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09.02.2012 06:32

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BOOM OHNE ENDE

Audi, BMW und Mercedes bleiben in China gefragt

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Boom und kein Ende: Deutsche Premiumautos bleiben in China wohl auch 2012 gefragt wie eh und je. Branchenexperten ihre Prognosen nach oben schrauben ihre Prognosen nach oben.

Damit reagiert man auf die starken Verkaufszahlen für den Jahresauftakt, die BMW und Audi im Reich der Mitte vorgelegt hatten. "Im Gegensatz zu unseren vorherigen Erwartungen sieht es mittlerweile so aus, als würde das Wachstum auch 2012 weitergehen", schreibt beispielsweise Sanford-Bernstein Analyst Max Warburton in einer Analyse für seine Kunden. Hatte der Branchenexperte noch im November einen Rückgang des Premiummarktes in der Volksrepublik um ein Fünftel prognostiziert, rechnet er nun mit einem Plus von 10 Prozent.

   Die starken Januar-Zahlen und Gespräche mit Branchenvertretern hätten die bisherigen Vorhersagen als zu pessimistisch erscheinen lassen, begründete Warburton seine neue Schätzung. Kurzfristig also gute Aussichten für Audi, BMW und Mercedes-Benz, die zusammen mehr als drei Viertel des gesamten chinesischen Premiummarktes beherrschen. Vielleicht sogar bessere Aussichten als erwartet - weiterhin scheinen deutlich zweistellige Wachstumsraten möglich zu sein: "Ich erwarte für die deutschen Premiumhersteller im Gesamtjahr 2012 Zuwächse von 15 Prozent bis 20 Prozent", rechnete Credit-Suisse-Analyst Arndt Ellinghorst vor. "Dabei sollte BMW an stärksten wachsen, danach kommt Audi und dann Mercedes-Benz".

   Zum Jahresauftakt war von einer Abschwächung tatsächlich ganz und gar nichts zu spüren, Premiumautos gehen in China weiter weg wie warme Semmeln. Audi und BMW, die beiden Marktführer im Premiumsegment in China, steigerten die Verkäufe im Reich der Mitte im Januar deutlich. Der Münchener Branchenprimus legte um gut 30 Prozent zu, die Volkswagen-Tochter um rund ein Viertel. Aus der Reihe fiel lediglich die Daimler-Tochter Mercedes-Benz, die einen Rückgang der Verkäufe um 7 Prozent verkraften musste. Dieser war nach Unternehmensangaben allerdings vor allem darauf zurückzuführen, dass einige Baureihen durch den Ausbau des gemeinsamen Werkes mit BAIC in Peking nur eingeschränkt verfügbar waren.

   Branchenkenner sind von den vorgelegten Absatzzahlen überzeugt: Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler ist vor allem von den anhaltend hohen Wachstumsraten begeistert. Bereits in den vergangenen beiden Jahren boomte die Nachfrage nach Luxuskarossen in China wie in keinem anderen Land der Welt: 2010 wuchs der Markt für Oberklassewagen nach Berechnungen von Sanford Bernstein um rund drei Viertel, im vergangenen Jahr um mehr als ein Drittel. Die hohe Basis macht die Vergleichswerte zunehmend schwieriger zu toppen.

   Der chinesische Markt hat für die Gesamtentwicklung der Premiumhersteller eine zunehmend wichtigere Bedeutung: Marktführer Audi verkaufte in der Volksrepublik im vergangenen Jahr gut 313.000 Autos, knapp ein Viertel des weltweiten Gesamtabsatzes. Fällt also das Ergebnis in China positiver aus als gedacht, deutet auch weltweit einiges auf stärkeres Wachstum hin. Zumal sich die Premiumhersteller mit ihren Absatzprognosen angesichts des widrigen Wirtschaftsumfelds bisher doch sehr zurückhielten.

