Am Montagabend zog er einen Schlussstrich unter das Ukraine-Abenteuer des zweitgrößten deutschen Geldhauses. Die erst vor vier Jahren erworbene Bank Forum soll an eine ukrainische Investorengruppe verkauft werden. Die Tochter hatte die in sie gesetzten Erwartungen nie erfüllt. Auch für die Zukunft hatte die seit der Finanzkrise teilverstaatlichte
Commerzbank wenig Hoffnung auf Besserung. Für die Trennung nimmt sie nun Abschreibungen von 286 Millionen Euro in Kauf.
Im zweiten Quartal vermied das Institut trotzdem einen weiteren Gewinneinbruch. Nachdem die Bank vor einem Jahr wegen hoher Abschreibungen auf ihre griechischen Staatsanleihen operativ nur noch 55 Millionen Euro verdient hatte, rechnet das Management nun mit einem Gewinn von 450 Millionen Euro. Im gesamten ersten Halbjahr verdiente die Commerzbank nach vorläufigen Berechnungen rund eine Milliarde Euro (Vorjahr: 1,2 Mrd). Beim Vorsteuerergebnis rechnet sie in den ersten sechs Monaten mit einem Gewinn von rund 900 Millionen Euro (Vorjahr: 1,2 Mrd Euro), davon rund 350 Millionen Euro im zweiten Quartal 2012. Die genauen Zahlen legt das Geldhaus am 9. August vor.
Dabei belastet der Verkauf in der Ukraine zunächst nur mit 86 Millionen Euro. Die übrigen 200 Millionen Euro Wertminderung fallen erst dann an, wenn das Geschäft abgeschlossen ist. Das liegt an Währungseffekten. Die Commerzbank hatte während ihres Engagements Rücklagen in der ukrainischen
Währung bilden müssen. Da die Griwna in dieser Zeit gegenüber dem Euro an Wert verlor, müssen die Deutschen die Differenz abschreiben. Dies wird aber der Bank zufolge nicht mehr das Eigenkapital belasten. Die Transaktion muss noch von den Aufsichtsbehörden genehmigt werden.
Überraschend kommt der Verkauf nicht. Die Commerzbank hatte bereits angekündigt, sich auf Deutschland und Polen konzentrieren zu wollen. Schon im vergangenen Jahr hatte das Institut die Kreditvergabe außerhalb dieser beiden Kernmärkte gestoppt, um sein Kapital zu schonen. Die Trennung ist Teil der laufenden Überprüfung der Konzernstrategie. Die Commerzbank hatte erst vor einem Monat angekündigt, das Geschäft ihrer Immobilien- und Staatsfinanzierungstochter Eurohypo ebenso abzuwickeln wie die Schiffsfinanzierung. Vorstandschef Blessing räumte der Stärkung des Kapitals zuletzt absolute Priorität ein - auch auf Kosten des Gewinns. Die Commerzbank hatte auf Geheiß der europäischen Bankenaufsicht EBA bis Ende Juni eine Lücke von über fünf Milliarden Euro zu füllen. Das Ziel übertraf das Institut. In der Ukraine will die Commerzbank künftig nur noch mit einer Repräsentanz für ihre Firmenkunden vertreten sein. NordLB-Analyst Michael Seufert sieht in dem Rückzug ein Symbol für das endgültige Ende großer Träume von einer zweiten international bedeutenden deutschen Großbank: "Im Gegensatz zur global aufgestellten deutschen Industrie ist die Finanzbranche seit den achtziger Jahren in die Regionalliga abgestiegen." An der
Börse kam der Fortschritt beim Konzernumbau am Dienstag zunächst gut an. Auch die Zahlen lagen in etwa in Höhe der Erwartungen. Bis zum Mittag legte die
Aktie gut 0,7 Prozent zu und entwickelte sich damit etwas besser als der DAX. Allerdings gab es auch skeptische Töne. Einige Analysten fürchten einen weiteren schmerzhaften Abbau von Risiko - also dass die weitere Verkleinerung der Bank immer wieder auf den Gewinn drückt. Ein Experte äußerte zudem Zweifel an der Kapitalkalkulation der Bank. Zum Jahreswechsel will sie nach den künftig geltenden strengeren Regeln (Basel III) auf eine harte Kernkapitalquote (Core Tier 1) von 10 Prozent kommen. Der Beobachter verwies darauf, dass Konkurrenten strengere Definitionen anwenden würden. Der Verkauf in der Ukraine belastet die Quote laut Commerzbank kaum. Die negativen Effekte glichen sich fast mit den positiven beim Abbau von Risikopositionen aus./enl/stw/zb/kja FRANKFURT (dpa-AFX)
Bankbilanzen: So haben sich Banken im zweiten Quartal/ersten Halbjahr 2012 geschlagen