MÜNCHEN (dpa-AFX) - Augenoptiker in Deutschland haben zunehmend mit günstigen Brillen-Anbietern im Internet zu kämpfen. Dass die rund 41 Millionen Brillenträger künftig nur noch im Netz nach Sehhilfen suchen, glauben die Hersteller allerdings nicht. "Die Bindung zwischen Kunde und Optiker ist bei uns deutlich stärker als im Schuhfachhandel oder Sportfachhandel", sagte der Vorsitzende des Industrieverbands Spectaris, Josef May, der Nachrichtenagentur dpa zum Start der Fachmesse Opti am Freitag in München. Trotzdem dürfe man die Chancen des Internet für Brillen-Anbieter wie "misterspex.de" oder "netzoptiker.de" nicht unterschätzen.
Ein weiterer Konkurrent sind billige Lesebrillen aus dem Supermarkt. Doch auch hier sieht May nur geringe Einflüsse auf das klassische Optiker-Geschäft. "Lesebrillen von der Stange sind halt Produkte von der Stange", sagte May. Die Fertiglesebrille schade zwar dem Image normaler Brillen. Leute, die ausschließlich Lesebrillen von der Tankstelle oder aus dem Supermarkt haben, seien aber eher selten. "Die haben normalerweise eine sauber korrigierte Brille", sagte May.
Doch nicht nur Brillenträger, auch Menschen ohne Sehschwäche greifen heutzutage aus modischen Gründen zur Brille. Der Erfolg der sogenannten Nerdbrillen hält sich laut May allerdings in Grenzen. Die auffälligen Modelle mit meist großem Rahmen hätten den Bereich der Kunststoffbrillen minimal nach vorne gebracht, aber ein "Konsumtreiber im klassischen Sinn ist es keiner". Im Gegenteil: Dieser Trend "kommt alle 15 Jahre, ist dann für ein bis zwei Jahre der große Hype und verschwindet dann wieder".
Mehr Hoffnung setzt der Verbandschef und Geschäftsführer des Brillenherstellers Silhouette Deutschland in Sportbrillen und Sonnenbrillen. "Es kommt ein deutlich stärkeres Bewusstsein", sagte May. Dass es auch Sportbrillen mit Sehstärke gibt, wisse aber immer noch kaum einer. Händlern rät May deshalb, Kunden stets nach ihren Sportaktivitäten zu fragen. "Allein das bringt Zusatzverkäufe."/dak/DP/wiz