aktualisiert: 24.08.2012 09:44
Bewerten
 (2)

Wie man jetzt günstig in China investiert

Die Wirtschaft im Reich der Mitte legt eine ruhigere Gangart ein
China in der Wachstumspause
Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Erde hinterlässt Bremsspuren. Experten sind sich uneinig, ob China in eine Rezession steuert. Für Anleger ergeben sich daraus Chancen.
€uro am Sonntag

von Emmeran Eder, Euro am Sonntag

Goldenes China! Bei den Olympischen Sommerspielen holte das Land nach den USA die meisten Goldmedaillen. Die Erfolge haben zwar in einigen Disziplinen wie dem Schwimmen für Zweifel an der Dopingpolitik im Reich der Mitte gesorgt. Doch für die Regierung sind die Medaillen aus London trotzdem wichtig. Denn die Euphorie über ihre Sportler lenkt die Bewohner des Riesenreichs von der schwachen Konjunktur zu Hause ab.

Im zweiten Halbjahr wuchs die Wirtschaft Chinas nur noch um 7,6 Prozent. Das ist der schlechteste Wert seit 2009. Seit den 80er- Jahren waren zweistellige Wachstumsraten die Regel. Auch sonst häufen sich schlechte Nachrichten. Der Preisverfall auf dem Immobilienmarkt dauert an. Die Neubautätigkeit ist im ersten Halbjahr 2012 um sieben Prozent zurückgegangen. Ein zu starker Einbruch würde die Baubranche, die rund 25 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) beiträgt, weiter belasten. Vielen Baufirmen droht der Konkurs.

China-Skeptiker, unter ihnen viele Hedgefondsmanager, verweisen zudem auf das Schattenbankensystem. Das nichtoffizielle Kreditvolumen beträgt nach Angaben von Merrill Lynch inzwischen ein Viertel des Volumens der regulierten Banken — darunter wohl viele faule Kredite. Gleichzeitig stiegen in der Exportindustrie die Löhne. Die Gehälter städtischer Arbeiter kletterten seit 2004 im Schnitt um 150 Prozent. „Das führt dazu, dass immer mehr Vietnamesen als Gastarbeiter in Chi- na anheuern, da Einheimische die Jobs ablehnen“, sagt Manuel Schimm, China-Analyst bei der BayernLB.

Sorgen macht Markus Steinbeis vom Vermögensverwalter Huber, Reuss & Kollegen ein Blick hinter die Kulissen. „Die offiziellen Wachstumszahlen von 7,6 Prozent täuschen. Wer sich die Mosaiksteine um das Wachstum herum ansieht, kommt zu einer anderen Einschätzung“, sagt er. Länder wie Japan, Taiwan oder Korea, deren wichtigster Handelspartner China ist, hätten mit sinkenden Ausfuhren ins Riesenreich zu kämpfen.

Der Energieverbrauch Chinas sinke zudem kräftig. Die Stromproduktion sei im zweiten Quartal nur noch um 1,2 Prozent im Vergleich zu 2011 gestiegen. Konzerne wie McDonald’s oder UPS melden ein schwächeres China-Geschäft. „Das alles deutet eher auf ein Wachstum von fünf als von 7,6 Prozent hin“, meint Steinbeis. Zudem benötige der von der Regierung propagierte Umbau von der Export- zur Konsumwirtschaft Zeit. Das dauere nicht zwei, sondern zehn Jahre.

Zahl der Pessimisten wächst
Ähnlich äußert sich Vincent Strauss, renommierter Manager des Fonds für Schwellenländeraktien Comgest Magellan: „Was die ökonomische Gemengelage sowie die Gewinnentwicklung chinesischer Firmen angeht, ist unverkennbar, dass die Maschinerie nicht rund läuft. Die bisher erfolgten Stimulierungsmaßnahmen und die Lockerung der Kreditvergabe an Firmen zeigten wenig Impulse.“ Mit ihrer skeptischen Ansicht sind die beiden Experten nicht allein. Die Zahl der Pessimisten, die mit einem Ende der hohen Wachstumsraten oder sogar einer harten Landung rechnen, nimmt zu. Ihnen gegenüber steht aber eine genauso große Zahl an Optimisten.

