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10.06.2012 04:00

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€uro am Sonntag

CORPORATE-GOVERNANCE

Vorstandsgehälter: Das Schweigen der Bosse

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Geheimniskrämerei bei den Vorstandsgehältern
Vorstandsvergütung » Trotz Transparenzpakt verweigern noch immer viele kleinere Unternehmen ihren Aktionären wichtige Informationen. Doch die Rückendeckung für die Geheimniskrämerei beim Gehalt wird schwächer.

von Sven Parplies, €uro am Sonntag

Zehn Jahre nach Schaffung des Corporate-Governance-Kodex widersetzen sich noch immer etliche Unternehmen wichtigen Transparenz­vorschriften. Hartnäckigen Widerstand gibt es vor allem gegen die Offenlegung der Vorstandsvergütung. Nach einer Untersuchung von Euro am Sonntag weist fast jedes vierte Unternehmen aus dem MDAX entgegen den Kodexvorgaben lediglich die Gesamtvergütung des Vorstands aus, nicht aber eine individualisierte Aufschlüsselung für jedes Mitglied.

Insgesamt zwölf der 50 Indexmitglieder nutzen ein Schlupfloch in der Gesetzgebung. Es gibt der Hauptversammlung die Möglichkeit, ein Unternehmen von der Pflicht zur individualisierten Offenlegung zu befreien. Notwendig ist eine Mehrheit von 75 Prozent des anwesenden Kapitals. Diese Schwelle ist für Unternehmen mit einem Großinvestor relativ leicht zu erreichen. Prominenteste Fälle sind Axel Springer, Hugo Boss und Puma. Der Corporate-Governance-Kodex wurde 2002 nach den Bilanzskandalen der Jahrtausendwende ins Leben gerufen, um das Vertrauen in den Finanzplatz Deutschland zu stärken.

„Nicht akzeptabel“
Aktionärsschützer rüffeln die Transparenzverweigerer: „Wenn ein Unternehmen an die Börse geht, muss es allen Aktionären dieselben Informationen zur Verfügung stellen. Das gilt auch für die Vorstandsgehälter. Es ist nicht akzeptabel, dass dieses Wissen einem Großaktionär vorbehalten bleibt“, sagt Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Das öffentliche Interesse konzentriere sich auf den DAX — das würden kleinere Unternehmen offenbar nutzen, um im Windschatten der großen nicht aufzufallen, so Kurz.
Die Begründungen der Transparenzverweigerer sind sehr unterschiedlich: Axel Springer erklärt, auch Wettbewerber würden die Bezüge nicht individualisiert offenlegen. Bei Hugo Boss heißt es, ein Individualausweis sei „keine kapitalmarktrelevante Zusatzinformation“. Gagfah wiederum sieht sich als Luxemburger Unternehmen den Vorgaben des deutschen Kodex nicht verpflichtet. Andere Unternehmen verzichten auf eine Erklärung.
Die zugänglichen Daten verraten zumindest, dass Unternehmen ohne detaillierte Offenlegung oft großzügig vergüten. Axel Springer zahlte im vergangenen Jahr 17 Millionen Euro an vier Vorstände. Bei gleicher Gewichtung entspräche das einem Betrag von 4,25 Millionen Euro. Zum Vergleich: Das durchschnittliche Gehalt eines Chefs im DAX lag nach Berechnung der Vergütungsberatung Hostettler, Kramarsch & Partner knapp über fünf Millionen Euro.

Kompliziert ist der Geschäftsbericht von Puma. Dort wird die Gesamtsumme der Vorstandsvergütung mit 7,5 Millionen Euro ausgewiesen. Das Geld verteile sich „auf sieben Vorstandsmitglieder und die fünf geschäftsführenden Direktoren“. Da Puma im Jahresverlauf seine Unternehmensstruktur umgebaut hat, verbergen sich dahinter lediglich sieben Personen.

Widerstand wächst
Immerhin: Die Zahl der Transparenzverweigerer dürfte in den kommenden Jahren zurückgehen. So hat Gerresheimer auf der diesjährigen Hauptversammlung auf eine Ver­längerung der Ausnahmeklausel verzichtet. Man wolle der gängigen Praxis entsprechen, heißt es aus dem Unternehmen. Auch andere Faktoren dürften eine Rolle gespielt haben: Neben einem Chefwechsel fällt bei Gerresheimer auch die Veränderung der Eigentümerstruktur auf: Nach dem Ausstieg des Großaktionärs ist der Anteil der frei handelbaren Aktien laut Unternehmen von 73 auf 100 Prozent gestiegen.

Da auch bei Hugo Boss und ProSiebenSat.1 über einen Ausstieg des Großaktionärs spekuliert wird, könnte dort die Mehrheit für eine Ausnahmeklausel in Gefahr geraten. Am längsten vor dem Blick der Aktionäre geschützt sind die Gehaltszettel der Vorstände bei Fuchs Petrolub und Rational. Dort hat die Hauptversammlung erst im vergangenen Jahr eine Verlängerung der Ausnahmeklausel um fünf Jahre beschlossen. Als nächster Verweigerer muss sich auf der Hauptversammlung im kommenden Jahr Puma neu erklären. Die Ausnahmeklausel des Unternehmens stammt aus dem Jahr 2008 und läuft somit aus. Das letzte Wort wird dort Großaktionär PPR haben, der 75 Prozent der Aktien hält.

Nach Berechnung der Kommunikationsberatung Ergo verdiente ein Vorstandschef im MDAX 2011 im Schnitt 2,17 Millionen Euro, ein Plus von 18 Prozent zum Vorjahr. Dieser Wert enthält aber nur die öffentlich zugänglichen Daten.

Bildquellen: iStock

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