Paris (aktiencheck.de AG) - Die wichtigsten europäischen Börsen notieren im Donnerstaghandel zur Mittagszeit im negativen Bereich. Dabei weiteten die Indizes ihre Verluste im bisherigen Handelsverlauf vor dem Hintergrund mehrheitlich negativ aufgenommener Quartalsausweise aus. Der Dow Jones EURO STOXX 50 verliert derzeit 1,22 Prozent auf 2.915,97 Punkte. Der auch britische und schweizerische Titel umfassende Dow Jones STOXX 50 gibt um 0,87 Prozent nach auf 2.592,02 Zähler. Der in Paris berechnete EURONEXT 100 verschlechtert sich um 0,92 Prozent auf 710,69 Stellen. Die europäischen Länderbörsen tendieren im Minus.
Der Geldpolitische Rat der Europäischen Zentralbank beschloss auf seiner heutigen turnusmäßigen Sitzung, das Zinsniveau unverändert zu lassen. Der zentrale 2-Wochen-Refi-Mindestbietungssatz, zu dem sich die Geschäftsbanken refinanzieren, bleibt damit bei 1,25 Prozent. Marktbeobachter hatten diese Entscheidung bereits im Vorfeld erwartet.
Die US-Bösen dürften heute mit negativen Vorzeichen in den Handel starten. So verschlechtert sich der Dow Jones Future derzeit um 0,38 Prozent. Der NASDAQ-Future gibt um 0,38 Prozent nach, während der S&P-Future 0,52 Prozent fällt. Aus den USA werden heute Daten zur Arbeitsproduktivität sowie die Lohnstückkosten für das erste Quartal gemeldet. Ferner stehen auch die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe zur Veröffentlichung an.
Der neunköpfige Geldpolitische Rat (MPC) der Bank of England (BoE) hat heute beschlossen, das Zinsniveau unverändert zu lassen. Somit verharrt die als Leitzins dienende Repo-Rate bei 0,50 Prozent. Marktbeobachter hatten diesen Beschluss bereits im Vorfeld erwartet. Auch das Volumen des Anleihe-Rückkaufprogramms wurde mit 200 Mrd. Britischen Pfund (GBP) bestätigt. Deutlich unter Druck stehen heute in Großbritannien die Anteilsscheine von Lloyds (Lloyds Banking Group), die als schwächster Wert im FTSE 100 um 8,5 Prozent einbrechen. Die Großbank musste im ersten Quartal 2011 einen Ergebniseinbruch verkraften und verbuchte einen Nettoverlust von 2,44 Mrd. Britische Pfund (GBP), gegenüber einem Vorjahresgewinn von 169 Mio. GBP. Hintergrund sind Rückstellungen für Kunden, die in Zusammenhang mit Kreditversicherungen falsch beraten wurden. Indes verbessern sich Diageo um 1,3 Prozent. Der größte Spirituosenhersteller der Welt konnte den Umsatz im dritten Geschäftsquartal auf organischer Basis steigern, was auf eine starke Nachfrage nach Whisky und Cognac in den Emerging Markets zurückzuführen war. So kletterte der organische Umsatz in den drei Monaten zum 31. März 2011 um 7 Prozent gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Analysten waren im Vorfeld von einem Wachstum von lediglich 3,3 Prozent ausgegangen. In den ersten neun Monaten des laufenden Geschäftsjahres lag der organische Umsatzzuwachs bei 5 Prozent. Der konsolidierte Umsatz wuchs im dritten Quartal um 3 Prozent, während nach neun Monaten ein Plus von 2 Prozent verzeichnet wurde. Vorne rücken Smith & Nephew um 2,3 Prozent vor.
