HANNOVER (dpa-AFX) - Nach einem Jahr Suche hat die Deutsche Telekom einen Partner für die Geschäftskundensparte T-Systems gefunden. Der Bereich Systems Integration (SI) mit rund 15.000 IT-Spezialisten arbeitet künftig mit dem amerikanischen IT-Dienstleister Cognizant zusammen, wie die Telekom am Mittwoch in Hannover auf der CeBIT mitteilte. Mit der Kooperation will T-Systems mehr Programmierarbeiten im Niedriglohnland Indien erbringen lassen und damit seine Wettbewerbsfähigkeit steigern. Knapp 1.200 indische Mitarbeiter sollen zu Cognizant wechseln; in Deutschland will der T- Systems-Chef Reinhard Clemens die Kostenschere ansetzen.
Die Partnerschaft ist Teil der Neuausrichtung von T-Systems mit ihren 56.000 Beschäftigten. Beim Umbau schließt Clemens einen Bruch mit der Firmenkultur nicht aus. T-Systems als Ganzes müsse restrukturiert werden, um die Kosten zu senken, sagte er der dpa-AFX. "Wir werden versuchen, betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden, aber wir werden Mitarbeiter entlassen, wenn dies zwingend notwendig ist." Dem Vernehmen nach stehen mehrere tausend Arbeitsplätze auf der Kippe. Die Gewerkschaft ver.di begrüßte die Kooperation mit dem US- Konzern, mahnte aber einen Erhalt der Stellen an. "Nun gilt es, die Wachstumsperspektiven dieser Partnerschaft in sichere Arbeitsplätze umzumünzen", sagte ver.di-Bundesvorstand Lothar Schröder.
WACHSTUMSIMPULSE
T-Systems wie auch Cognizant versprechen sich von der Kooperation Wachstumsimpulse. "Wir können unsere Profitabilität deutlich steigern und stärken uns in Schlüsselbranchen", sagte Clemens. Die beiden Unternehmen ergänzten sich geografisch. So ist die Telekom in Europa stark, Cognizant in Nordamerika und einigen Ländern Asiens. Auch bei der Gewinnung neuer Kunden wollen sich die Partner helfen. Der US- Konzern verfügt bei Banken und Pharmaunternehmen über eine gute Position und T-Systems im Automobilsektor. "Die Partnerschaft hilft uns, in den bestehenden Märkten zu wachsen und eröffnet uns zusätzlich Chancen in völlig neuen Märkten", sagte Clemens. Die Umsätze bei Neukunden würden geteilt.
Telekom-Chef René Obermann hatte die Partnersuche im März vergangenen Jahres eingeläutet. Im Gespräch war auch ein Verkauf des Geschäftsbereichs an die kanadische CGI-Gruppe, dies wurde aber verworfen. Die Beschäftigten der SI programmieren und passen Software und Systeme auf die Bedürfnisse der Kunden an, darunter VW, Daimler und die WestLB. Rund zwei Drittel der Arbeiten fallen direkt bei den Kunden an, der Rest kann zu günstigen Preisen in Niedriglohnländern erbracht werden. Da die Telekom über zu wenige IT-Mitarbeiter in Indien oder Osteuropa verfügt, waren die Kosten bei T-Systems zu hoch.
Mit dem durch die Kooperation anvisierten Wettbewerbsvorteil will T-Systems das Geschäft mit Bestandskunden ausbauen. Der Anteil an deren IT-Ausgaben sei zu gering und müsse nun steigen, sagte Clemens. "Das jährliche IT- und Telekommunikations-Budget unserer 29 größten Unternehmen liegt bei 26 Milliarden Euro, davon entfallen aber nur 1,8 Milliarden Euro auf uns." Mit einem höheren Anteil könne T- Systems Wachstum sicherstellen. Der Fokus liegt dabei auf den Konzernen mit Sitz in Europa.
Bei der Neuausrichtung von T-Systems nimmt Clemens die Führung nicht aus. Um die Geschäftsabläufe zu verbessern, hat der frühere EDS-Deutschlandchef bereits das Management massiv ausgedünnt. Geplant ist zudem eine Verschlankung der Struktur, die durch die Übernahme der IT-Gesellschaften Debis und Gedas als aufgebläht gelten.
Die in Frankfurt angesiedelte T-Systems setzte im vergangenen Jahr rund 12 Milliarden Euro um; Cognizant 2,14 Milliarden US-Dollar. Ende 2007 beschäftigte das US-Unternehmen 55.000 Mitarbeiter, deren Zahl bis zum Jahresende auf bis zu 75.000 erhöht werden soll./mur/tw