   Doch damit nicht genug: Da die Chinesen vor allem nach großen und hochwertig ausgestatteten Wagen gieren, spielt der Markt auch im Hinblick auf die Profitabilität eine gewichtige Rolle für die Branche. Nach Berechnungen von Bernstein-Analyst Warburton erwirtschaftet beispielsweise BMW mehr als 40 Prozent seines operativen Gewinns in China. Sollte es auf dem chinesischen Markt für die Premiumhersteller weiter steil bergauf gehen, könnten sich die Konzerne auf zu neuen Profitabilitätsufern machen, meint Warburton. Nicht wenige Branchenexperten gehen bisher davon aus, dass die aktuellen Margenrekorde in diesem Jahr nicht gehalten werden können.

   Prognosen für den chinesischen Markt sind laut Analyst Max Warburton schwierig. Denn nicht nur die wirtschaftlich Fundamentaldaten ändern sich abrupt, sondern auch politische Entscheidungen. So beispielsweise im Dezember: Kurzerhand strich die chinesische Agentur für Wirtschaftsplanung NDRC ausländischen Automobilherstellern Subventionsmöglichkeiten. Die Unternehmen mussten die bittere Pille schlucken und die neuen Gegebenheiten mit nur sehr geringer Eingewöhnungszeit hinnehmen.

   Auch die befürchtete Abschwächung der chinesischen Wirtschaft sorgte für Sorgenfalten. Die Automobilbranche ist anfällig für solche Schwankungen, da Kunden in wirtschaftlich schwierigen Zeiten größere Investitionen - wie eben jene für teure Autos - auf die lange Bank schieben.

   China hat momentan mit zahlreichen Problemen zu kämpfen: Der Immobilienmarkt wird angesichts der Gefahr einer spekulativen Blase durch staatliche Interventionen abgekühlt und die Geldpolitik ist straff. Beides bremst die Konjunktur. Außerdem lässt die Investitionsnachfrage nach und die hohe Verschuldung der Kommunen könnte nach Einschätzung von Volkswirten für eine Kreditklemme sorgen. Auch die Schuldenkrise in Europa geht nicht spurlos an den Unternehmen im Reich der Mitte vorüber, schließlich sind die Firmen stark exportorientiert und der alte Kontinent einer der wichtigsten Abnehmer der Waren.

   Jüngst setzte sich unter Konjunkturexperten aber die Meinung durch, dass es wohl keine "harte Landung" für die Volksrepublik geben wird. "China steht dieses Jahr zweifelsohne vor einer Reihe wirtschaftlicher Herausforderungen", heißt das Fazit der neuesten Studie der Commerzbank-Volkswirte. Trotzdem rechne man nicht mit einem Einbruch, sondern mit einem Wirtschaftswachstum von 7,5 Prozent. "Die mittlerweile deutlich geringere Inflation gibt der Notenbank die Möglichkeit, die geldpolitischen Zügel wieder zu lockern. Auch finanzpolitisch bestehen noch Spielräume für stimulierende Maßnahmen", meinen die Experten.

   Langfristig werden die Perspektiven von Branchenexperten in China sowieso als hervorragend eingestuft. Das hat vielerlei Gründe: Die Bevölkerungsentwicklung ist deutlich positiver als in Europa, die verfügbaren Einkommen legen kontinuierlich zu und die Durchdringung ist noch weit von der von gesättigten Märkten entfernt. Und obwohl die Wachstumsraten in den vergangenen Jahren enorm waren, entspricht das Premiumsegment mit einem einstelligen Prozentsatz immer noch einer Nische in dem Land, in dem das Auto als Statussymbol noch eine viel wichtigere Rolle spielt als anderswo.

   Kein Wunder also, dass die deutschen Autobauer massiv in den Ausbau der Kapazitäten in China investieren. So will beispielsweise Volkswagen in den nächsten fünf Jahren 14 Milliarden Euro in neue Werke und Produkte in China stecken und Audi ein zweites Werk hochziehen.

Von Nico Schmidt und Christoph Rauwald, FRANKFURT (Dow Jones)

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