In Frankreich gab es heute eine ganze Reihe an Quartalsausweisen. Unter Druck stehen dabei die Anteilsscheine der Société Générale . Die Bankgesellschaft musste im ersten Quartal einen Gewinnrückgang hinnehmen. Zurückzuführen war die auf eine Sonderbelastung sowie eine Rückstellung in Zusammenhang mit politischen Unruhen in Ägypten. Der Nettogewinn nach Abzug von Minderheitsanteilen belief sich auf 916 Mio. Euro, nach 1,06 Mrd. Euro im Vorjahr. Analysten waren im Vorfeld von einem Gewinn von 1,06 Mrd. Euro ausgegangen. Die Erträge (Net Banking Income) stiegen um 0,6 Prozent auf 6,62 Mrd. Euro. Die Rückstellungen für Kreditausfälle fielen um 22,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 878 Mio. Euro. Die Aktie verschlechtert sich als schwächster Wert im CAC 40 um 5,2 Prozent. Durchwachsen lief indes das erste Quartal bei Lafarge . Der Baustoffhersteller steigerte seinen Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um 3 Prozent auf 3,56 Mrd. Euro. Unter dem Strich verzeichnete man beim Nettoergebnis einen Verlust von 29 Mio. Euro, nachdem man im Vorjahreszeitraum einen Nettogewinn von 64 Mio. Euro erzielt hatte. Dabei hatte der Konzern im Vorjahreszeitraum allerdings von positiven Einmaleffekten in Höhe von 137 Mio. Euro aus einem Beteiligungsverkauf profitieren können. Der Titel gibt um 0,1 Prozent nach. Die Aktien des Likör- und Spirituosenherstellers Pernod Ricard verbessern sich um 1 Prozent, nachdem man in den ersten neun Monaten einen Umsatzanstieg vorweisen konnte und im Anschluss die Jahresprognose bestätigt hat. Dabei lag der Umsatz mit 5,90 Mrd. Euro um 11 Prozent über dem Vorjahreswert. Für das laufende Fiskaljahr 2010/11 erwartet der Konzern, dass man beim Gewinn aus dem fortgeführten Geschäft ein organisches Wachstum von knapp 7 Prozent erzielen kann. Des Weiteren meldete der Versicherungskonzern AXA die Umsatzzahlen für das erste Quartal. Demnach lag der Gesamtumsatz mit 27,91 Mrd. Euro in etwa auf dem Vorjahresniveau von 27,92 Mrd. Euro. Auf vergleichbarer Basis wurde gegenüber der Vorjahresperiode ein Minus von 2,0 Prozent ausgewiesen. Der Titel verschlechtert sich um 1,2 Prozent. Schließlich meldete auch der Umweltservice-Konzern Veolia Environnement die Umsatzzahlen für das erste Quartal. Dabei wurde der Umsatz um 11,3 Prozent auf 8,16 Mrd. Euro gesteigert. Der organische Umsatzanstieg wurde auf 3,4 Prozent beziffert. Beim bereinigten operativen Ergebnis wurde im ersten Quartal ein leichter Rückgang auf 636,1 Mio. Euro verzeichnet, nach 643,2 Mio. Euro im Vorjahreszeitraum. Der Anteilsschein steigt um 0,4 Prozent. Vorne verteuern sich Alcatel-Lucent um 2,7 Prozent.
In der Schweiz meldet die Swiss Re (Schweizerische Rueckversicherungs-Gesellschaft) für das erste Quartal einen Verlust. Der Bereich Property & Casualty wurde dabei durch sehr hohe Naturkatastrophenschäden beeinträchtigt, wie den Erdbeben in Japan und Neuseeland sowie den Überschwemmungen in Australien. Der Nettoverlust belief sich auf 665 Mio. US-Dollar, nach einem Gewinn von 158 Mio. US-Dollar im ersten Quartal 2010. Analysten waren im Vorfeld von einem Verlust von 1,03 Mrd. US-Dollar ausgegangen. Das Papier rückt als bester Wert im SMI um 0,6 Prozent vor. Derweil verschlechtern sich Zurich Financial Services (Zurich Financial Services (N) (Zuerich)) um 4,3 Prozent. Der Versicherungskonzern hat im ersten Quartal einen Gewinn deutlich unter Vorjahresniveau verbucht und die Erwartungen verfehlt. Dabei wurden die Ergebnisse von den schweren Naturkatastrophen in der Region Asien-Pazifik beeinflusst. Zudem war das Ergebnis von der langsamen wirtschaftlichen Erholung in den USA und vielen Ländern Europas geprägt. Der den Aktionären zurechenbare Reingewinn nach Steuern belief sich auf 637 Mio. US-Dollar, nach zuvor 935 Mio. US-Dollar. Analysten waren im Vorfeld von einem Gewinn von 727,6 Mio. US-Dollar ausgegangen. Der Gesamtumsatz der Gruppe ging um 6 Prozent auf 17,87 Mrd. US-Dollar zurück. Die rote Laterne wird derweil von der Aktie von Actelion gehalten, die 6,8 Prozent an Wert verliert.
