von Klaus Schachinger, €uro am Sonntag
Während die ungelösten Probleme der Staatsverschuldung die Börsen weiter belasten, können sich die Aktien einiger Technologiefirmen dem Druck entziehen. So hat das Papier des größten deutschen Softwarekonzerns, SAP, nach starken vorläufigen Quartalszahlen den DAX trotz der beeindruckend schnellen Erholung seit Mitte September überflügelt.
Stärker als der DAX präsentierten sich hierzulande außer SAP jedoch nur wenige Techaktien. Dazu gehören etwa Adva Optical, ein Spezialist für Datenübertragung in Glasfasernetzen, und PSI, ein Entwickler für Energiemanagement-Software für Versorgern und Unternehmen. Kurstreiber bei PSI ist die Notwendigkeit zur Entwicklung intelligenter Stromnetze (Smart Grids).
Die Aktien von Xing profitieren dagegen von der Beliebtheit sozialer Netzwerke im Web. Die Papiere legen seit geraumer Zeit sogar deutlich stärker zu als die Anteilscheine des (deutlich höher bewerteten) US-amerikanischen Pendants LinkedIn.
Wie wenig der Kursanstieg dieser handverlesenen Börsenfavoriten im Zusammenhang mit der Entwicklung der Techwerte aus dem breiten europäischen Stoxx-600-Index steht, zeigt das Plus des Branchenindex von nur sechs Prozent. Noch schwächer bleibt der deutsche TecDAX (siehe Investor-Info). Für die deutsche Solarindustrie als Branche mit dem größten Gewicht im Index ist kein Ende der Talfahrt abzusehen. Europaweit wurden die Subventionen zusammengestrichen. Dazu gesellt sich der Preisdruck durch die Konkurrenz aus China.
Auch für den ehemaligen TecDAX-Überflieger Aixtron sind die Aussichten gedämpft. Wegen der Überkapazitäten im Markt für Leuchtdioden (LEDs) ordern Hersteller wie Osram oder Philips weniger Maschinen bei Spezialisten wie Aixtron. Die Aktie des Maschinenbauers dürfte daher vorerst nicht zu den Schnellstartern im TecDAX zählen.
Dass Industrieunternehmen allgemein zurückhaltender geworden sind, wenn sie neue Ware bestellen, zeigen die Zahlen des Halbleiterherstellers Infineon. Im vierten Quartal des Geschäftsjahres 2010/11 stagnierte der Umsatz bei gut 1,04 Milliarden Euro. Für das laufende Quartal rechnet Infineon sogar mit einem leichten Umsatzrückgang gegenüber dem Vorquartal.

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„Wir sind nicht immun gegen Konjunkturzyklen“, sagt Konzernchef Peter Bauer. Allerdings ist Infineon inzwischen solider aufgestellt als früher. Aus dem verlustträchtigen Speicherchipgeschäft hat sich der Konzern verabschiedet. Die Handy-Chipsparte wurde an Intel verkauft. Damit verfügt Infineon über gut zwei Milliarden Euro Cashreserven und kann sich sogar Dividenden leisten. Im Geschäft mit Chips für Industriekunden wie Autozulieferer fährt Marktführer Infineon höhere und vor allem stabile Margen ein.
Für Zuversicht im Technologiesektor sorgen dagegen die hohen Investitionen der Unternehmen in leistungsfähigere Software und Computersysteme. Der Walldorfer SAP-Konzern verbuchte im Lizenzgeschäft im dritten Quartal nach vorläufigen Zahlen ein Plus von knapp einem Drittel – so viel wie nie zuvor während der Monate Juli bis September, hieß es aus der Konzernzentrale.
Sämtliche Regionen haben zum Rekordwachstum von 32 Prozent auf 841 Millionen Euro Umsatz beigetragen. Weil die Firmen im bisherigen Tempo weiter investieren, bleiben die Auftragsbücher gut gefüllt. Auch für das laufende Quartal und das Gesamtjahr werden Rekordzahlen erwartet. Der Umsatzanteil der Serviceverträge von über 70 Prozent ist dank der stabilen Einnahmen auch in konjunkturellen Abschwungphasen ein guter Puffer.
