25.07.2012 19:30
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Silberpreis: Wichtige „Make or break“-Marke erreicht

Chartanalyse
Keine Frage: Die Korrektur, die dem Silberpreis seit dem Hoch vom April 2011 bei knapp 50 US-Dollar widerfährt, hat es in sich. Die charttechnische Einschätzung.
€uro am Sonntag

von Jörg Scherer, Leiter Technische Analyse bei HSBC Trinkaus

Aktuell ist das Edelmetall aber wieder einen Blick wert, denn derzeit steht ein ganz wichtiger Kumulationspunkt zur Disposition. In der Technischen Analyse kommt solchen Kumulationspunkten – also Kursniveaus, in denen mehrere charttechnische Marken zusammenfallen – eine besondere Bedeutung zu. Exakt dieses Phänomen ist derzeit im Kursverlauf des Silberpreises anzutreffen. So versucht das „Gold des kleinen Mannes“ aktuell eine Stabilisierung auf Basis der essentiell wichtigen Haltezone aus dem 50 %-Fibonacci-Retracement der gesamten Aufwärtsbewegung seit 2001 (26,78 USD), mehreren alten Tiefpunkten zwischen 26,38 USD und 26,04 USD sowie der 38-Monats-Linie (akt. bei 26,28 USD).

Bei dieser Bastion handelt es sich um die klassische „make or break“-Marke, d. h. bei einem Abrutschen unter diese Zone müssen Anleger von weiteren Kursverluste ausgehen, zumal dann ein absteigendes Dreieck nach unten aufgelöst wäre (siehe Chart). Im Negativfall dürften die untergeordneten Unterstützungen in Form des Tiefs vom November 2010 und des Hochs vom Oktober 2010 bei 24,98/90 USD nur eine Durchgangsstation zu deutlich niedrigeren Notierungen darstellen. Erst die Hochs vom März 2008 und Mai 2010 bei 21,24 USD und 19,79 USD lassen sich danach wieder als ernsthafte Haltepunkte ausmachen, wobei insbesondere die zuerst genannte Marke zusätzlich durch die 61,8%-Korrektur der Aufwärtsbewegung seit Ende 2001 (21,41 USD) untermauert wird.

Silberpreis: Monthly

Der Respekt der Marktteilnehmer vor dem technischen Kumulationspunkt bei gut 26 USD spiegelt sich auch in der jüngsten Monatskerze wider. Im Juni schloss der Silberpreis nahezu auf deckungsgleichem Niveau wie das Edelmetall in den Monat gestartet war. Der so entstehende „doji“ signalisiert die gegenwärtige Unentschlossenheit der Marktteilnehmer. Wann immer im Chartverlauf ein entsprechendes Muster anzutreffen ist, empfiehlt sich eine prozyklische Vorgehensweise, was den „make or break“-Charakter der o. g. Schlüsselunterstützungen unterstreicht.

Aber auch aus Bullensicht hat die Haltezone bei gut 26 USD Charme. Erweist sich diese Demarkationslinie als tragfähig, dürfte eine technische Aufwärtsreaktion aufgrund der jüngsten CFTC-Daten – die spekulativen Silber-Shortpositionen verzeichneten zuletzt den niedrigsten Stand seit 2003 – auf fruchtbaren Boden fallen. Für eine nachhaltige Verbesserung der Perspektiven des Silberpreises ist ein Anstieg über die 200-Tages-Linie (akt. bei 31,00 USD) bzw. den Abwärtstrend seit April 2011 (akt. bei 31,80 USD) vonnöten.

Über den Autor Jörg Scherer
Der Diplom-Kaufmann und Certified Financial Technician (CFTe) ist Gewinner des 2007er-Awards der Vereinigung Technischer Analysten Deutschlands (VTAD) und der Verfasser von „HSBC Daily Trading“, einem der meistgelesenen Trading-Newsletter Deutschlands.

Bildquellen: Julian Mezger

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