13.02.2013 12:00
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Commerzbank & Co: Europas Banken bleiben eine Baustelle

Die Zeiten für Beschäftigte in der europäischen Banken- und Finanzbranche bleiben schwierig.
Nach den angekündigten Sparmaßnahmen bei der Deutschen Bank, UBS, Credit Suisse und Barclays ziehen die französische Société Générale und die niederländische ING nach und verschärfen ihre Restrukturierung. Damit wird deutlich, dass der laufende Umbau bei den Banken noch lange nicht abgeschlossen ist. Eine hohe Kostenbasis, strengere regulatorische Vorgaben, Kreditausfälle, das schwache Konjunkturumfeld und größtenteils schleppende Geschäfte im einst so lukrativen Investmentbanking zwingen die Banken zu teilweise drastischen Einschnitten.

   Auch die Geschäftsaussichten bewerten einige Institute als unverändert schwierig. Die Perspektiven für die Begleitung von Fusionen und Zukäufen, die Emissionen von Aktien oder Anleihen sowie Wertpapierdienstleistungen sind eher verhalten und das Privatkundengeschäft ist besonders in Europa hart umkämpft. Europaweit überdenken die Banken nun ihre Geschäftsmodelle und kürzen in Sparten, die zu wenig Rendite erwirtschaften. Einige Banken ziehen sich aus Auslandsmärkten zurück und konzentrieren sich auf den Heimatmarkt oder richten ihren Fokus komplett neu aus: Als Vorläufer gilt hier die Schweizer UBS, die künftig das Zocken sein lässt und zurück zu ihren Ursprüngen in der Vermögensverwaltung will.

   Der Umbauplan der UBS geht über alles hinaus, was die Wettbewerber bisher vorgelegt haben. Die UBS spaltet die Hälfte ihrer Investmentbank ab. In wenigen Jahren will die Bank das Investmentgeschäft ganz einstellen. Damit ziehen die Schweizer die Lehre aus dem eigenen Versagen. Dem Anspruch, eine führende Rolle im Investmentbanking zu spielen, sind die Schweizer nie gerecht geworden. Im Zuge der Finanzkrise waren hier gigantische Fehlbeträge aufgelaufen und die Schweiz griff der Bank finanziell unter die Arme.

   Aber auch der oft geforderte Kulturwandel bei den Banken fordert seinen Tribut. Der angestoßene Kulturwandel, der sich gut mit einem Zitat des Co-Deutsche-Bank-Chefs Jürgen Fitschen beschreiben lässt, wonach nicht alles, was legal ist, auch legitim ist, führte schon zu ersten Konsequenzen. So versuchen einige Banken derzeit, ihren durch Gerichtsprozesse, falsche Beratung von Kleinanlegern oder die Libor-Affäre ramponierten Ruf wiederherzustellen, und versprechen in Zukunft ethischer zu agieren.

   So kündigte die britische Barclays an, als Teil des Konzernumbaus den Bereich mit Steuersparmodellen (Structured Capital Markets) zu schließen. Die Steuerexperten der Sparte hatten Großkonzerne dabei beraten, wie diese ihre Gewinne in Steueroasen verlagern können. Die britische Bank nutzte selbst diese Sparmodelle und zahlte 2009 nur 113 Millionen Pfund Steuern und das bei einem Milliardengewinn. Aber die Skandale sollen nun der Vergangenheit angehören. Barclays-Chef Antony Jenkins versprach am Dienstag: "Es geht darum, Barclays grundsätzlich zu ändern. Und wir werden an unseren Taten und nicht an unseren Worten gemessen". Die Briten streichen insgesamt 3.700 Arbeitsplätze, auch in der Investmentbank. Jenkins betonte, es gehe künftig nicht mehr um kurzfristige Gewinne, sondern um die nachhaltige Wertsteigerung.

   Bei der deutschen Commerzbank sind es vor allem die hausgemachten Probleme, die zu Einsparungen zwingen. So wickelt sie derzeit kostspielig ihr Geschäft mit der Staatsfinanzierung ab. Auch aus der Schiffsfinanzierung zieht sich die Bank zurück. Das Institut hat in der Krise zu oft auf die falschen Pferde gesetzt. Auch die Übernahme der Dresdner Bank hat bei weitem nicht die erhofften Ergebnisse gebracht. Bis zu 6.000 Stellen will die Commerzbank bis zum Jahr 2016 abbauen, nachdem sie schon einmal 9.000 Stellen im Zuge der Dresdner Bank-Übernahme gestrichen hatte.

   Bei der Deutschen Bank, die mit Milliardenkosten für Prozesse kämpft, sind im vierten Quartal im Bereich Investmentbanking 1.700 Vollzeitstellen abgebaut worden. Der Großteil davon in den Vereinigten Staaten, Großbritannien und Asien.

   Am Mittwoch kündigte nun die französische Großbank Societe Generale an, bei ihrer laufenden Restrukturierung nochmal aufs Tempo zu drücken, und zündete die zweite Stufe ihres Plans "Ambition SG 2015". Bis 2015 will die Bank die aus der Finanzkrise 2008 übriggebliebenen toxischen Wertpapiere abstoßen. Insgesamt sollen 4 Milliarden Euro an Kapital freigesetzt werden. Außerdem werden weltweit 1.500 Stellen gestrichen. Nun kündigte das Institut eine weitere Verschlankung und Neupositioniertung ihres Kerngeschäfts an. Wie sich dies auf die Größe der Belegschaft auswirken wird, steht noch nicht fest. Details will Societe Generale erst noch erarbeiten.

   Die niederländischen ING versucht immer noch die Schatten der Vergangenheit loszuwerden und steckt nach wie vor tief im Konzernumbau. Nun will die Bank erneut bei den Personalkosten sparen. Weitere 2.400 Arbeitsplätze im Privatkundengeschäft sollen der Streichliste zum Opfer fallen. In den Niederlanden sind dabei 1.400 Arbeitsplätze betroffen und in Belgien 1.000 Stellen. Aus diesen Maßnahmen erhofft sich die ING jährliche Einsparungen von 270 Millionen Euro.

   Vorher schon hatte die ING einen Umbau im Privatkundenbereich angestoßen, der 2.700 Arbeitsplätze kostet. Insgesamt beschäftigt die Gruppe 93.000 Mitarbeiter. Die ING, die während der Finanzkrise schwer unter die Räder gekommen war und Staatshilfe von 10 Milliarden Euro erhalten hat, muss sich gesundschrumpfen. Deshalb bleibt im Konzern kein Stein auf dem anderen. Auf Druck der EU muss sich ING bis Ende 2013 von dem Versicherungsgeschäft trennen. Der europäische Zweig soll an die Börse gehen, während die asiatischen Töchter verkauft werden.

  Copyright (c) 2013 Dow Jones & Company, Inc.- - 05 18 AM EST 02-13-13

Systemrelevant: Die 28 gefährlichsten Banken der Welt

 

Platz 28: Wells Fargo

Die Hypothekenzahlen boomen. Ein Vorteil für die Großbank Wells Fargo. In diesem Ranking der gefährlichsten Banken belegt das amerikanische Unternehmen den letzten Platz. Dennoch kann die Bank großen Einfluss auf die Weltwirschaft nehmen.

Quelle: Financial Stability Board/FSB Bild: Wells Fargo
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