25.09.2012 03:00
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Aktien der Peripheriestaaten: Die Perlen der PIIGS

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Das Hilfsversprechen der EZB beflügelt die Börsen Südeuropas. Wo jetzt solide Unternehmen und attraktive Schnäppchen zum Einstieg locken.
€uro am Sonntag

von Marc Hofmann, Euro am Sonntag

Es war ein Teufelsritt: Seit Beginn der Eurokrise kannten die Börsen Südeuropas nur eine Richtung: abwärts. Aus Angst vor Staatspleiten und dem Exitus der Eurozone verkauften Investoren blindlings alles, was aus Spanien, Portugal oder Italien stammte. Von Mailand bis Madrid fielen die Börsen auf historische Tiefs. Selbst Aktien solider Konzerne, die ihre Erträge überwiegend im Ausland erzielen, wurden abgestraft. Das durchschnittliche Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) spanischer Aktien fiel zeitweise auf 7,3, bei italienischen Titeln sogar auf 5,4. Zum Vergleich: Der historische Durchschnitt des spanischen Markts liegt bei einem KGV von 14, der des italienischen bei 16.

Doch seit sich Ende Juli abzeichnete, dass die EZB die Schuldenstaaten, auch PIIGS (Abkürzung für Portugal, Irland, Italien, Griechenland Spanien) genannt, um jeden Preis retten will, hat eine rasante Erholungsrally eingesetzt. Der italienische Leitindex MIB legte um 34 Prozent zu, der spanische IBEX zog um 30 Prozent an.

Wie nachhaltig diese Euphoriewelle ist, lässt sich jedoch schwer vorhersagen. Denn bei Arbeitslosenquoten von bis zu 25 Prozent wird es noch lang dauern, bis der Börsenaufschwung auch in der Realwirtschaft ankommt. Besonders Unternehmen, die stark auf das Inland angewiesen sind, sollten noch länger leiden. Jetzt auf einen weiteren Anstieg des breiten Markts zu wetten, erscheint daher riskant. Vielversprechender ist da schon die gezielte Auswahl einzelner Titel. Denn hier bieten einige solide, aber weniger bekannte Namen noch immer gute Einstiegschancen für den erfolgreichen Teufelsritt.

Wirtschaftswunder aus Athen
Eine interessante Aktie für StockPicker ist zum Beispiel Folli Follie aus Griechenland. Der Betreiber von Modeläden und Duty-free-Shops handelt mit Kleidung, Schmuck und Accessoires. Dabei erwirtschaftet er rund 50 Prozent des Umsatzes in Asien, je zehn Prozent entfallen auf Nordeuropa und Russland.

Das Unternehmen ist in 28 Ländern aktiv und betreibt 250 eigene Shops. Ungeachtet der desaströsen Zustände in Griechenland wächst Folli Follie konstant. Allein im ersten Halbjahr 2012 stieg der Umsatz um neun Prozent auf 533 Millionen Euro. Der operative Gewinn (Ebit) legte um 7,7 Prozent auf 92,5 Millionen Euro zu.

Die gute Entwicklung sollte sich auch in der zweiten Jahreshälfte fortsetzen. Denn dann will Folli Follie seine Produkte erstmals auch außerhalb der eigenen Läden vertreiben. So wird für 2013 ein Jahresumsatz von 1,1 Milliarden Euro bei 197 Millionen Euro Gewinn prognostiziert. Aufgrund des günstigen Kurs-Gewinn-Verhältnisses von 5,31 ist die Aktie etwas für Schnäppchenjäger.

Aber: Trotz der günstigen Bewertung ist die Aktie kein risikoloses Investment. Sollte der Troika-Bericht im Oktober für Griechenland negativ ausfallen (siehe Seite 6), so wäre das Land schnell zahlungsunfähig. Ein Euroaustritt mit starken Verwerfungen am Aktienmarkt wäre dann unvermeidlich. Deshalb sollten nur risikobewusste Anleger griechische Aktien erwerben.

Weniger problematisch sind dagegen Papiere aus Portugal. Hier ist zum Beispiel der Mischkonzern Sonae interessant, der unter anderem in Deutschland, Brasilien, Angola und Kolumbien tätig ist. Neben einer Telekommunikations- und Immobiliensparte betreibt der Konzern Supermärkte und Einkaufszentren. In Deutschland gehören zum Beispiel das Alexa Shopping Centre in Berlin, die Münster Arkaden oder das Loop5 Shopping Centre in Weiterstadt zum Portfolio der Portugiesen.

Trotz der internationalen Aufstellung des Konzerns stagnierten die Erträge in den vergangenen zwei Jahren. Erst für 2013 verspricht Konzernchef Paulo Azevedo die Wende. Der Umsatz soll dann auf 5,8 Milliarden Euro steigen, der operative Gewinn 314 Millionen Euro erreichen. Dies entspräche einem Plus von neun Prozent gegenüber 2012.

