FRANKFURT (dpa-AFX) - Der Präsident der Bundesnetzagentur Matthias Kurth bemängelt die Herangehensweise der Politik an die Energiewende. "Nicht selten wird vom gewünschten Ergebnis her gedacht statt auf der Grundlage von Fakten", sagte er der "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (Montagausgabe). Noch immer stamme rund ein Sechstel des deutschen Stroms aus der Kernkraft. "Der Härtetest für die Energiewende kommt erst, wenn auch diese Atommeiler nach und nach vom Netz gehen. Vor uns liegt eine Herkulesaufgabe, die uns noch Jahrzehnte in Anspruch nehmen wird."
Eine große Baustelle sei die Grundlast, die vor allem im Süden Deutschlands fehlen wird, sagte Kurth. Nur die im Bau befindlichen Kraftwerke in Mannheim und Karlsruhe zu Ende zu bauen, dürfte nicht reichen. Ein Kraftwerk zu bauen dauere von der Planung bis zum Betrieb sechs, sieben Jahre. Und dann dürfe nichts schiefgehen im Genehmigungsverfahren oder bei der Technik. "Wir haben genügend andere Beispiele gesehen, ich will nur an das Kraftwerk in Datteln erinnern. Ein Puffer von ein, zwei Jahren wäre also besser." Zuletzt hätten viele gejubelt, dass Deutschland einige Wochen Strom nach Frankreich geliefert hat. Aber aufs Jahr gerechnet, sei 2011 dennoch mehr Strom aus Frankreich importiert als exportiert worden, was früher umgekehrt gewesen sei. "Auch das gehört zu der manchmal leider selektiven Wahrnehmung der Energiewende."/fn/enl/wiz