12.02.2013 10:21
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NASDAQ prüft Fusion oder eigenen Verkauf

Börsenbetreiber sucht Lösung
Der New Yorker Börsenbetreiber NASADQ OMX, lange auf der Suche nach einem Partner, bemüht sich nun offenbar verstärkt um strategische Alternativen.
  Mit der Sache vertraute Personen sagten mit Blick auf den Zusammenschluss von Wettbewerber NYSE Euronext mit der IntercontinentalExchange (ICE), die Nasdaq OMX könnte nun ihrerseits ein Joint-Venture oder aber den eigenen Verkauf in Erwägung ziehen. Der Grund ist, dass der Konkurrenzdruck bei den Börsenbetreibern immer mehr zunimmt und mit der fusionierten Börse aus NYSE und ICE ein starker Wettbewerber entsteht.

   Nach dem angekündigten Zusammenschluss der ICE und der NYSE Euronext habe die Nasdaq ihre Gespräche intensiviert, so die Informanten. Im Zuge dessen sei auch die Private-Equity-Gesellschaft Carlyle Group an die Nasdaq herangetreten mit dem Vorschlag, die Nasdaq von der Börse zu nehmen. Die Verhandlungen seien aber gescheitert und nun beendet. Mit mindestens zwei anderen Beteiligungsfirmen habe die Nasdaq im vergangenen Jahr ähnliche Vorgespräche geführt, sagte eine informierte Person.

   Auch mit der CME Group soll über eine Zusammenarbeit in den Bereichen Technologie und Indizes gesprochen worden sein. Die CME ist eine der weltgrößten Optionsbörsen und die weltweit größte Terminbörse. Auch dies sei im Sande verlaufen, so ein Informant. Auf internationaler Ebene habe die Nasdaq mit dem möglichen Zusammenschluss mit der britischen London Stock Exchange (LSE) geliebäugelt, aber auch das habe letztendlich zu nichts geführt.

   Die zahlreichen Überlegungen verdeutlichen, mit welch großen Anstrengungen sich die Nasdaq derzeit darum bemüht, gangbare Wege für ein Mithalten im Wettbewerb zu suchen und den Aktienkurs anzutreiben. Der zunehmende Konkurrenzdruck - auch durch alternative Handelsplattformen - lässt einige Börsenbetreiber näher zusammenrücken. In den vergangenen zwei Jahren hatten Nasdaq-Konkurrenten wie die NYSE Euronext und die LSE schon große Deals eingetütet. Einige der geplanten Transaktionen konnten aber letztendlich nicht durchgezogen werden, wie etwa die Fusion der Deutschen Börse mit der NYSE Euronext.

   Eine Übernahme der Nasdaq mit einem entsprechenden Börsenrückzug wäre für das Unternehmen ein drastischer Einschnitt. Der milliardenschwere US-Finanzinvestor Carlyle ist seit seinem Börsengang selbst an der Nasdaq gelistet. Der Unternehmenswert der Nasdaq selbst liegt inklusive Verbindlichkeiten bei über 6 Milliarden US-Dollar. Eine solche Größenordnung wäre bei einem Buy-Out unter den derzeitigen Marktbedingungen durchaus handhabbar. Ein Abschied von der Börse gilt für solche Unternehmen als attraktiv, bei denen die Märkte das Geschäftsmodell nicht angemessen zu würdigen wissen.

   Die Nasdaq und andere Börsenbetreiber kämpfen seit Jahren gegen das Vorurteil, dass ihre Gewinne zu sehr vom US-Aktienhandel abhängen. Neben dem traditionellen Aktienhandel verfügt die Nasdaq noch über andere Geschäftsbereiche wie Optionshandel oder Investor-Relations-Dienstleistungen. Analyst Richard Repetto von Sandler O'Neill und Partners sagte, im vierten Quartal habe der Aktienhandel der Nasdaq nur einen Umsatzanteil von 7 Prozent geliefert. Im Dezember hatte die Nasdaq die Sparten Investor Relations, Public Relations und Multimedia Solutions vom Informationsdienstleisters Thomson Reuters übernommen. Die Geschäftsbereiche liefern unter anderem Kommunikationslösungen und Analysen.

   Die informierten Personen sagten weiter, die Nasdaq habe auch mit kleineren Technologiefirmen über eine Übernahme gesprochen. Mit diesen Zukäufen könnte die Nasdaq ihre Marktposition stärken. Auch mit der Ax Trading Group habe die Nasdaq gesprochen. Ax Trading ist eine Handelsplattform, auf der Investoren Aktienblöcke an Kleinunternehmen kaufen können. Es würden aber noch Vorgespräche geführt und ob es zu einem Abschluss komme, sei ungewiss, so die Personen.

   Der Aktienkurs der Nasdaq schloss am Montag mit einem Plus von 3,1 Prozent bei 30,38 US-Dollar. Im letzten Jahr hatte der Kurs 17 Prozent gewonnen. Analyst Christopher Harris von Wells Fargo hält die Nasdaq deswegen für Beteiligungsgesellschaften für interessant, weil der Konzern breit aufgestellt sei und eine starke Cash-Basis habe. Nach seiner Meinung handele der Aktienkurs der Nasdaq deutlich unter denen der Wettbewerber.

   Die Nachrichten über ein Interesse von Carlyle wurden zuerst von Fox Business berichtet. Demnach soll sich die Carlyle-Finanzchefin Adena Friedman mit der Nasdaq getroffen haben. Die Managerin war auch mal für die Finanzen des Börsenbetreibers verantwortlich und lange Zeit in dem Unternehmen tätig. Die Übernahmespezialisten von Carlyle hätten eine vorläufige Due-Diligence-Prüfung bei der Nasdaq durchgeführt. Doch schnell sei klar geworden, dass die Auffassungen über den Unternehmenswert auseinander klaffen. Friedman und Nasdaq-Chef Robert Greifeld seien unverändert freundschaftlich verbunden.

Dow Jones Newswires, Copyright (c) 2013 Dow Jones & Company, Inc.- - 04 02 AM EST 02-12-13

Bildquellen: SeanPavonePhoto / Shutterstock.com

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