31.12.2012 14:00
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IPOs: Viel zu selten eine runde Sache

Börsengänge: IPOs: Viel zu selten eine runde Sache | Nachricht | finanzen.net
IPO: Viel zu selten eine runde Sache
Börsengänge
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Börsengänge: 2012 war kein gutes Jahr, Investoren waren bis auf wenige Ausnahmen sehr vorsichtig. Doch 2013 könnte der Markt wieder aufblühen.
€uro am Sonntag
von Klaus Schachinger, Euro am Sonntag

Auch Mark Zuckerberg muss noch viel lernen. Erbosten Facebook-Aktio­nären gegenüber, die anlässlich des drittgrößten US-Börsengangs (IPO) aller Zeiten 16 Milliarden Dollar in das soziale Netzwerk pumpten und nach dem IPO einen Absturz der Aktie bis Anfang September um mehr als 50 Prozent ertragen mussten, gab sich der 28-jährige Facebook-Gründer zuletzt ziemlich kleinlaut. Ja, es stimme, die Mission des größten sozialen Netzwerks der Welt sei für ihn wichtiger gewesen als irgendwelche Investorenkonferenzen, räumte er ein. Und versprach zugleich Besserung. Künftig werde er sich mehr der Pflege des Börsenwerts widmen.

Ein Anfang ist gemacht. Die Quartalsbilanz im Oktober überzeugte Anleger. Von den 104 Milliarden Dollar Marktkapitalisierung, die Facebook beim Börsendebüt auf die Waage brachte, ist das Unternehmen zwar noch weit entfernt. Aktuell ist der Nasdaq-Wert „nur“ 60 Milliarden Dollar schwer, aber der Kater nach dem IPO scheint überstanden. Die Trendwende bei der Webkommune fügt sich gut in die Gesamt­bilanz der Börsengänge an der Wall Street im Jahr 2012 ein. Nach Zahlen des Datendienstleisters Dealogic sammelten Unternehmen auf dem weltweit größten IPO-Markt bislang über 45 Milliarden Dollar ein. Es ist die höchste Summe seit dem Ende der Wirtschaftskrise 2009.

Allerdings: Ohne den 16-Milliarden-Dollar-Börsengang von Facebook sähe die Bilanz deutlich schwächer aus. Dann läge das Emissionsvolumen nur zwei Milliarden Dollar über dem Niveau von 2009. Auch weltweit betrachtet fällt die Bilanz eher nüchtern aus. Die IPO-Erlöse schrumpften gegenüber 2011 um 35 Prozent auf 111 Milliarden Dollar.

Ein Grund: Vor allem in Europa wagten sich 2012 extrem wenige Firmen aufs Parkett. Die Zahl der Börsengänge schrumpfte im Vergleich zum Vorjahr um 45 Prozent. Die Emissionserlöse gingen sogar noch stärker zurück, sie schrumpften um fast zwei Drittel auf nur noch zwölf Milliarden Dollar. Wegen der anhaltenden Unsicherheit aufgrund der europäischen Schuldenkrise waren Anleger offenbar nur zu extrem günstigen Konditionen bereit, in Börsenneulinge zu investieren. „Mit einem Dutzend größerer IPOs in Europa ist die Bilanz durchwachsen. Es wird wohl noch dauern, bis das hohe Niveau des Jahres 2007 wieder erreicht wird“, sagt Stefan Weiner, der bei der US-Bank JP Morgan das Deutschland-Geschäft mit Börsengängen verantwortet.

Erst das Versprechen von EZB-Präsident Mario Draghi Ende Juli, alles für die Rettung des Euro zu tun, holte die Investoren zurück — vor allem jene aus Großbritannien und Amerika. Denn ohne die Angelsachsen funktionieren Börsengänge in Europa nicht. „Etwa 40 bis 50 Prozent eines größeren IPO in Frankfurt werden aus London gezeichnet. Aus den USA stammen weitere 20 bis 25 Prozent“, sagt Joachim von der Goltz, Deutschland-Chef für das Neuemissionsgeschäft der Schweizer Bank UBS. Beim Debüt von Telefónica Deutschland, dem zweitgrößten IPO des Jahres in Europa, stammten weniger als zehn Prozent des Kapitals aus Deutschland.

Erstversicherer Talanx kam eine ganz besondere Rolle zu. Erst ließ das Unternehmen zehn Jahre mit dem Gang aufs Parkett auf sich warten, dann gelang Anfang Oktober doch noch die Premiere. Der Industrieversicherer musste zunächst aber offenbar auf einige angelsächsische Investoren verzichten und zudem seine ursprünglichen Preisvorstellungen revidieren. Zudem bot er weniger Aktien an. Unter dem Strich erhielt Talanx also deutlich weniger Eigenkapital als erhofft. Die Direktaufnahme in den MDAX wurde dadurch verpasst. Aufgrund des Aus­scheidens des Parfümeriekonzerns Douglas gelang Talanx der nachträgliche Aufstieg in den Index jedoch überraschend schnell. Damit ist die Aktie für institutionelle Investoren noch interessanter geworden.

