von Sven Parplies, €uro am Sonntag
Die Eurokrise wird zunehmend zu einer Belastung für Deutschlands Topkonzerne. Nach Hochrechnung dieser Zeitung wird für jedes dritte Mitglied des DAX im zweiten Quartal ein Gewinnrückgang erwartet. Das geht aus den vom Datendienst Bloomberg ermittelten Konsensschätzungen für den Nettogewinn hervor.
Die anstehende Berichtssaison gilt für die Aktienmärkte als besonders kritisch, da wichtige Konjunkturindikatoren wie der Ifo-Geschäftsklimaindex nach unten gedreht haben. „Belastungsfaktor Nummer 1 bleibt die schwache Konjunktur im Euroraum“, warnen die Aktienmarktstrategen der Commerzbank. Nach deren Berechnung stammen 60 Prozent der Erträge der DAX-Konzerne aus dem Raum der Währungsgemeinschaft. Die Deutsche Bank geht davon aus, dass sich global aufgestellte Unternehmen besser schlagen werden als solche mit einer starken Abhängigkeit von Europa.
Als erstes DAX-Mitglied wird SAP am kommenden Dienstag seine Geschäftszahlen für die Monate April bis Juni vorlegen. Der Softwarekonzern hat bereits vorab Eckdaten veröffentlicht, die über den Erwartungen lagen. Insgesamt werden in der kommenden Woche die Berichte von sieben Indexmitgliedern erwartet, darunter die Schwergewichte BASF, Daimler, Siemens und Volkswagen.
Rechnet man das durch Sondereffekte stark verzerrte Ergebnis von VW heraus, dürften die DAX-Gewinne im zweiten Quartal in der Summe in etwa das Vorjahresniveau erreichen. Sieben Indexmitglieder sollten netto mehr als eine Milliarde Euro Gewinn erwirtschaftet haben.
Autobauer im Brennpunkt
Entscheidend für die Kursentwicklung der Aktien wird nicht das absolute Ergebnis sein, sondern der Überraschungsfaktor. Nach Berechnung der Deutschen Bank hatten Fresenius und Munich Re zuletzt einen guten Lauf — als einzige unter den DAX-Werten haben sie in jedem der vergangenen vier Quartale die Konsenserwartung übertroffen. Negatives Gegenstück ist Metro — der Handelskonzern hat durchgehend enttäuscht.
Mit Spannung werden vor allem die Daten der Autobauer erwartet. Sie sind die nach Gewinn stärkste Branche im DAX. Analysten hatten zuletzt vor steigenden Rabatten im wichtigen chinesischen Markt gewarnt. Das dürfte die Profitabilität drücken. Die Autobauer selbst haben zuletzt weiter Verkaufsrekorde gemeldet.
Große Bedeutung wird angesichts der makroökonomischen Risiken der Ausblick der Vorstände haben. Analysten haben ihre Erwartungen zuletzt leicht zurückgenommen, rechnen für die DAX-Konzerne im Gesamtjahr 2012 aber immer noch mit einem Gewinnzuwachs von einem Prozent. Das Bankhaus M.M. Warburg ist deutlich vorsichtiger und kalkuliert für den Index mit einem Rückgang von fünf Prozent. Sollte sich diese Einschätzung durchsetzen, würde das wichtige Bewertungskennziffern verteuern und die Kurse unter Druck setzen.
Die Berichtssaison in den USA stützt bislang die Optimisten. Nachdem 110 der Unternehmen des Aktienindex S & P 500 ihre Quartalsergebnisse vorgelegt haben, liegen laut Bloomberg 70 Prozent über der Konsensschätzung. Die Quote ist leicht besser als der historische Schnitt.
Bildquellen: Julian Mezger