18.01.2016 10:05
Bewerten
 (0)

Reichen gehört die halbe Welt - Aus für Steueroasen gefordert

Oxfam-Studie: Reichen gehört die halbe Welt - Aus für Steueroasen gefordert | Nachricht | finanzen.net
Oxfam-Studie

Oligarchen, Ölscheichs oder Milliardenerben: Die 62 reichsten Menschen der Erde besitzen laut einer Studie der internationalen Hilfsorganisation Oxfam mittlerweile "genauso viel wie die gesamte ärmere Hälfte der Weltbevölkerung".

Vor einem Jahr habe dies noch dem Vermögen der 80 Reichsten entsprochen.

Die soziale Ungleichheit nehme dramatisch zu, beklagte Oxfam in einer am Montag veröffentlichten Untersuchung. Zu den Ursachen gehören nach Ansicht der Autoren eine völlig unzureichende Besteuerung großer Vermögen und Kapitalgewinne sowie die anhaltende Verschiebung von Profiten in Steueroasen. Das Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) in Köln äußerte sich skeptisch dazu: Mehr Steuergelder würden nicht automatisch bedeuten, dass Arme davon profitieren, sagte IW-Expertin Judith Niehues dem Berliner "Tagesspiegel" (Montag).

"Das oberste Prozent der Weltbevölkerung verfügt über mehr Vermögen als der Rest der Welt zusammen", heißt es bei Oxfam unter Bezug auf Analysen des "Wealth Reports 2015" der Schweizer Bank Credit Suisse. Mit anderen Worten: Rund 70 Millionen Superreiche besitzen demnach mehr als die übrigen rund sieben Milliarden Menschen auf der Erde.

Das Vermögen der 62 Reichsten - unter ihnen 53 Männer - sei allein in den letzten fünf Jahren um 44 Prozent auf 1,76 Billionen Dollar (1,61 Billionen Euro) gewachsen. Zugleich habe sich das Gesamtvermögen der ärmeren Hälfte der Weltbevölkerung um rund eine Billion US-Dollar verringert. Einen Rückgang um 41 Prozent - obwohl im selben Zeitraum die Weltbevölkerung um 400 Millionen Menschen gewachsen sei - erklärt die Organisation in ihrem Bericht zur sozialen Entwicklung, den sie stets zum Start der Jahrestagung des Weltwirtschaftsforums vorlegt.

Dazu kommen vom 20. bis zum 23. Januar im Schweizer Alpenkurort Davos wieder rund 2500 Spitzenpolitiker, Konzernchefs und Wissenschaftler zusammen. Deutschland wird durch Bundespräsident Joachim Gauck sowie Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD), Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) und weitere Kabinettsmitglieder vertreten sein.

Oxfam appellierte mit der Studie "An Economy for the 1%" an die in Davos erwarteten Regierungsvertreter und Topmanager aus mehr als 100 Ländern, ihren Einfluss dafür zu nutzen, dass die Schere zwischen Arm und Reich kleiner und nicht immer größer werde.

"Wir leben in einer Welt, deren Regeln für die Superreichen gemacht sind", sagte Tobias Hauschild, der bei Oxfam Deutschland zuständig ist für die Finanzierung von Entwicklungsprojekten. Der Kampf gegen Armut und Krankheiten werde dadurch erschwert. "Nötig ist ein Wirtschafts- und Finanzsystem, vom dem alle profitieren."

Dazu gehört laut Oxfam, dass "Konzerne sich nicht länger aus ihrer Verantwortung stehlen". Neun von zehn Großkonzernen hätten Niederlassungen in mindestens einer Steueroase. Gewinne sollten allein dort versteuert werden, wo sie erwirtschaftet werden, fordert Oxfam. Die Politik müsse dafür sorgen, dass Steueroasen trockengelegt werden, die Superreichen das Verstecken riesiger Werte ermöglichten.

