05.12.2012 17:35
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EU-Banken wollen "billiges" EZB-Geld zurückzahlen

Commerzbank voraus
Vor fast einem Jahr haben sich hunderte europäische Banken insgesamt mehr als 1 Billion Euro von der EZB geliehen, als die Zentralbank angesichts der eskalierenden Eurokrise billiges Geld auf den Markt geworfen hatte.
Jetzt scheint es in der Wirtschaft teilweise wieder bergauf zu gehen. Denn einige der größten Banken des Kontinents bereiten sich derzeit darauf vor, diese Kredite zurückzuzahlen.

   Dies könnte allerdings verfrüht sein, meinen einige Beobachter. Ohne dieses Geld nämlich könnten sich die Banken verwundbar machen, sollte sich die Krise wieder intensivieren. Die Kredite unter dem sogenannte LTRO-Programm der EZB haben eine Laufzeit von drei Jahren. Aber ab Januar dürfen die Banken mit der Rückzahlung beginnen.

   Mit der Commerzbank hat zumindest eine Bank öffentlich gemacht, dass sie im Januar einen Großteil des geliehenen Geldes zurückzahlen will. Die Manager anderer Institute, inklusive der großen Drei aus Frankreich, wollen zu Beginn des neuen Jahres ebenfalls zumindest Teile zurückzahlen, sagen gut informierte Personen.

   Eine von Morgan-Stanley-Analysten durchgeführte Umfrage kommt zu dem Ergebnis, dass Europäische Banken voraussichtlich Anfang 2013 insgesamt rund 80 Milliarden Euro der EU-Mittel an die EZB zurückzahlen werden. Ein Großteil davon kommt wahrscheinlich aus Nordeuropa, meinen die Analysten. Das zeigt, dass die Institute heute besser in der Lage sind, alleine klarzukommen, als noch vor einem Jahr. Seinerzeit hatte die sich vertiefende Eurokrise vielen Banken den Zugang zu den Kapitalmärkten blockiert.

   Außerdem sind die EZB-Mittel nicht nur ein Segen. Die Banken beschweren sich darüber, dass es wenig Möglichkeiten gibt, die geliehene Liquidität zu verwenden. Stattdessen müssen sie das Geld bei der Zentralbank parken. Das ist allerdings ein Verlustgeschäft, denn die von den Zentralbanken gezahlten Zinsen sind geringer als die Kosten, die die Institute für das EZB-Geld aufbringen mussten.

   Die Commerzbank hat sich seinerzeit etwa 16 Milliarden Euro von der EZB gesichert. Im Januar sollen 10 Milliarden davon wieder zurückfließen, hatte Konzernchef Martin Blessing im November zu Analysten gesagt. Er sagte auch, die Bank verliere jährlich rund 75 Millionen Euro allein dadurch, dass das Geld bei der Deutschen Bundesbank geparkt wird. Die EZB-Mittel seien nicht die billigste Finanzquelle, die man auf dem Markt finden könnte, so der Manager.

   Einige Analysten fürchten durch die beginnende Rückzahlung eine Welle von Nachahmern, was sich als ungesund herausstellen könnte. Durch das Vorpreschen einiger Institute könnten sich andere Banken ebenfalls genötigt fühlen, das Geld möglichst schnell zurückzuzahlen, um eine Stigmatisierung zu vermeiden, indem sie der Welt zeigen, dass sie nicht von dem Zentralbank-Geld abhängig sind. Das könnte sogar gefährlich werden, wenn diese Banken tatsächlich auf die EZB-Mittel angewiesen sind.

   In der Tat sagte ein Finanzchef einer der größten Banken Europas, dass seine Bank dazu tendiert, die Milliarden von Euros zurückzuzahlen, um auch nur die Möglichkeit zu vermeiden, als abhängig dazustehen.

