aktualisiert: 28.06.2012 10:10
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Der Reiz des Risikos: Die wichtigsten CFD-Anbieter

CFD-Brokertest: Der Reiz des Risikos: Die wichtigsten CFD-Anbieter | Nachricht | finanzen.net
CFD-Brokertest
Turbulente Börsenzeiten bieten Tradern viele Chancen. Und so ziehen Differenzkontrakte (CFDs) Freunde des hohen Risikos auch in der Krise magisch an. Die wichtigsten Anbieter im Test.
€uro am Sonntag
von Stephan Bauer, Euro am Sonntag

Wie fällt der nächste Ifo-Index aus — und setzt der DAX zur Rally an? Steigt der Euro nach dem Treffen der EU-Finanzminister? Sinkt der Ölpreis im Vorfeld chinesischer Konjunkturdaten? Die Welt steckt gerade in Krisenzeiten voller spannender Fragen. Wer mutig genug ist und das nötige Kleingeld hat, kann mit gelungenen Wetten eine Menge Geld verdienen.

Das heißeste Instrument hierfür sind sogenannte Contracts for Difference (zu Deutsch Differenzkontrakte) oder kurz CFDs. Euphorie und Panik liegen bei keinem Finanzprodukt so nahe beieinander. Daytrader und harte Zocker kommen hier voll auf ihre Kosten. Vorsichtige Anleger halten besser einen gehörigen Sicherheitsabstand: Denn hohen Gewinnchancen steht das Risiko des plötzlichen Totalverlusts gegenüber.

Die kleine, aber stetig wachsende Zahl nervenstarker Daytrader handelt mit immensen Summen: Das Tradingvolumen liegt Branchenschätzungen zufolge bei einem mittleren dreistelligen Milliardenbetrag. Das liegt an der Konstruktionsweise dieser Finanzderivate: Anleger können mit geringem Einsatz sehr viel Geld bewegen, denn bei der Wahl des eingesetzten Hebels (siehe Glossar) sind Kunden mehr oder weniger frei. In der Praxis übersteigen die gewählten Hebel die gewöhnlicher Optionsscheine bei Weitem. Laut einer aktuellen Studie des Marktforschungsinstituts Investment Trends nutzen deutsche CFD-Trader im Schnitt einen Hebel von 65.

Luftballon mit Knalleffekt
Das führt dazu, dass ein Anleger, der beispielsweise 1000 Euro einsetzt, bereits Wertpapiere für 65 000 Euro kauft. Der verblüffende Luftballoneffekt erklärt sich durch die Funktionsweise: Ein Differenzkontrakt ermöglicht es Anlegern, eins zu eins an der Wertentwicklung eines bestimmten Basiswerts zu partizipieren, ohne dabei den vollen Kaufpreis entrichten zu müssen.

Ein Beispiel: Ein Trader hat auf seinem CFD-Konto 2000 Euro eingezahlt. Kauft er damit beispielsweise BASF-Aktien im Wert von 2000 Euro, handelt er analog zu einem gewöhnlichen Aktieninvestment. Der Trader kann jedoch mit dem gleichen Einsatz Aktien für 100.000 Euro kaufen — und sein Investment so um den Faktor 50 hebeln. Steigt die Aktie um drei Prozent, macht er rein rechnerisch und ohne Berücksichtigung der Kosten 150 Prozent Gewinn. Fällt das Papier aber bloß um zwei Prozent, ist sein Einsatz verloren. Im Extremfall müssen Anleger Geld nachschießen, wenn das Kapital aufgebraucht ist —was mitunter in Minuten geschieht.

Das Interesse risikofreudiger und sehr aktiver Trader am CFD-Handel ist trotz — oder gerade wegen — der turbulenten Börsenzeiten groß. Laut Daten von Investment Trends ist der deutsche CFD-Markt seit April 2011 um ein gutes Drittel gewachsen. Der Studie zufolge gibt es in Deutschland derzeit 43.000 aktive Trader, die rund 80.000 Konten besitzen.

€uro am Sonntag hat die wichtigsten Anbieter einem gründlichen Test unterzogen. Gemeinsam mit der Düsseldorfer Agentur Vierpartner nahmen wir zwölf Anbieter unter die Lupe. Insgesamt ist das Ergebnis erfreulich, zwei Drittel der Anbieter erhielten eine gute oder sehr gute Beurteilung. Allerdings haben viele Broker, die in unserem Test im Vorjahr kritisiert wurden, in diesem Jahr nicht mehr teilgenommen. Umso mehr Beachtung verdienen die Häuser, die sich auch dem aktuellen Vergleich gestellt haben.

Im Mittelpunkt der Analyse stand die Servicequalität. Hier geht es vor allem um eine dem hohen Risiko entsprechende Aufklärung der Kunden. Wichtig war uns eine hohe Qualität der Beratung. Dazu wurde ein sogenanntes Mystery-Shopping per Telefon und E-Mail durchgeführt, bei dem den Anbietern anonym auf den Zahn gefühlt wurde.

Erfreulich: Die Anbieter investieren viel in den Service. Im Vergleich zum Vorjahr haben die Broker ihre Angebote im Bereich Seminare und Webinare stark ausgebaut. Viele haben sich hier weiter professionalisiert, was angesichts der Brisanz der Materie sehr zu begrüßen ist.