Um ein gerechtes internationales Steuersystem zu schaffen, muss man Oxfam zufolge Unternehmen zu einer öffentlichen und länderbezogenen Berichterstattung über Gewinne und deren Versteuerung verpflichten. Zudem müssten Staaten einen "ruinösen Wettlauf um die niedrigsten Steuersätze" beenden und sämtliche Steueranreize transparent machen.

Zugleich sollten anstelle einer stärkeren Belastung des Konsums höhere Abgaben auf große Vermögen und Kapitalgewinne erhoben werden. Zudem will Oxfam eine bessere Berücksichtigung der Entwicklungsländer bei der Verwendung der Steuereinnahmen mit einer "zwischenstaatlichen Steuerinstitution auf UN-Ebene, die alle Länder umfasst".

Obwohl der Kampf gegen Steueroasen wichtig sei, könne er den Armen möglicherweise nur bedingt helfen, sagte IW-Forscher Tobias Hentze dem "Tagesspiegel". Es sei zudem schwer abzusehen, welche Länder dadurch am Ende mehr Steuern einnehmen würden. "Es kann durchaus sein, dass hiesige Firmen künftig manches etwa in China oder Indien statt hierzulande versteuern müssen", sagte er. Dann bliebe am Ende sogar weniger Geld in deutschen Kassen hängen - was dem Bund weniger Spielraum für soziale Unterstützung geben würde./bur/DP/edh

DAVOS (dpa-AFX)

Bildquellen: TijanaM / Shutterstock.com, andrey popov / Shutterstock.com, Andrey_Popov / Shutterstock.com
  • PHV
  • PKV
  • BU
  • UV
  • ZV
  • KFZ

Private Krankenversicherung Tarifvergleich

Heute im Fokus

DAX geht stabil ins Wochenende -- US-Börsen treten auf der Stelle -- Kraft Heinz an Unilever-Übernahme interessiert -- Chinesen steigen bei Deutscher Bank ein -- STADA, Allianz im Fokus

Lufthansa-Chef Spohr erteilt Beteiligung von Etihad Absage. Opel bekommt angeblich nach Verkauf an Peugeot Galgenfrist. Volkswagen-Kernmarke VW startet wegen Subventionskürzung in China mit Minus. Südzucker-Tochter AGRANA schließt Barkapitalerhöhung ab. De-facto-Chef von Samsung wegen Korruption verhaftet.
Anzeige
Börse Stuttgart Anlegerclub

Familienunternehmen: Rendite und Sicherheit!

Zwischen Eigentümern und Managern eines Unternehmens besteht häufig ein Interessenskonflikt hinsichtlich kurz- und langfristiger Ziele. Familien- und eigentümergeführte Unternehmen haben solche Konflikte meist nicht. Für Aktionäre sind solche Unternehmen daher meist eine lohnenswerte Investitionsmöglichkeit. Im neuen Anlegermagazin lesen Sie, welche drei Familienunternehmen einen näheren Blick wert sind.
Anlegermagazin kostenlos erhalten
Die Top-Positionen von Warren Buffett
Jetzt durchklicken
Welche Airline schneidet am schlechtesten ab?
Jetzt durchklicken
Diese Aktien stehen auf den Kauflisten der Experten
Jetzt durchklicken

Umfrage

Seit diesem Wochenende gelten in Deutschland neue gesetzliche Regelungen zum Fracking. Wie stehen Sie zu der umstrittenen Fördermethode?
Beliebte Suchen
DAX 30
Öl
Euro US-Dollar
Goldpreis
Meistgesucht
Deutsche Bank AG514000
Daimler AG710000
Allianz840400
Scout24 AGA12DM8
Apple Inc.865985
Deutsche Telekom AG555750
E.ON SEENAG99
BASFBASF11
Volkswagen AG Vz. (VW AG)766403
BMW AG519000
adidas AGA1EWWW
TeslaA1CX3T
Unilever N.V.A0JMZB
CommerzbankCBK100
Banco Santander Central Hispano S.A. (BSCH)858872