NEW YORK (dpa-AFX) - Was war das für ein Aufschrei in den Vereinigten Staaten, als die Deutsche
Börse mit der New York Stock Exchange (
NYSE Group) zusammengehen wollte. US-Politiker fürchteten den Ausverkauf des amerikanischen Kapitalismus an sich. "Amerika hat eine Tradition, seine nationalen Heiligtümer zu schützen; und wir müssen nun handeln, um die New Yorker Börse zu schützen", polterte der demokratische Kongressabgeordnete Ted Deutch aus Florida. "Wir würden ja auch nicht den Namen der Freiheitsstatue ändern, von Mount Rushmore oder der Golden Gate Bridge."
Und nun? Die Fusion ist geplatzt - und die Amerikaner nehmen kaum Notiz davon. Nicht einmal an der Wall Street selbst ist das Aus für das scherzhaft "Big Börse" genannte Gebilde das große Gesprächsthema. "Jeder in dieser Stadt redet über Facebook", sagte der Moderator des Wirtschaftssenders Bloomberg TV am Mittwochmorgen und stellt damit die Prioritätenliste klar. Die Finanzgemeinde wartete gespannt auf erste Details des Börsengangs. Das Hausblatt "Wall Street Journal" machte in seiner Onlineausgabe mit dem Sieg Mitt Romneys bei den Vorwahlen der Republikaner für die US-Präsidentschaft in Florida auf.
Tatsächlich stellte das Nein der EU-Wettbewerbshüter zur Megabörse keine Überraschung dar. Die Entscheidung zeichnete sich seit Wochen ab. Nicht einmal das Management scheint am Ende mehr an ein Gelingen der Fusion geglaubt zu haben. So versuchte die NYSE dann auch schnell zur Tagesordnung überzugehen und die schmerzliche Niederlage vergessen zu machen. NYSE-Chef Duncan Niederauer dankte der Deutschen Börse artig für die gemeinsamen Anstrengungen. Weitere Megafusionen egal welcher Art schloss er aber in absehbarer Zeit aus und das branchenweit. Die New Yorker Börse, so seine Parole, werde auch alleine erfolgreich sein./das/DP/tw