Die Dienstleister haben in guten und umfangreichen Weiterbildungsangeboten offenbar eine große Chance zur Kundenakquise erkannt.
Ein besonders wichtiger Punkt — insbesondere nach der Insolvenz des Anbieters Worldspreads — ist die Sicherung der Einlagen. Das war eins der Kernkriterien in der Kategorie Kundenservice. Ergebnis: Alle Anbieter haben Einlagensicherungen, allerdings in unterschiedlicher Höhe, je nachdem, welche Regulierung greift.

In diesem Jahr wurde erstmals auch die Handelsplattform separat bewertet. Der Grund: Die Tradingpraxis soll mehr Gewicht erhalten. Wichtige Punkte waren hier klare Struktur, gute Bedienbarkeit und Vielseitigkeit, insbesondere beim Einsatz mobiler Geräte. So gab es Pluspunkte, wenn das Handelstool nicht direkt auf dem Rechner installiert werden muss, sondern via Web zu erreichen ist. Das ermöglicht den Zugang von anderen Rechnern oder via Smartphone.

Wichtig waren uns überdies deutliche Hinweise auf mögliche Nachschüsse, falls bei schlecht laufenden Geschäften die Einlage nicht ausreichen sollte. Die Ergebnisse des Tests fielen in diesem Bereich insgesamt positiv aus. Nur bei einzelnen Anbietern, etwa bei Brokerjet, besteht die Gefahr, mehr zu verlieren, als man eingesetzt hat.

Auf Mindesteinlage achten
Die Höhe der Mindesteinlage war wichtiger Bestandteil des Testblocks „Kosten“. Die ganz großen Ausreißer aus dem Vorjahr, die teils fünfstellige Beträge von Kunden einforderten, gibt es nicht mehr. Die Unterschiede sind aber immer noch groß, die Mindesteinlagen reichen von null bis zu stolzen 5000 Euro. Hohe Mindesteinlagen bergen die Gefahr, dass Anleger ein höheres Risiko eingehen als eigentlich erwünscht.

Im Bereich Kosten mussten wir uns aufgrund der speziellen Marktgegebenheiten auf objektiv vergleichbare Kriterien beschränken. Das Problem: Die tatsächlichen Kosten des CFD-Handels werden maßgeblich durch die in den einzelnen Kontrakten anfallenden Spreads, also den Differenzen von An- und Verkaufskursen, bestimmt. Die Krux an der Sache: Die Spreads sind bei Wetten auf verschiedene Basiswerte unterschiedlich hoch und können auch im Zeitverlauf stark variieren. Ein objektiver Kostenvergleich ist somit kaum möglich.

Der Gesamtsieger heißt wie schon im Vorjahr FXFlat. Die Ratinger haben zudem das zweitbeste Preis-Leistungs-Verhältnis im Test und sind damit rundherum empfehlenswert. Preis-Leistungs-Sieger ist Veteran IG Markets. Die britischen Pioniere im Markt nehmen in der Gesamtwertung den zweiten Platz ein. Die Luxemburger WH Selfinvest erreichte als Dritte eine sehr gute Gesamtwertung, auch aufgrund ihres sehr guten Kundenservices.
CFD-Broker-Test: Gesamtsieger und Kundenservice (pdf)
CFD-Broker-Test: Vier weitere Disziplinen (pdf)

Grundlegendes

Wie sicher ist mein Geld bei einem CFD-Broker?
Kunden eines CFD-Brokers haben ein Margin- oder Verrechnungskonto, mit dessen Guthaben sie die Differenzkontrakte schließen. Geht ein deutscher Broker pleite, sind Beträge auf diesem Konto wie Einlagen auf einem Girokonto über die staatliche Entschädigungseinrichtung deutscher Banken (EdB) bis zu 100.000 Euro pro Kunde abgesichert. Ob ein Broker unter das Regime der EdB fällt, lässt sich über die „Liste der zugewiesenen Institute“ auf der Internetseite der EdB (edb-banken.de) nachprüfen. Einige Broker, zum Beispiel Flatex, arbeiten mit Banken zusammen. Im Fall von Flatex ist das die biw Bank. Ob und mit welcher Bank ein Broker kooperiert, müssen die Institute auf ihren Internetseiten angeben.

Über die gesetzliche Einlagensicherung des EdB hinaus gibt es den Einlagensicherungsfonds des Bundesverbands deutscher Banken (BdB). Er soll Beträge jenseits der 100.000-Euro-Grenze schützen. Pro Kunde sind hier Beträge in Höhe von maximal 30 Prozent des Eigenkapitals der jeweiligen Bank, aktuell mindestens aber 1,5 Millionen Euro abgesichert. S Broker ist als Mitglied des Sparkassenverbands Teil der Institutssicherung. Das bedeutet, dass der Verbund ein kriselndes Institut in jedem Fall stützen wird.

Broker, die in Großbritannien beheimatet sind, ­unterliegen der Aufsicht der dortigen Finanzdienstleisteraufsicht FSA. Sie garantiert pro Kunde 50.000 Pfund, das sind rund 62.000 Euro.
Das Geld, das in den Kontrakten steckt, ist von ­einer Pleite nicht betroffen. Die CFDs gehören dem Anleger, die Bank kann nicht über sie verfügen.

Bildquellen: Boerse Stuttgart AG
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