28.11.2012 03:00
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Auto-DAX: Wie die Autoindustrie den Index beeinflusst

DAX-Analyse
Die Absatzflaute der europäischen Automobilindustrie gefährdet auch den DAX. Betroffen sind nicht nur Daimler, VW oder BMW. €uro am Sonntag zeigt, wie stark der Index tatsächlich von der Krisenbranche abhängig ist.
€uro am Sonntag

von Sven Parplies, Euro am Sonntag

Ein ernüchternder Trend: Sollte kein Wunder geschehen, werden Europas Autohändler 2012 so wenig Fahrzeuge verkaufen wie seit 17 Jahren nicht mehr. Um überhaupt Autos vom Hof zu bekommen, senken Händler die Preise — das mindert die Gewinnspanne zusätzlich. „Die Rabatte steigen seit zwei Jahren“, be­obachtet das Analysehaus Kepler ­Capital Markets. Europas Autokrise bringt auch den DAX in eine schwierige Situation. Denn die Bedeutung der Automobilindustrie für den Index ist deutlich größer, als es auf den ersten Blick wahrgenommen wird.

Offiziell gehören nur vier der 30 Indexmitglieder zum Automobil­sektor: BMW, Daimler und Volkswagen, außerdem der Zulieferer Continental. Eine Analyse von €uro am Sonntag aber zeigt: Neun weitere Indexmitglieder erwirtschaften signifikante Umsätze mit der Auto­branche. Die in absoluten Zahlen größten Beträge kommen von ThyssenKrupp, BASF und Siemens. Selbst der Kosmetikkonzern Beiersdorf taucht in der Liste auf.

In der Summe erwirtschafteten die drei Autobauer des DAX im vergangenen Jahr 330 Milliarden Euro Umsatz. Durch Zulieferer kamen 60 Milliarden hinzu. Damit hängt rund ein Drittel des Gesamtumsatzes der DAX-Mitglieder an der Automobil­industrie. Basis dieser Hochrechnung sind Unternehmensangaben und Analystenschätzungen.

Die gute Nachricht für Anleger: Die meisten der DAX-Konzerne sind in Nischen positioniert, in denen sie sich vom gegenwärtigen Abwärtstrend der Autobranche zumindest etwas absetzen können.

BMW, Daimler und Volkswagen gleichen Schwächen in Europa durch Verkäufe in China und den USA aus. Anders als in Europa wächst die Wirtschaft dort. Zudem sind die deutschen Hersteller im oberen Preissegment unterwegs und sprechen dadurch eine Zielgruppe an, die die Eurokrise weniger stark trifft.

Profitable Magersucht
Die Geschäftsaussichten der Zulieferer hängen vom Produkt ab. Mega­trend bleibt auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten die Gewichts­reduzierung. Durch größere Karossen, Sicherheitstechnik und viele Extras sind Autos über die Jahre immer schwerer geworden. Das neue Golf-Modell beispielsweise bringt 1,2  Tonnen auf die Waage — rund 450 Kilogramm mehr als das Urmodell aus den 70er-Jahren.

Weil schwere Fahrzeuge mehr Sprit fressen, haben die Hersteller ihren Modellen eine strenge Kur verordnet. Zusätzliche Bedeutung bekommt der Leichtbau noch durch die zunehmende Tendenz zur Elektromobilität. Da Batterien extrem schwer sind und begrenzte Lade­kapazität haben, erhöht jedes eingesparte Kilo Gewicht die Reichweite. Jedes Detail im Bauplan steht deshalb auf dem Prüfstand — selbst die Türgriffe oder die Schaumstofffüllung der Autositze.

Der Diätzwang muss besonders dem Stahlkonzern ThyssenKrupp Sorgen machen, der rund ein Viertel seines Umsatzes mit der Automobilindustrie erzielt. Stahl ist fester Bestandteil eines Autos, weil es ein besonders festes Material ist, bekommt aber immer mehr Konkurrenz.


Die Kunststoffsparte von Bayer liefert Kunststoffe an die Auto-Branche
Man beobachte eine verstärkte Nachfrage nach Kunststoffen als Alternative zu schweren Materialen wie Stahl, freut sich derweil Bayer. Der Anteil von Kunststoffen in Automobilanwendungen dürfte bis zum Jahr 2020 von zurzeit 15 auf bis zu 25 Prozent wachsen, kalkuliert der Konzern. Die Leverkusener werden in Statistiken meist der Pharmabranche zugeordnet, haben aber noch andere Geschäftsfelder. Die Kunststoffsparte Material Science erwirtschaftete im vergangenen Jahr rund 2,2 Milliarden Euro Umsatz mit der Automobilindustrie, etwa sechs Prozent der Gesamteinnahmen.

Auch die Merck KGaA ist mehr als Pharma: Die Spezialchemiesparte stellt Pigmente her, die in Auto­lacken verarbeitet werden. Die Umsätze werden in der kleineren Konzernsparte Pigmente und Cosmetics verrechnet.