„Der Wachstumsrückgang ist kein Weltuntergang“, sagt China-Analyst Schimm. Probleme sieht er erst, wenn der BIP-Zuwachs auf etwa fünf Prozent sinkt. Dann entstünden keine neuen Arbeitsplätze, da das Plus nur der Produktivitätssteigerung der chinesischen Wirtschaft entspräche. Das könnte soziale Unruhen auslösen.

Auch Torsten Hähn, Schwellenländerspezialist bei der WGZ Bank, sieht nicht unbedingt schwarz. Es bestünden durchaus Risiken, vor allem wegen lockerer Kreditvergabe der Banken. Er verweist auf eine Studie des Internationalen Währungsfonds (IWF). Demnach würde im ungünstigsten Szenario von nur noch vier Prozent Wachstum und einem Rückgang der Häuserpreise um 26 Prozent die Zahl der Not leidenden Kredite auf acht Prozent des gesamten Kreditvolumens steigen. „Dies wäre zwar ein markanter Anstieg, dürfte den Staat aber wohl nicht überfordern“, so Hähn.

Gegensteuern ist möglich
Denn Chinas finanzielle Situation ist komfortabel. Das Budgetdefizit ist minimal, die öffentliche Verschuldung überschaubar. Zudem verfügt der Staat über die größten Devisenreserven der Welt. Die seit Januar von 4,6 auf 1,7 Prozent gesunkene Inflation erleichtert es chinesischen Entscheidungsträgern, einer Rezession gegenzusteuern. „Das unterscheidet China von anderen großen Industrienationen. Es kann den Werkzeugkasten der Stimulierungsmaßnahmen noch auspacken, um die Wirtschaft anzukurbeln“, sagt Hähn. Dazu zählen Zinssenkungen, Reduzierung der Mindestreservesätze und Konjunkturprogramme.

Einig sind sich alle Profis darin, dass die Zeiten zweistelligen Wachstums passé sind. Kontroversen gibt es aber darüber, ob es zur weichen Landung der Wirtschaft mit BIP-Zuwächsen von jährlich sieben bis neun Prozent kommt oder zu einer „gefühlten“ Rezession mit nur noch vier bis fünf Prozent Wachstum. Welches der beiden Szenarien auch eintritt, die Weltwirtschaft und besonders die wichtigsten Handelspartner werden es spüren — mehr oder weniger.

China führt vor allem Industrieerzeugnisse, Öl, Kohle, Gas sowie Industriemetalle ein. Japan ist größter Exporteur nach China vor der EU, Südkorea, den USA, Australien und Malaysia. Für Deutschland ist das Reich der Mitte fünftgrößter Außenhandelsmarkt. In einer Studie hat der IWF simuliert, wie sich der Rückgang der chinesischen Investitionstätigkeit um einen Prozentpunkt auf das Wachstum wichtiger Handelspartner und Rohstofflieferanten auswirkt. Staaten, deren Ökonomie wenig diversifiziert und deren Exporte auf China fokussiert sind, leiden am meisten.

Hart trifft es Südamerika. Die Ratingagentur Fitch schätzt, dass ein Wachstumsrückgang in China um einen Prozentpunkt zu einem um 1,2 Prozentpunkte geringeren Wachstum der sieben größten Rohstoffexporteure Lateinamerikas führt.

Gefahr für Australien
Die regionalen asiatischen Handelspartner, eng mit China verflochten, sind ebenfalls betroffen. Dazu zählen Japan, Taiwan, Südkorea und andere Tigerstaaten. Der ehemalige Hedgefondsmanager und Starinvestor Felix Zulauf sieht auch für Down Under schwarz, wenn Chinas Rohstoffbedarf sinkt. „Dann könnte Australiens überteuerter Immobilienmarkt kippen“, sagt er.

Anleger sollten bei ihren Aktienengagements diese hoch bewerteten Märkte meiden. Eine Konjunkturdelle in China könnte dort kräftige Korrekturen nach sich ziehen. Anders sieht es bei Anleihen aus diesen Ländern aus. Die meisten asiatischen Länder sind viel geringer verschuldet als Europa und die USA, die Ausfallwahrscheinlichkeit ist daher gering. Als Beimischung bleiben asiatische Anleihen auch bei einer harten Landung Chinas interessant.