   "Sobald eine Bank anfängt, wird jede Bank gefragt werden: 'Warum zahlt Ihr nicht zurück?'", sagt Analyst James Chappell von der Berenberg Bank. Solch eine Entwicklung könnte sich als destabilisierend herausstellen. "Es ist besser, jetzt über die Liquidität zu verfügen", so der Analyst. "Wer weiß schon, was nächstes Jahr passiert?".

   Die EZB wollte mit ihrem Programm damals in erster Linie verhindern, dass Banken wegen mangelnder Liquidität Schlagseite bekommen. Das sekundäre Ziel war, die Banken dazu zu bringen, das Geld über Kredite an Kunden und andere Kreditinstitute weiterzugeben. Das hat nicht so funktioniert, wie die Verantwortlichen sich das seinerzeit vorgestellt haben, auch wenn einige Institute Staatsanleihen ihrer Länder in Milliardenumfang aufgekauft haben. Stattdessen fließt das Geld an die Zentralbanken zurück, zu schlechteren Konditionen.

   Die Kreditvergabe an Einzelpersonen und Unternehmen in der Eurozone bleibt unterdessen mau. In der jüngsten Umfrage der EZB aus dem Oktober zu den Bedingungen der Kreditvergabe kam heraus, dass Banken vor allem bei kleineren Unternehmen auf der Hut sind - ein Trend, der sich in den kommenden Monaten fortsetzen wird. Ökonomen und Entscheider meinen, dass diese Situation die Probleme in der Euro-Peripherie noch verstärkt.

   Um auf Nummer Sicher zu gehen, halten die Banken einfach an dem Geld, dass sie sich von der EZB geholt haben, fest. In südeuropäischen Ländern wie Spanien, Griechenland und Portugal, wo die Banken vom normalen Finanzierungsmarkt ausgeschlossen sind, haben sie kaum eine andere Wahl. Auch von den italienischen Banken heißt es, man habe mit der Rückzahlung keine Eile. Das rührt zum Teil daher, dass sie ordentliche Gewinne damit erzielen, dass sie mit dem billigen Geld hoch verzinste italienische Anleihen kaufen.

   Enrico Cucchiani, Chef der zweitgrößten Bank des Landes Intesa Sanpaolo meinte, die "clevere Nutzung" der EZB-Kredite sei teilweise verantwortlich für eine Handelsgewinn von 753 Millionen Euro in den ersten neun Monaten 2012. Eine informierte Person sagte, Intesa plane derzeit keine vorzeitige Rückzahlung.

   Die drei großen französischen Banken BNP Paribas, Societe Generale und Credit Agricole haben sich jeweils Milliarden von der Zentralbank gesichert, die exakten Zahlen aber nie bekanntgegeben. Öffentlich haben sie bislang zu ihren Rückzahlungsplänen geschwiegen. "Wir werden schauen, wie stürmisch es im Januar wird, und dann werden wir entscheiden", sagte BNP-Finanzchef Lars Machenil letzte Woche in einer Telefonkonferenz zu Analysten.

   Unter der Hand haben Manager von BNP Paribas und Societe Generale einigen Analysten, Investoren und Investmentbankern erzählt, dass sie derzeit zumindest eine teilweise Rückzahlung anstreben, sagen informierte Personen. Diese Pläne könnten sich aber noch ändern, wenn sich das Marktumfeld in den nächsten Woche eintrübt. Manager von Credit Agricole tendieren einem Insider zufolge in dieselbe Richtung. Vertreter der drei Banken wollten diese Informationen aber nicht kommentieren.

   --Noemie Bisserbe hat zu diesem Bericht beigetragen.    Kontakt zum Autor: unternehmen.de@dowjones.com    DJG/DJN/mgo/cbr

   Dow Jones Newswires   December 05, 2012 06:47 ET (11:47 GMT)  Copyright (c) 2012 Dow Jones & Company, Inc.- - 06 47 AM EST 12-05-12 Von David Enrich LONDON

Bildquellen: Borislav Bajkic / Shutterstock.com
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