In den Niederlanden fällt die Aktie von ING Groep mit einem Zugewinn von 1,3 Prozent ins Auge. Der Allfinanzkonzern hat im ersten Quartal einen Gewinnzuwachs erwirtschaftet, was vor allem auf deutlich bessere Ergebnisse im Versicherungsgeschäft zurückzuführen ist. Die Erwartungen wurden damit geschlagen. Der den Aktionären zuzurechnende Nettogewinn belief sich auf 1,38 Mrd. Euro, nach 1,23 Mrd. Euro im Vorjahr. Analysten waren im Vorfeld von einem Gewinn von 1,25 Mrd. Euro ausgegangen. Auf bereinigter Basis wurde ein Nettogewinn von 1,49 Mrd. Euro (Vorjahr: 923 Mio. Euro) ausgewiesen. Analysten hatten hier einem Gewinn von 1,37 Mrd. Euro erwartet.
Die spanische Großbank BBVA (Banco Bilbao Vizcaya Argentaria) hat zwar im ersten Quartal einen geringeren Gewinn erwirtschafte, konnte allerdings die Erwartungen übertreffen. Der Nettogewinn nach Abzug von Minderheitsanteilen belief sich auf 1,15 Mrd. Euro, gegenüber 1,24 Mrd. Euro im Vorjahr. Analysten waren im Vorfeld von einem Gewinn von 1,09 Mrd. Euro ausgegangen. Der operative Gewinn lag bei 2,90 Mrd. Euro (Vorjahr: 3,18 Mrd. Euro). Die Nettozinseinnahmen blieben mit 3,18 Mrd. Euro unter dem Vorjahresniveau (3,39 Mrd. Euro). Die Aktie verschlechtert sich um 2,2 Prozent. Gleichzeitig geben Iberdrola um 0,5 Prozent nach. Der Versorger konnte im ersten Quartal mit einem Gewinnplus aufwarten und beim Nettoergebnis erstmals die Schallmauer von 1 Mrd. Euro überwinden.
In Österreich verteuern sich Lenzing um 3,1 Prozent. Das Unternehmen geht für das laufende Fiskaljahr von einem besser als erwarteten Geschäftsverlauf aus. Der Umsatz konnte im ersten Quartal im Vorjahresvergleich um 46 Prozent auf 532,1 Mio. Euro verbessert werden. Der Anstieg beim EBITDA fiel mit einem Plus von 66 Prozent auf 114,9 Mio. Euro noch höher aus. Für das laufende Fiskaljahr erwartet der Konzern daher einen besseren Geschäftsverlauf als anlässlich der Bilanzpressekonferenz am 21. Februar bekannt gegeben.
Dow Jones EURO STOXX 50: 2.915,97 (-1,22 Prozent) Dow Jones STOXX 50: 2.592,02 (-0,87 Prozent) EURONEXT 100: 710,69 (-0,92 Prozent) FTSE 100 (London): 5.935,36 (-0,81 Prozent) CAC40 (Paris): 3.993,46 (-1,23 Prozent) MIB (Mailand): 21.745,37 (-0,78 Prozent) IBEX 35 (Madrid): 10.626,90 (-0,80 Prozent) SMI (Zürich): 6.414,55 (-0,86 Prozent) ATX (Wien): 2.807,32 (-0,98 Prozent) (05.05.2011/ac/n/m)