Attraktiver Übernahmekandidat
Doch selbst wenn dieses Ziel nicht erreicht werden sollte, ist die Aktie interessant. Durch die Krise ist die Marktkapitalisierung von Sonae auf nur mehr 842 Millionen Euro gesunken. Der Unternehmenswert liegt hingegen bei 4,2 Milliarden Euro. Daher werden die Portugiesen bereits als heißer Übernahmekandidat gehandelt. Ein möglicher Interessent könnte zum Beispiel der einheimische Konkurrent Jerónimo Martins sein. Sollten sich die Gerüchte als zutreffend herausstellen, würde dies den Kurs der Aktie deutlich beleben.

Kein Übernahmekandidat, sondern ein Aufkäufer ist dagegen Grifols. Der spanische Chemie- und Pharmakonzern schluckte 2011 den US-Konkurrenten Talecris für vier Milliarden Euro. Eine Investition, die sich schon heute auszahlt.

In den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres stieg der Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 15,2 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro. Gleichzeitig stiegen die Nettoerlöse um 600 Prozent auf 133,5 Millionen Euro. Mittelfristig soll die Akquisition nun jährliche Synergieeffekte in Höhe von 300 Millionen Euro bringen. Grifols ist auf die Herstellung von Blutplasma spezialisiert und Marktführer in Europa. Rund 90 Prozent seines Umsatzes generiert der Konzern im Ausland. Mit einem 2013er-KGV von 19,91 ist die Aktie zwar nicht mehr günstig, doch in Anbetracht einer bis 2015 prognostizierten Wachstumsrate von jährlich zwölf Prozent gibt es noch Raum nach oben.

Eine interessante Wette, und zwar im doppelten Sinn, bietet sich Anlegern in Irland. Jeder, der schon einmal die Grüne Insel besucht hat, weiß um die Wettleidenschaft ihrer Bewohner. Es überrascht daher nicht, dass eines der erfolgreichsten Unternehmen des Landes Paddy Power ist. Der Wettanbieter betreibt Filialen im gesamten Vereinigten Königreich sowie den Ländern des Commonwealth. Im Bereich Onlinewetten sowie bei Onlinepoker und -bingo verzeichneten die Iren zuletzt zweistellige Wachstumsraten.

Die aktuelle Prognose, die für 2013 einen Gewinnsprung um zwölf Prozent auf 152 Millionen Euro vorsieht, erscheint daher nicht übertrieben. Vor allem, wenn man bedenkt, dass die Iren die Analysten in der Vergangenheit schon öfter mit besseren Ergebnissen überraschten. Bei einem 2013er-KGV von 21,29 erscheint das kurzfristige Potenzial zwar begrenzt, mittelfristig stellt die Aktie aber ein chancenreiches Wachstumsinvestment dar.

Italienischer Brillengigant
Schweift der Blick vom regnerischen Irland ins sonnige Italien, so kann man gleich ein Produkt von Luxottica verwenden. Luxottica ist der größte (Sonnen-)Brillenhersteller der Welt und vertreibt unter anderem die Marken Ray-Ban, Persol und Oakley. Das Unternehmen ist in 130 Ländern tätig und verkauft 30 Millionen Brillen pro Jahr. Mit über 65.000 Mitarbeitern ist Luxottica einer der größten Arbeitgeber Italiens.

Auch die Italiener sind weitgehend resistent gegen die Entwicklungen im Markt des Unternehmenssitzes. 22 Prozent des Umsatzes werden in den Schwellenländern erwirtschaftet, 25 Prozent in Nordamerika und 42 Prozent in Westeuropa. Im ersten Halbjahr 2012 zogen die Verkäufe im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 15,1 Prozent auf 3,7 Milliarden Euro an. Zeitgleich legte der operative Gewinn um 17,5 Prozent auf 569 Millionen Euro zu.

Am 3. September korrigierte die Aktie überraschend von 29,57 auf 27 Euro. Firmeninhaber Leonardo Del Vecchio hatte sich von sieben Prozent der Aktien getrennt. Gerüchten zufolge will Del Vecchio, der nun noch 59 Prozent an Luxottica hält, den Verkaufserlös nutzen, um beim Versicherungskonzern Generali einzusteigen.
Für Anleger stellt die Korrektur hingegen eine gute Einstiegschance dar. Denn die Luxottica-Aktie liefert schon seit Jahren solide Erträge.

Investor-Info

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Tipps für den Handel
Alle unten aufgeführten Papiere sind an deutschen Börsen zu beziehen. Allerdings ist es möglich, dass etwa bei griechischen Titeln nur geringe Handelsumsätze stattfinden, die Spanne zwischen Kauf- und Verkaufskurs kann deshalb hoch sein. Sollte man sich daher entscheiden, lieber an einer ausländischen Börse zu kaufen, muss man mit höheren Gebühren rechnen. Hilfreich sind in diesem Fall Orderzusätze wie „fill or kill“ oder „all or none“. Der Auftrag wird dann nach dem Alles-oder-nichts-­Prinzip behandelt und entweder vollständig in einem Stück oder gar nicht ausgeführt. Das hilft, unnötige Kosten bei Teilausführungen zu vermeiden.

Folli Follie: ISIN GRS294003009
Sonae: ISIN PTSON0AM0001
Grifols: ISIN ES0171996012
Paddy Power: ISIN IE0002588105
Luxottica: ISIN IT0001479374

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