Andere Aspiranten waren weniger erfolgreich. Der Baukonzern Hochtief kassierte den Börsengang der Infrastrukturtochter Concessions. Die Anteilscheine der Siemens-Lichtsparte Osram gehen über ein sogenanntes Spin-off an die Aktionäre des Mutterkonzerns. Mit dem Beleuchtungsspezialisten Hess und dem Biogasanlagenhersteller KTG Energie wagten nur zwei klassische Mittelständler den Sprung aufs Parkett. Um Wachstum zu finanzieren, nutzten viele deutsche Unternehmen stattdessen den Anleihemarkt. Die Bereitschaft der deutschen Privatanleger, in Anleihen zu investieren, ist derzeit weitaus ausgeprägter als in Aktien von Börsenneulingen.

Timing wird immer wichtiger
Ein weiterer Trend des Jahres: Wer in Europa erfolgreich an der Börse debütieren will, braucht ein immer besseres Gespür für Timing. Denn die Turbulenzen am Kapitalmarkt in den vergangenen Jahren haben die günstigen Zeitfenster deutlich verkürzt. „Vor der Finanzkrise plante man für die letzte Phase eines IPO bis zu fünf Monate ein. Heute sollten Firmen das in drei Monaten schaffen. Größere Zeitfenster, die eine Welle von Börsengängen auslösen, wird es nicht mehr geben“, sagt Experte von der Goltz.

Das aktuell gute Börsenumfeld scheinen nun einige Unternehmen nutzen zu wollen. „Wir erwarten die ersten IPOs in Deutschland noch vor Ostern im März“, sagt JP-Morgan-Experte Weiner. Vor allem Immobilienfirmen drängen aufs Parkett. Da Gesellschaften wie GSW oder Deutsche Wohnen inzwischen hoch bewertet sind, interessieren sich angelsächsische Investoren auch für die deutschen Kandidaten LEG und Deutsche Annington, heißt es in Frankfurt. Letztere wäre, wie auch der Spezialchemiekonzern Evonik, aufgrund ihrer Größe sogar ein Kandidat für den DAX. Insgesamt sollen fast 40 Unternehmen über einen IPO nachdenken, darunter bekannte Namen wie KraussMaffei oder Dekra. An der Wall Street zeigt ein Blick auf die Börsenpläne, dass manche Branchen im Mittelpunkt stehen. Es dominieren Einzelhandelsfirmen wie Coty (Parfümerien) oder Fairway Group (Supermärkte) sowie Firmen aus dem Öl- und Kohlesektor (SunCoke Energy, CVR Refining).

Auch Technologiefirmen bleiben eine Spezialität der Wall Street. Cloud-Computing-Spezialist Workday konnte den Emissionspreis vor der Erstnotiz im Oktober zweimal in Folge erhöhen. Workday geht auf den IT-Unternehmer Dave Duffield zurück, der schon das Softwarehaus Peoplesoft gründete. Anders als Novize Zuckerberg leistete sich Routinier Duffield jedoch keinen Patzer nach dem Börsengang.

Investor-Info

FaceBook
Kritiker besänftigt

Nach der Aufnahme von Facebook in den Nasdaq 100 dürfte 2013 nach Einschätzung von Analysten der Aufstieg in den Leitindex S & P 500 folgen. Gute Quartalszahlen im Oktober stoppten die Talfahrt der Aktie. Der größte Kritikpunkt bis dahin: die geringen Werbeeinnahmen aus dem mobilen Web. Diese legten zuletzt aber überraschend stark zu. Bis 2015 erwarten Analysten mindestens 25 Prozent Gewinnwachstum pro Jahr. Riskant!

Talanx
Solide Dividende

Schon vor ihrer Aufnahme in den MDAX überzeugte die Hannoveraner Versicherungsgruppe mit starken Neunmonatszahlen. Talanx, mehrheitlich im Besitz des Industrieversicherers HDI, erwartet für das Gesamtjahr einen Gewinnanstieg von gut 15 Prozent auf 600 Millionen Euro. Davon sollen knapp 45 Prozent als Dividende ausbezahlt werden. Trotz des Niedrigzinsumfelds stieg die Kapitalanlagerendite von 3,8 auf 4,3 Prozent. Solider Dividendentitel.

Europa
Mutige wurden belohnt

Der auf Asien spezialisierte Schweizer Handels­konzern DKSH Holding und der Kabelnetzbetreiber Ziggo nutzen das günstige Zeitfenster im ersten Quartal. DSKH profitiert von der Expansion west­licher Firmen nach Asien. Ziggo bietet eine solide Dividendenrendite von 4,4 Prozent. Beide Aktien liefen nach dem IPO gut. Telefónica Deutschland bietet 7,7 Prozent, ist aber sehr teuer (40er-KGV).

USA
Bester IPO-Markt 2012

Dividendenrenditen von bis zu 19 Prozent haben Master Limited Partnerships wie den Raffinerie- und Tankstellenbetreiber Northern Tier Energy zum Renner gemacht. Bei dieser steuerbegünstigten Gesellschaftsform wird der Großteil des Gewinns als Dividende ausgeschüttet. ServiceNow und Workday waren die Top-Börsengänge bei Technologiefirmen.

Bildquellen: istock/pearleye, istock/Yong Hian Lim
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