aktualisiert: 04.09.2012 15:53

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€uro am Sonntag

BÖRSENSTRATEGIEN

Stop-Loss: Nervenschonend zu mehr Rendite



Stop-Loss-Strategie: Der Nervenschoner
Verluste begrenzen, Gewinne laufen lassen: Den meisten Anlegern gelingt das nur in der Theorie. Abhilfe schafft die Stop-Loss-Strategie. Sie beschränkt das Jahresminus.

von Tobias Aigner, Euro am Sonntag

Muss Griechenland die Eurozone verlassen? Flaut das Wachstum in China ab? Deutet der fallende Ifo-Geschäftsklimaindex eine Rezession in Deutschland an? Alles bange Fragen. Über den Börsen hängen dunkle Wolken, die Angst vor Kurseinbrüchen ist zurück. Auch die Analysten formulieren ihre Berichte wieder mit mehr Skepsis. „Die Nachrichtenlage deutet klar darauf hin, dass das globale Wachstum in den nächsten Monaten in Gefahr ist“, schrei­ben die Experten der französischen Großbank Société Générale.

Anleger kann das nervös machen. Muss es aber nicht. Es gibt eine Börsenstrategie, mit der sie trotz solcher Hiobsbotschaften ruhig schlafen können — und die obendrein eine ordentliche Rendite abwirft. Sie heißt Stop-Loss. Die Idee ist einfach: Der Investor steckt sein Geld in den DAX, indem er einen börsengehandelten Indexfonds (ETF) kauft. Zugleich setzt er Jahr für Jahr eine maximale Verlustgrenze von zehn Prozent fest — mithilfe eines Stoppkurses (siehe unten). €uro am Sonntag hat die simple Formel gegen ein pures DAX-Investment antreten lassen, über einen Zeitraum von fast 24 Jahren. Im Schnitt schlägt sie das Börsenbarometer jährlich um 1,8 Prozentpunkte.

Anlage ohne Achterbahnfahrt
Der Renditevorsprung mag gering erscheinen — allerdings nur auf den ersten Blick. Über die 24 Testjahre summierte er sich zu einer stattlichen Summe. Stop-Loss machte aus einem Einsatz von 10.000 Euro rund 72.000 Euro. Mit einem dauerhaften DAX-Investment hätten Anleger heute nur 48.000 Euro auf dem Konto — vor Steuern und Gebühren gerechnet.

Zugegeben, ein Aufreger ist die Strategie nicht. Mit den üppigen Renditen der Gebert-, der Sell-in-Summer- oder der Top-Flop-Methode, die €uro am Sonntag in dieser Serie schon vorgestellt hat, kann Stop-Loss nicht mithalten. Dafür besticht die Formel mit anderen Qualitäten. Mit ihrem geringen Risiko zum Beispiel. Schwarze Börsenjahre wie 2002 und 2008, in denen der DAX um mehr als 40 Prozent einbrach, beendete Stop-Loss stoisch mit einem verkraftbaren Maximalverlust von zehn Prozent. Generell schwankte der Depotwert mit der Strategie weit weniger als der Index. Schweißtreibende Kursachterbahnfahrten muss der Anleger also nicht mitmachen.

Das zweite Plus ist der extrem geringe Aufwand. In den vergangenen zehn Jahren handelte der Anleger nur neunmal ein Wertpapier (siehe Grafik unten). Dabei wurden die vier Verkaufsorders auch noch automatisch durch den Stoppkurs ausgelöst. Bequemer geht’s kaum. Dass damit auch die Transaktionskosten in Schach gehalten werden, ist mehr als ein angenehmer Nebeneffekt.

Nicht fehlerfrei, aber beruhigend
Voll daneben liegen Anleger mit Stop-Loss nur, wenn die Börse zu Jahresanfang abstürzt und danach in den Haussemodus umschaltet wie 2003 und 2009. Der DAX kletterte jeweils zweistellig, aber die Strategie wurde zuvor ausgestoppt und verbuchte ein Jahresminus von zehn Prozent. Davon sollten sich Anleger aber nicht ins Bockshorn jagen lassen. Keine Strategie ist fehlerfrei. Und kaum eine ist als Nervenschoner so effektiv wie Stop-Loss.
Zwei Grafiken zur Stop-Loss-Strategie (pdf)

Stop-Loss Gewinne mit
ruhiger Hand

Gut, dass es den Forschungszweig der Behavioral Finance gibt. Die Börsenpsychologie erklärt dem Anleger, warum er beim Investieren häufig scheitert. Ein Grund: Ein Verlust schmerzt ihn mehr, als ihn ein gleich großer Gewinn erfreut. Deshalb neigen Anleger dazu, Kursverluste auszusitzen — oft mit verheerenden finanziellen Folgen. Wer sich angesprochen fühlt, für den gibt es eine Alternative: die Stop-Loss-Strategie. Bei ihr kauft der Anleger zu Jahresbeginn einen DAX-ETF und setzt sofort einen Stoppkurs zehn Prozent unter dem Einstandsniveau. Dann handelt er zwölf Monate lang nicht. Wenn das Papier in dieser Zeit ausgestoppt wurde, wiederholt der Investor die Kauf-Stoppkurs-Prozedur zu Beginn des Folge­jahres. Wenn nicht, dann zieht er lediglich den Stoppkurs nach – auf zehn Prozent unter dem neuen Kurswert. Der Anleger muss sich also nur einmal im Jahr um das Investment kümmern. Diese einfach umzusetzende Strategie hat den DAX seit 1989 geschlagen. Im Schnitt warf sie jährlich 8,6 Prozent Rendite ab, der Index nur 6,8 Prozent. Auch wenn die geringen Transaktionsgebühren einen Teil dieses Vorsprungs wieder auffressen: Stop-Loss ist eine extrem komfortable Strategie, die überdies das Verlustrisiko stark mindert. Sie eignet sich für Börsenneulinge ebenso wie für erfahrene Anleger, die damit nur einen Teil ihres Depots bestücken. Stop-Loss: Gewinne mit ruhiger Hand (pdf)

Bildquellen: artur gabrysiak / Shutterstock.com

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Kommentare zu diesem Artikel

Motzer schrieb:
18.01.2013 10:34:53

Stop-Loss ist auch nicht das Gelbe vom Ei. Bei jedem Stop-Loss-Verkauf verliert man Geld: Ordergebühren und Kursverlust. Oft erholt sich der Kurs danach wieder. Die Online-Broker freuen sich. Die Alternative ist, BEWUSST zu verkaufen, wenn eine Aktie ein hoffnungsloser Fall ist.

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