aktualisiert: 11.10.2012 19:10
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Starke Marktführer: Es muss nicht immer Apple sein

Clever investieren
In zahlreichen Nischenmärkten sind Firmen aus Europa der Konkurrenz aus Schwellenländern überlegen. Welche Aktien interessant sind, wo Anleger einsteigen.
€uro am Sonntag

von Klaus Schachinger, Euro am Sonntag

Wolfgang Leitner kann dem Analystentreffen am Mittwoch gelassen entgegensehen. Mit einer Serie von 59 Zukäufen hat der Vorstandschef den österreichischen Anlagenbauer Andritz zum breit aufgestellten Konzern ausgebaut. Ob im Anlagenbau für Wasserkraftwerksbetreiber oder für Hersteller von Papier- und Zellulose — wie in den beiden größten Sparten zählt Andritz inzwischen in allen Geschäften weltweit zu den Top 3.

Die jüngste und bisher größte Übernahme finanzierten die Österreicher sogar selbst. 600 Millionen Euro kostete der Kauf des schwäbischen Weltmarktführers bei Hightech-Pressen, Schuler. Gleichwohl nutzte der Konzernchef die Gelegenheit, über eine Anleihe weitere 200 Millionen Euro einzusammeln — von den Banken wollte Leitner schon immer unabhängig bleiben.

Die starke Bilanz des Anlagenbauers blieb auch außerhalb der Branche nicht unbemerkt. Nur wenige Tage, nachdem sich Andritz im Sommer gut 63 Prozent an Schuler gesichert hatte, schwebte im Schwäbischen der bekannte Elliot Fonds ein. Der 20 Milliarden Dollar schwere Hedgefonds des US-Milliardärs Paul Singer erwarb ebenfalls zehn Prozent an Schuler. Auf der Stelle kündigte Singers Vehikel massive Eingriffe in die Besetzung von Verwaltungs-, Leitungs- und Aufsichtsorganen der Schwaben an.

Geier suchen fette Beute
Seine radikale Art hat Singer in den USA den Spitznamen „Geier“ eingebracht. Die Strategie: bei Übernahmen einsteigen, den Preis hochtreiben, um dann die Anteile teuer zu verkaufen. Mit Blick auf Andritz’ Kassen schien Schuler fette Beute.
Leitner ließ sich vom Angriff aus den USA nicht schrecken. Keck verkündete der Andritz-Chef, dass man bei Schuler „keine 75 Prozent oder mehr“ brauche, um ans Ziel zu gelangen. Leitner signalisierte den Amerikanern damit, dass man nicht unter Zwang stehe, die verbliebenen Aktionäre teuer abzufinden.
Der Plan ging auf: Bis Anfang September hatte sich Andritz knapp 90 Prozent der Stimmrechte gesichert. Zukäufe sind schließlich Leitners Steckenpferd. Seine Devise: „Marktpositionen in Europa und Nordamerika ausbauen, um Chancen in den Wachstumsmärkten Asiens und Südamerikas zu nutzen.“ Der Mann aus der Steiermark trifft damit den Nagel auf den Kopf.

Markenriesen in der Nische
Noch sind Aufsteiger wie Andritz nur wenigen Privatanlegern bekannt. Das gilt verständlicherweise auch für ihre Produkte, die meist auf Nischen zielen. Dennoch bieten Aktien von Andritz und Co Anlegern eine ähnlich gute Chance wie die bekannten Markenriesen Apple, Henkel oder Coca-Cola: Denn Börsianer können auch mit Marktführern in der Nische vom Wachstum der Schwellenländer profitieren.

„Die Eintrittsbarrieren in diese Märkte sind hoch, die Technologien der Unternehmen sind oft wirksam durch Patente geschützt“, sagt Experte Jan Rabe von der Deutschen Bank. Rabes Team hat die weltweiten wirtschaftlichen Verschiebungen untersucht, die seit dem Jahr 2000 durch den Aufstieg der Schwellenländer entstanden sind. Das Fazit: In der Technologiebranche, bei Industriegütern und Industriedienstleistungen, bei langlebigen Gütern wie Autos und im Gesundheitssektor konnten westliche Marktführer ihre Position in Schwellenländern gegenüber der Konkurrenz vor Ort nicht nur behaupten, sondern sogar ausbauen.

So stieg zwar der Anteil der aufstrebenden Volkswirtschaften an der globalen Wirtschaftsleistung von 16 auf 33 Prozent. Der Anteil der Firmen aus diesen Ländern am globalen Profit aber blieb auch nach zwölf Jahren recht niedrig. Bei Industriegütern und Dienstleistungen, zu denen auch der Anlagenbau zählt, schöpfen Firmen aus Schwellenländern gerade mal acht Prozent der Gewinne ab. Im Technologiesektor hat sich der Gewinnanteil lediglich von 13 auf 15 Prozent erhöht.

