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24.07.2009 18:15

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Böser Bube im Anmarsch (EuramS)


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Hitze oder Unwetter könnte El Niño auch über zentrale Erzeugerländer von Rohkakao bringen. So beträfe eine von dem Wetterphänomen ausgelöste Trockenheit in Südostasien rund ein Sechstel der weltweiten Kakaoernte, die normalerweise in Indonesien und Malaysia eingefahren wird. Die belgische Fortis Bank fürchtet denn auch, dass die Weltproduktion 2009/2010 um 400 000 Tonnen beziehungsweise 13 Prozent einbrechen könnte. Selbst bei einem relativ moderaten Ausgang erwartet Fortis noch einen Rückgang von rund fünf Prozent. Zusammen mit den derzeit niedrigen Lagerbeständen würde El Niño zu einer "sehr risikoreichen Situation" in der Versorgung, sprich zu steigenden Preisen führen.

Noch heftiger wären die Auswirkungen beim wichtigen Fettlieferanten und Seifenrohstoff Palmöl. Indonesien und Malaysia stellen 85 Prozent der Weltproduktion. Bei der letzten Trockenperiode 2003/2004 sind die Preise "um fast 100 Prozent gestiegen", obwohl das Angebot um sechs Prozent angewachsen war, berichtet die malaysische Bank RHB. Bis die Heftigkeit des diesjährigen El Niños einschätzbar wird, wollen die Experten an ihren Preiszielen zunächst festhalten.

Der Zuckerpreis ist bereits seit Monaten auf dem Vormarsch. Seit Anfang des Jahres sind die Notierungen um 40 Prozent auf rund 17 US-Cent je Pfund gestiegen – vor allem wegen Ernterückgängen in Indien. El Niño dürfte diesen Trend verstärken. Schließlich hätte er auch die Kraft, die weltweite Fleischversorgung negativ zu beeinträchtigen, wenn er dem Osten Südamerikas Trockenheit beschert und damit Weideflächen ausdörrt. Brasilien ist einer der größten Rind- und Geflügelfleischproduzenten der Welt.

Anders als bei spontan auftretenden Wetterkapriolen haben die El-Niño-Prognosen der vergangenen Jahre allerdings geholfen, "landwirtschaftliche Schäden in Milliardenhöhe zu vermeiden", wie der Klimaforscher Stefan Rahmstorf sagt. "Bevor es die Prognosen gab, sind die Preise für Kokosöl nach El Niño massiv in die Höhe geschnellt. Mittlerweile können die Menschen sich bevorraten", ergänzt Meeresexperte Latif. Eine andere Variante sei, bei erwarteter Trockenheit Saatgut einzusetzen, das mit weniger Niederschlägen auskommt.

El Niño hat auch positive Effekte. Er sorgt im Golf von Mexiko für sogenannte Scherwinde, die der Entstehung jener gefährlichen Wirbelstürme entgegenwirken, die manchen Herbst in der Karibik und Florida eine Spur der Verwüstung hinterlassen. "Diese Winde reißen die Hurrikans förmlich auseinander", erklärt Latif. Damit drohen keine durch Hurrikane bedingten Preissprünge bei Öl und Gas, wie sie aus den vergangenen Jahren bekannt sind. Und auch die Orangenernte in Florida dürfte unbehelligt bleiben.

Doch selbst wenn der böse Bube weniger stark wütet, ist sein Potenzial, in den kommenden Wochen die Kurse von Getreide, Futtermitteln, Ölen und anderen Agrarprodukten zu beeinflussen, nicht zu unterschätzen. "Die Sorgen vor negativen Auswirkungen El Niños allein könnte reichen, die Anleger auf die Käuferseite zu ziehen", sagt Commerzbank-Analyst Weinberg. Langfristig ist angesichts wachsender Weltbevölkerung mit weiteren Teuerungstendenzen bei vielen Nahrungsmitteln zu rechnen.

"Auch wenn wir aktuell einen konjunkturell bedingten kurzzeitigen Dämpfer haben, wird die Nachfrage global zunehmen", erwartet Florian Schirmer von der Berenberg Bank. "Auch ohne El Niño befinden sich die Agrarrohstoffe derzeit auf einem für Anleger insgesamt aussichtsreichen Preisniveau."

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