneben stiegen UBS um 0,2 Prozent. Vorne im SMI legten Swatch Group um 2,6 Prozent zu.
Die spanische Telefonica , Europas zweitgrößte Telefongesellschaft, musste im ersten Halbjahr mit einem Gewinnrückgang aufwarten. Demnach lag der Umsatz in den ersten sechs Monaten des laufenden Fiskaljahres mit 30,89 Mrd. Euro mit 6,3 Prozent über dem Vorjahreswert von 29,50 Mrd. Euro. Der operative Gewinn verringerte sich auf 6,35 Mrd. Euro, nach 6,46 Mrd. Euro im Vorjahreszeitraum. Der Nettogewinn verringerte sich auf 3,16 Mrd. Euro, nach 3,78 Mrd. Euro im Vorjahreszeitraum. Die Aktie von Telefonica verlor 0,5 Prozent. Die spanische Banco Bilbao Vizcaya Argentaria (BBVA) hat im zweiten Quartal 2011 einen geringeren Gewinn erwirtschaftet, was mit dem schwachen spanischen Heimatmarkt zusammenhängt. Die Erwartungen konnten trotzdem übertroffen werden. Der Nettogewinn nach Abzug von Minderheitsanteilen belief sich demnach auf 1,19 Mrd. Euro, gegenüber 1,85 Mrd. Euro im Vorjahr. Analysten waren im Vorfeld von einem Gewinn von 1,1 Mrd. Euro ausgegangen. Die Nettozinseinnahmen blieben mit 3,22 Mrd. Euro deutlich unter dem Vorjahresniveau von 3,55 Mrd. Euro. Die Aktie von BBVA gewann 1,7 Prozent. Der spanische Öl- und Erdgaskonzern Repsol YPF erklärte, dass der operative Gewinn im zweiten Quartal um 24 Prozent auf 1,11 Mrd. Euro gesunken ist. Der Nettogewinn ging um 11 Prozent auf 579 Mio. Euro zurück, während der bereinigte Gewinn um 7 Prozent auf 485 Mio. Euro sank. Die Probleme in Libyen führten zu einer deutlich schwächeren Fördermenge. Die Aktie von Repsol gewann 1,9 Prozent.
Dow Jones EURO STOXX 50: 2.692,76 (-0,04 Prozent) Dow Jones STOXX 50: 2.530,84 (+0,29 Prozent) EURONEXT 100: 675,49 (-0,11 Prozent) FTSE 100 (London): 5.873,21 (+0,28 Prozent) CAC40 (Paris): 3.712,66 (-0,57 Prozent) MIB (Mailand): 18.558,02 (+0,35 Prozent) IBEX 35 (Madrid): 9.657,00 (+0,14 Prozent) SMI (Zürich): 5.871,41 (-0,56 Prozent) ATX (Wien): 2.624,17 (-0,68 Prozent) (28.07.2011/ac/n/m)