Das Fazit: Trotz des spektakulären Aufstiegs etwa von asiatischen Elektronikriesen wie Samsung kommen die wahren Globalisierungs­gewinner aus dem Westen.
Auch erfolgreiche Zulieferer für die Unterhaltungselektronik-Indus­trie würde man wohl eher in Asien vermuten. AZ Electronic Materials etwa, Marktführer für bestimmte Chemikalien, die in der Chipfertigung verwendet werden, ist indes ein britisches Unternehmen. AZ bietet vor allem Produkte für die Herstellung von Flachbildschirmen und für die sogenannte Chiplithografie an. Das sind Verfahren, mit denen die Leiterbahnen ins Silizium von Mikrochips gebracht werden.

Die hierfür notwendigen Maschinen liefert wiederum ASML, ein Unternehmen aus den Niederlanden. Der Konzern ist mit deutlichem Abstand vor den japanischen Konkurrenten Canon und Nikon Weltmarktführer. Der Boom bei Tablets oder Smartphones hat die Geschäfte von ASML belebt. Mobile Computer brauchen schließlich immer kleinere Chips, um leichter und energiesparender zu arbeiten. Das lässt das Entwicklungstempo in der Chipbranche kontinuierlich steigen — zugunsten von ASML.

Die findigen Niederländer nutzen ihre starke Marktstellung inzwischen auch zur Kapitalbeschaffung. Im Juli zahlte Großkunde Intel für eine Beteiligung von zehn Prozent an ASML einschließlich der Option auf weitere fünf Prozent knapp vier Milliarden Euro. Bis zu 25 Prozent der Anteile will ASML insgesamt bei großen Kunden platzieren. Auch Samsung oder der taiwanesische Chipauftragsfertiger TSMC sollen Interesse haben.

Mit patentierten Chiptechnologien für Datensicherheit im schnellen Mobilfunkstandard LTE oder im Bereich mobiles Bezahlen hat sich die niederländische Gemalto eine Spitzenposition erarbeitet. Die Franzosen sind inzwischen Marktführer im Smartcard-Geschäft und sitzen ähnlich fest im Sattel wie ASML.

Erfolgreich mit Duty-free
Favorit in einer Industrie, die früh von der Globalisierung geprägt wurde, ist die Schweizer Dufry. Das Unternehmen ist Nummer 1 bei Duty-free-Shops auf Flughäfen. Im Vergleich zu den volatilen Aktien der Airlines sind die Aktien des Duty-free-Shop-Betreibers ein solides Investment, mit dem Anleger an steigenden Passagierzahlen im Flugverkehr verdienen können.

Im ersten Halbjahr hat Dufry den Umsatz allein durch Zukäufe in Lateinamerika und Russland um knapp 20 Prozent gesteigert. Operativ läuft es ebenfalls gut: Insgesamt legte der Umsatz um 28 Prozent auf knapp 1,3 Milliarden Euro zu.

Auch Andritz bleibt auf Einkaufstour. Im Visier hat Chef Leitner Ziele im dreistelligen Millionen­bereich. Der Preisdruck in der Branche sei zwar hoch, man könne das aber mit gutem Management kompensieren, ist der Firmenchef überzeugt.
Überdies lasse sich Druck an Zulieferer weitergeben, sagt Leitner. Übernahmen sind schließlich das Spezialgebiet des Chemikers, der früher als Unternehmensberater für McKinsey arbeitete.
Für den Andritz-Chef hat es sich auch privat gelohnt: Heute ist Leitner über seine Privatstiftung Custos mit 30 Prozent größter Einzelaktionär des Unternehmens.

Investor-Info

ETF
Im Paket günstig

Mit dem börsengehandelten Fonds (ISIN: LU 032 225 390 6) auf den db X-trackers MSCI Europe Small Cap Index setzen Anleger günstig auf vielversprechende europäische Nebenwerte. Darunter sind auch die Aktien von Andritz, Gemalto und MTU Aero Engines. Der ETF ist ohne Aufschlag erhältlich und kann als Sparplan mit monatlichen Zahlungen gekauft werden. Größten Anteil am Index haben ­europäische Nebenwerte aus der Industrie.

Fonds und Zertifikate
Sicherheit oder Risiko

Wer als Alternative zur Aktie des Chipmaschinenbauers ASML höhere Rendite durch mehr Risiko bevorzugt, sollte sich das Citigroup-Mini-Long-Zertifikat (ISIN: DE 000 CT0 5SC 8) mit endloser Laufzeit kaufen. Die Knock-out-Schwelle liegt bei 26,50 Euro. Wird diese erreicht, ist das Papier wertlos. Im Metzler European Growth A Fonds finden sich neben ASML weitere Aufsteiger (IE 000 292 186 8).

Bildquellen: Andy Dean Photography / Shutterstock.com
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