Warum die sonst so zurückhaltenden Industrieunternehmen ausgerechnet bei den IT-Investitionen nicht sparen, erklärt Peter Sondergaard, Leiter Marktforschung der Gartner Group: Leistungsfähige Informationstechnologie sichert Wachstum. Zwei Drittel der Firmenchefs, die das Marktforschungsinstitut befragte, erwarten, dass IT die Geschäftsabläufe ihrer Firmen in den kommenden zehn Jahren stärker verändern wird als je zuvor. 2011 werden 350 Unternehmen jeweils mehr als eine Milliarde Dollar in den Ausbau ihrer Computersysteme investieren. „Sie tun das, weil IT die Profitabilität des Geschäfts verbessert“, sagt Sondergaard.
Für 2012 erwartet Gartner einen globalen Anstieg der IT-Ausgaben von Unternehmen um 3,9 Prozent auf 2,6 Billionen Dollar. Dank des verbesserten Umfelds ist auch dem zweitgrößten deutschen Softwarekonzern die Rückkehr auf Wachstumskurs gelungen. Mit einer neuen Vertriebsleitung für das Europa-Geschäft erzielte die Darmstädter Software AG beim Verkauf neuer Lizenzen überraschend sieben Prozent Wachstum. Im Vorquartal war das Geschäft des Entwicklers von Programmen zur Integrationen von Softwareprodukten noch rückläufig gewesen.
Drei große Trends werden die IT-Struktur in den Unternehmen grundlegend verändern: Cloud Computing, die starke Präsenz sozialer Netzwerke wie Facebook sowie die Nutzung von Smartphones und Tablet-Computern. Durch Dienste wie Facebook und die Beliebtheit von iPhone, iPad & Co nimmt der Datenverkehr im Web unabhängig von der Konjunktur exponentiell zu. Brian Protiva, Chef des Übertragungstechnik-Spezialisten Adva Optical, stellt für 2012 ein „zweistelliges Umsatzwachstum“ in Aussicht. Mit Cloud Computing, dem Auslagern von Rechenleistung und Software, sollen Firmenrechenzentren mit Blick auf die schnell steigende Datenflut effizienter werden. Die Aufträge zum Umbau der Rechenzentren gehen an IT-Berater wie Cap Gemini oder Atos S.A.
Dank langfristiger Wartungsverträge haben sie ähnlich stabile Geschäftsmodelle wie SAP und die Software AG. Einiges spricht also dafür, dass Aktien von Software- und IT-Beratungskonzernen auch weiterhin überdurchschnittlich gut abschneiden werden.
Investor-Info
SAP
Rekordjahr programmiert
SAP traut sich 2011 einen währungsbereinigten Anstieg der Software- und Serviceerlöse um zwölf bis 14 Prozent (2010: 9,87 Milliarden Euro) zu. Zudem verspricht das Führungsduo Bill McDermott und Jim Hagemann höhere Profitabilität. Die operative Rendite soll auf 32,5 bis 33 Prozent klettern. Mittelfristiges Ziel sind 35 Prozent.
XING
Starkes Gewinnwachstum
Das deutsche Karrierenetzwerk Xing wird nach Einschätzung der Commerzbank weiter erfolgreich auf der Social-Web-Welle surfen. Die Analysten trauen der Firma bis 2014 beim Nettogewinn ein durchschnittliches Wachstum von 30 Prozent jährlich zu. Das 2012er-KGV von 24,3 ist daher nicht zu hoch. Im Vergleich zum US-Konkurrenten LinkedIn (KGV 180) ist Xing sogar günstig.
Sieben Chancen
Robuste Tech-Champions
Baupläne für Prozessoren mit geringem Energieverbrauch in mobilen Geräten sichern dem britischen Chipdesigner ARM zweistelliges Gewinnwachstum. Ein Konkurrent ist nicht in Sicht. Auch Chipmaschinenbauer ASML hat eine starke Marktposition, hohe Margen und ausreichend Cash. Mit der Technologie der Niederländer können Intel & Co in immer kleinere Chipdimensionen vordringen.
Gespart wird an diesen Maschinen deshalb nicht. Infineon hat sich auf kundenspezifische Chips für die Industrie spezialisiert. Hohe Margen sind auch im Abschwung möglich. IT-Berater Cap Gemini glänzt mit hoher Dividendenrendite. Für den Netzwerkspezialisten Adva ist eine höhere Profitabilität weiter die größte Herausforderung.
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