aktualisiert: 13.08.2012 14:27
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Wachstum oder Value? Gut gemischt ist halb gewonnen

Börsenstrategien: Wachstum oder Value? Gut gemischt ist halb gewonnen | Nachricht | finanzen.net
Börsenstrategien
An der Börse tobt ein ewiger Glaubenskrieg um den überlegenen Anlagestil. Der Test für den DAX zeigt: Der Clou ist eine kombinierte Value-Growth-Formel.
von Tobias Aigner, Euro am Sonntag

Der dümmste Grund, eine Aktie zu kaufen, ist, weil sie steigt.“ Der Spruch stammt von Warren Buffett und er zeigt, wie der Superinvestor aus Omaha denkt. Er hält nichts von Anlegern, die nur dem Trend hinterherlaufen. Unterbewertete Aktien kaufen, lautet seine Devise. Fachleute nennen das Value-Anlagestil. Buffett hat die Investmentmethode berühmt gemacht.

Der Gegenpol zum Investieren nach Substanzwert heißt Growth. Dabei setzen Anleger auf Unternehmen, die schnell wachsen. Die Bewertung spielt eine untergeordnete Rolle. Wenn Umsätze und Gewinne steigen, klettert auch der Kurs, so das Kalkül. Vereinfacht gesagt, kauft ein Growth-Investor eine Aktie, die einen Euro wert ist, für einen Euro und hofft darauf, dass er sie für zwei Euro wieder abstoßen kann. Dagegen ordert ein Value-Anhänger eine Aktie,die einen Euro wert ist, für 50 Cent — und spekuliert darauf, dass er sie später für einen Euro wieder loswird.

Streit der Börsengeister
Wachstums- und Value-Strategien lassen sich auch auf den DAX anwenden. €uro am Sonntag hat zwei Methoden untersucht: eine reine Growth-Formel und einen gemischten Value-Growth-Ansatz. Der Testzeitraum umfasst die Jahre von 1989 bis Mitte 2012. Das beeindruckende Resultat: Beide Strategien warfen im Mittel eine Jahresrendite von rund zehn Prozent ab, während der DAX nur knapp sieben Prozent draufsattelte. Beim Risikocheck konnte aber nur Value-Growth überzeugen.

Fest steht: Wie alle Strategien haben auch Value- und Growth-Ansätze ihre Schwächeperioden. „Value funktioniert nicht, wenn ein Börsenboom heiß läuft“, sagt der Vermögensverwalter Hendrik Leber. Dann stürzen sich die Investoren auf Aktien, die in Medien, Foren und von Analysten als Überflieger gehandelt werden. Auf die Bewertung achten die Anleger kaum noch — es ist die Zeit der Growth-Titel.

Umgekehrt laufen Value-Aktien oft zu Höchstform auf, wenn die Börse nach einem Tief langsam wieder anzieht. Die Börsianer sind vor- sichtig und vertrauen nur Titeln, die niedrig bewertet sind.

Welche Anlageidee letztlich höhere Gewinne abwirft, darüber werden die Börsengeister weiter streiten. Der Finanzkonzern MSCI hat für beide Investmentstile einen weltweiten Aktienindex aufgelegt. Langfristig schneidet der MSCI World Value zwar besser ab, aber zwischenzeitlich hat auch der MSCI World Growth immer wieder die Nase vorn. Die zwei Ansätze zu mischen, scheint also keine schlechte Idee zu sein.

Growth
Heißer Ritt

Ihr Name ist Programm: Bei der Growth-Strategie setzen Anleger auf Wachstumsaktien. Dazu filtern sie jeweils am 1. Januar jene fünf Unternehmen aus dem DAX, die im zuletzt veröffentlichten Geschäftsbericht das höchste Umsatzplus ausweisen. So wanderten 2012 Konzerne wie BASF, Daimler und Lufthansa ins Depot.
Seit 1989 hat die Methode den DAX deutlich geschlagen: Rund zehn Prozent Rendite warf sie im Jahr durchschnittlich ab. Das heißt, sie hat den Einsatz im Testzeitraum etwa verzehnfacht.

Zum Vergleich: Wer seit 1989 durchweg im DAX investiert war, hat sein Kapital bis heute nicht mal verfünffacht. Gravierende Punktabzüge erhält die Growth-Strategie allerdings im Risikotest. Weil der Depotwert stärker schwankt als der DAX, müssen Anleger gute Nerven haben, wenn sie Growth langfristig treu bleiben wollen. Das offenbart auch der „Krisencheck“. Seit Ausbruch der Finanzkrise hat die Formel fast doppelt so viel Kapital vernichtet wie der DAX. Und während der Internetbaissse nach der Jahrtausendwende konnte sie die Verluste des Index nur leicht abfedern. Wirksamer Vermögensschutz sieht anders aus. So bleibt am Ende nur ein durchwachsenes Ergebnis – und die Einsicht, dass Growth ein ziemlich heißer Ritt ist.
Growth-Depot im Jahr 2012 (pdf)

Value-Growth
Kühler Kopf

Diese Strategie schlägt die Brücke zwischen Value- und Growth-Anhängern. Der Anleger nimmt im jährlichen Turnus je drei Substanz- und drei Wachstumswerte ins Depot. Die Wachstumstitel erhält er, indem er wie bei der Growth-Methode die fünf Unternehmen mit dem höchsten Umsatzplus aus dem DAX aussiebt. Davon kauft er aber nur die drei Aktien mit dem höchsten Gewinnwachstum. Anfang des Jahres waren das BASF, Daimler sowie K + S.
Bei der Value-Auswahl sucht er zunächst die fünf Aktien mit dem niedrigsten Kurs-Gewinn-Verhältnis aus dem DAX, kauft davon aber nur die drei mit der höchsten Dividendenrendite. So landeten im Januar 2012 Eon, Lufthansa und RWE im Portfolio. Das Hantieren mit vier Kennzahlen bei der Aktienauswahl ist nicht jedermanns Sache. Der Aufwand bleibt aber überschaubar. Zumal die Aktiendaten auf www.finanzen.net zur Verfügung stehen. Beim Ertrag überzeugt die Strategie ohnehin.

Im Mittel warf Value-Growth seit 1989 rund zehn Prozent Gewinn pro Jahr ab – genauso viel wie die reine Growth-Methode. Der entscheidende Unterschied: Mit Kursturbulenzen kommt die Mischstrategie besser zurecht. Sie glättet die Wogen des Index. So konnte Value-Growth zum Beispiel die Verluste in der Dotcom-Baisse deutlich dämpfen. Das aktuelle Staatsschuldenschlamassel macht allerdings auch dieser Strategie zu schaffen. Mit einem Verlust von 29 Prozent seit Anfang 2008 läuft sie dem DAX hinterher. Dennoch spricht das Rendite-Risiko-Verhältnis eine deutliche Sprache:
Value-Growth ist empfehlenswert. Wenn die Strategie wie in der Finanzkrise schwächelt, sollten Anleger einen kühlen Kopf bewahren und standhaft bleiben.
Value-Growth-Depot im Jahr 2012 (pdf)

Bildquellen: Boerse Stuttgart AG
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