Lanxess liefert Kautschuk für die Reifenindustrie
Eine der großen Erfolgsgeschichten an den Börsen ist DAX-Aufsteiger Lanxess. Der Spezialchemiekonzern konzentriert sich innerhalb der Automobilindustrie auf zwei Bereiche: Kunststoffe, aus denen besonders leichte Teile hergestellt werden — Ölwannen, Kühlergrills oder auch Batteriegehäuse. Zusätzlich liefert Lanxess Kautschuk für die Reifenindustrie. Die spezielle Mischung soll den Rollwiderstand reduzieren und die Kraftstoffeffizienz erhöhen. Das spart Sprit und damit Kosten für den Verbraucher. Insgesamt erzielt Lanxess rund 15 Prozent des Gesamtumsatzes mit der Automobilindustrie.

Hightechchips und Klebebänder
Das breiteste Portfolio unter den Chemietiteln des DAX bietet BASF. Lacke, Batteriematerialien, Kunststoffe — kaum ein Auto rollt ohne Zutaten aus der Produktion von BASF vom Fertigungsband. Im vergangenen Jahr summierte sich der Umsatz der Ludwigshafener mit der Autoindustrie auf 9,5 Milliarden Euro, rund 13 Prozent des Gesamtgeschäfts.

Die prozentual größte Bedeutung haben Kunden aus der Automobil­industrie für Infineon. Die Münchner sind mit einem Marktanteil von 15 Prozent Europas größter Chiphersteller für die Automobilindustrie Die Sparte Automotive machte zuletzt 40 Prozent des Gesamtumsatzes aus. Prominentes Produkt von Infineon sind sogenannte Micro­controller, die wie ein Minicomputer Verbrennungsmotoren und Getriebe steuern. Die Microcontroller eines Autos müssen mehr als zehn Jahre defektfrei arbeiten und ex­tre­me Temperaturen aushalten.

Ähnlich wie ThyssenKrupp gilt auch Infineon als stark zyklisch. ­Befürchtungen, die Schwäche der europäischen Automobilindustrie werde den Konzern zu einer erneuten Gewinnwarnung zwingen, haben sich bislang aber nicht bestätigt.


Klebebänder von Tesa finden auch in der Automobilbranche Verwendung
Vergleichsweise unspektakulär sind die Produkte von Henkel, die in der Klebstoffsparte des Konzerns verrechnet werden. Beiersdorf, berühmt für seine Hautcreme Nivea, ist über seine Tochtergesellschaft Tesa ebenfalls auf Klebeanwendungen spezialisiert. Klebebänder werden unter anderem benutzt, um Kabel zu bündeln und Designelemente zu befestigen. Im Gesamtkonzern Beiersdorf macht das Geschäft aber nur ­einen kleinen einstelligen Prozentanteil aus.

In der jüngsten Berichtssaison haben sich die Vorstände der DAX-Unternehmen mit Verweis auf die Euro­krise meist zurückhaltend geäußert. Langfristig hingegen dominiert Optimismus. Für die Chemiebranche gilt die Automobilindustrie auch dank des Megatrends Gewichts­reduktion als einer der wichtigsten Wachstumsmärkte — der Umsatz soll nach Branchenschätzung bis zum Jahr 2020 von zuletzt 65 auf 110 Milliarden Euro steigen.

Auch für die anderen Unternehmen ist der Trend ermutigend: Die Marktforschungsfirma IHS sieht in Europa zwar keine schnelle Erholung, die anziehende Nachfrage aus Schwellenländern werde den Autoabsatz aber insgesamt weiter steigen lassen. Und damit auch die Gewinnaussichten des DAX.

Investor-Info

Umsatzrenner
Autos an der Spitze
Die Autobauer werden auch im kommenden Jahr die größten Umsatzbringer im DAX sein. VW wird laut Konsensschätzung fast 200 Milliarden Euro ­erzielen, Daimler deutlich mehr als 100 Milliarden.

Volkswagen Vz.
Klarer Favorit
Mit seiner starken Modellpalette kann sich VW auch im europäischen Markt relativ gut behaupten. In den nächsten drei Jahren sollen 50 Milliarden Euro investiert werden. Verbesserungen in der Produktion dürften die Kosten weiter drücken. Dank Audi, China und einer moderaten Bewertung bleibt die Vorzugsaktie unser Favorit im Autosektor. 
ISIN: DE0007664039

BMW St.
Hohe Ansprüche
BMW ist wegen seiner hohe Gewinnmarge und seiner Positionierung im oberen Preissegment einer der Topwerte der Autobranche. In dem aktuellen Umfeld sehen wir allerdings die Gefahr, dass die Margen unter Druck geraten und die hohen Erwartungen der Börse 2013 nicht erfüllt werden. Charttechnisch läuft die Stammaktie zudem bei 70 Euro in eine harte Widerstandszone. Halteposition.
ISIN: DE0005190003

Daimler
Große Enttäuschung
Ein bekanntes Spielchen: Immer zum Jahreswechsel setzen Analysten darauf, dass Daimler den Margenrückstand auf den Rivalen BMW endlich aufholt. Nach der jüngsten Gewinnwarnung aus Stuttgart ist die Hoffnung mal wieder enttäuscht worden. An­gesichts der hohen Dividendenrendite sollten in­vestierte Anleger aber nicht aussteigen.
ISIN: DE0007100000

Bildquellen: lexan / Shutterstock.com
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