Genau wie Chinas Aktienmarkt. Der dümpelt seit Jahren vor sich hin und erlebte in den vergangenen Monaten sogar einen kleinen Crash. Gut 20 Prozent verlor der Hang Seng China Enterprise Index (HSCEI) zwischen März und Ende Juli. Im Index finden sich die wichtigsten in Hongkong gelisteten China-Titel. Die Bewertung ist 2012 mit dem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 8,4 historisch preiswert. „Nach dem starken Kursrutsch sind viele China-Titel günstig bewertet und bieten langfristig gute Anlagechancen“, meint Schwellenländerexperte Vincent Strauss von Comgest.

Anleger sollten die chinesische Konjunkturentwicklung wegen ihrer Bedeutung für die Weltwirtschaft im Auge behalten. Wichtig werden in Zukunft neue Zahlen zum Immobilienmarkt. Auch Metallpreise sind gute Indikatoren für den ökonomischen Zustand. Jedenfalls besser als die offiziellen Wachstumszahlen. Denn an denen zweifeln professionelle Investoren ebenso wie an durchweg „sauberen“ Goldmedaillen.

Investor-Info

Bonuszertifikat
China-Aktien mit Puffer
Das Risiko der wichtigsten chinesischen Aktien, die in Hongkong gelistet sind, federn Anleger mit dem Bonuszertifikat der RBS auf den Hang-Seng-China-Enterprise-Index ab. Das Papier weist 28 Prozent Risikopuffer auf. Wird die Barriere bei 7000 Punkten nie berührt, ist ein Jahresbonusrendite von 7,2 Prozent drin. Kursgewinne sind unbegrenzt möglich.
ISIN: DE000AA5H086

Asien-Bonds
Verdienen mit Zins und Devise
Vorwiegend in asiatische Staatsanleihen investiert der Fonds Legg Mason Asian Opportunities. Firmenbonds und Devisen werden beigemischt. Chinas Yuan hat 14 Prozent Anteil. Stark vertreten sind Obligationen aus Südkorea, Singapur, Indonesien und Malaysia. Seit Auflage Mitte 2008 übertraf der Fonds mit 37 Prozent plus den Vergleichsindex klar. Ren­ditebringer sind neben den Zinsen besonders Währungsgewinne. Der Fonds notiert in US-Dollar.
ISIN: IE00B2Q1FF07

Bildquellen: rodho / Shutterstock.com
Artikel empfehlen?
Für den Live-Chat können Sie sich mit Ihrem finanzen.net-, Facebook- oder Twitter Account anmelden. Um immer die neusten Beiträge zu sehen, stellen Sie bitte "Neuesten" ein.

Private Krankenversicherung Tarifvergleich

Anzeige

Heute im Fokus

DAX schließt unbewegt -- Alibaba-Aktie bricht Rekorde bei Börsenstart - Erster Kurs bei 92,70 Dollar -- SAP-Aktie am DAX-Ende -- Aurubis verliert Chef -- Siemens, Solon, Daimler im Fokus

Android-Smartphones bekommen Verschlüsselung als Standard. Stühlerücken im Celesio-Vorstand. S&P: MaterialScience-Börsengang ohne Auswirkung auf Bayer-Rating. Apple startet Verkauf der neuen iPhones. Gericht in China spricht Glaxo schuldig und verhängt Millionenstrafe. Concur Technologies-Aktie gewinnt rund 25 Prozent. Schottland: Mehrheit stimmt gegen Unabhängigkeit.
Diese Aktien sind auf den Kauflisten der Experten

Welche US-Aktien könnten zum Jahresende hin steigen?

Die 5 beliebtesten Top-Rankings

Welches Unternehmen erzielte bislang das größte Emissions- volumen?

Welche Darsteller verdienen am meisten?

Diese Models verdienten 2014 am meisten

In welchen Ländern kostet der Big Mac wie viel?

Die Fluglinien mit den zufriedensten Passagieren

mehr Top Rankings
Milliarden IPO: Kaufen Sie sich Alibaba-Aktien oder andere Produkte auf Alibaba?