von Klaus Schachinger, Euro am Sonntag
Carsten Knobel hat sich lange warmgelaufen. Vor wenigen Tagen schickte Henkel-Chef Kasper Rorsted den neuen Finanzvorstand nun aufs Spielfeld. Der 43-jährige Ersatzspieler für den am Kapitalmarkt hoch geschätzten Lothar Steinebach (64) kommt in einer für den familiengeführten Konsumgüterriesen in Düsseldorf entscheidenden Phase.
Im November will Rorsted Aufsichtsrat und Investoren von seiner Strategie für die langfristige Unternehmensentwicklung überzeugen. Er ist der erste Chef, den Henkel von außen holte. Und bis zum Jahresende müssen der Däne und sein Finanzfachmann sicherstellen, dass die Mannschaft das Renditeziel erreicht, das Rorsted zum Amtsantritt 2008 in Aussicht gestellt hatte: Die operative Rendite vor Zinsen und Steuern (Ebit-Marge) soll 2012 bei
14 Prozent liegen. Bisher hat sein Team überzeugt. Im Vergleich zum Vorjahr fehlt nur ein Prozentpunkt.
Im ersten Quartal überraschten die Rheinländer bereits mit 13,7 Prozent Rendite. Die Aktie ist mit einem soliden Plus von 20 Prozent seit Jahresbeginn der zweitbeste Wert im DAX. Weil die Kunststoffsparte jedoch stark konjunkturabhängig ist, bleiben viele Analysten skeptisch. Gerade erst senkte US-Konkurrent Procter & Gamble, der zudem mit hausgemachten Problemen kämpft, die Wachstumsprognose für 2012 auf zwei bis drei Prozent Umsatzplus. Es käme nicht überraschend, wenn auch bei Henkel stärkere Gewinnmitnahmen einsetzen würden.
Doch was Henkel vom Rest der Konsumgüterindustrie unterscheidet, sind Klebstoffe. Keiner der Wettbewerber ist in diesem Geschäft aktiv. Die Düsseldorfer sind weltweit die Nummer 1 und haben eine entsprechend starke Preissetzungsmacht.
Klebstoffe liefern immerhin die Hälfte des Konzernumsatzes. Die Sparte des Marktführers ist jedoch niedriger bewertet als bei Firmen wie 3M, HB Fuller oder Sika. Während Henkels Klebstoffgeschäft trotz starker Marken wie Pritt, Pattex und Loctite mit weniger als dem Fünffachen des operativen Gewinns für 2013 taxiert wird, ist es bei der Konkurrenz das Sechs- bis Siebenfache.
Markenportfolio wird gestrafft
Falls Rorsted und Finanzchef Knobel die Klebstoffsparte ähnlich erfolgreich auf Rendite trimmen, wie sie es zuvor schon bei Waschmitteln und Kosmetik praktiziert haben, könnte sich der Abschlag rasch ins Gegenteil verkehren. „Stärkere Marken haben überdurchschnittliche Bruttorenditen“, sagt Rorsted. Seit seinem Antritt ist die Anzahl der Henkel-Marken von 1000 auf 400 gesunken, nur 300 davon sollen bleiben. In der Kosmetiksparte bringen die zehn stärksten Marken 90 Prozent des Umsatzes, bei Wasch- und Reinigungsmitteln mehr als 80 Prozent, bei Klebstoffen erst 54 Prozent.
„Die meisten Hindernisse im operativen Ablauf wurden behoben, jetzt werden Bereiche mit niedrigen Renditen aufgelöst“, sagt Erik Sjogren, Analyst bei Morgan Stanley. In China wurde zu Jahresbeginn das Geschäft mit Emulsionen aufgegeben, das 40 Millionen Euro Umsatz, aber zu wenig Gewinn einbrachte.
Um die Rendite zu steigern, müsse Henkel das Geschäft mit Klebern für Verpackungs-, Konsumgüter- und Bauindustrie optimieren, sagt Sjorgen (s. Investor-Info). Denn der mit 33 Prozent Umsatzanteil größte Bereich innerhalb des Klebstoffsegments werfe eine Marge „deutlich unter dem Spartendurchschnitt“ ab.
Parallel zu den Aufräumarbeiten will Henkel seine Spezialisierung durch Zukäufe verbessern. Finanzchef Knobel hat dafür auch nach dem 105-Millionen-Dollar-Zukauf des Haftklebstoffherstellers Cytec noch 2,1 Milliarden Euro in der Kasse. Mit Einkaufstouren hat der Ersatzspieler Erfahrung: Seine Sporen verdiente sich Knobel bei der Integration des 2,9 Milliarden Dollar schweren Zukaufs des US-Waschmittelkonzerns Dial im Jahr 2003.
Investor-Info
Der Konzern
Schwerpunkt noch in Europa
Mit dem größten Zukauf der Firmengeschichte, der 3,7 Milliarden Euro schweren Übernahme von National Starch im Jahr 2008, hat Henkel das Klebstoffgeschäft zur größten Sparte ausgebaut. 2011 brachte dieser Bereich mit gut 7,7 Milliarden Euro die Hälfte des Konzernumsatzes. Kosmetik (Schwarzkopf) steuert 22 Prozent zum Gesamtumsatz von 15,6
Milliarden Euro bei, Waschmittel (Persil) 28 Prozent. Auf Europa entfallen 54 Prozent des Geschäfts, auf Asien und Nordamerika jeweils 15 und 17 Prozent.
Die Klebstoffsparte
Profitabler als die Konkurrenz
Henkel nennt keine Zahlen zur Profitabilität der fünf verschiedenen Anwendungsbereiche für Kleber. Morgan Stanley hat jedoch anhand der Profitabilität der Henkel-Konkurrenten eine nach Umsatzanteil gewichtete Marge geschätzt. Demnach war Henkels Portfolio 2011 mit 13,9 Prozent Ebitmarge profitabler als vergleichbare Sparten der Konkurrenz. 2012 sollten 15 Prozent Marge möglich sein. Potenzial für mehr Rendite gebe es bei Transport und Metall, Konsumenten, Bau, Handwerk sowie Verpackungen.
Die Henkel-Aktie
Aufwärtstrend intakt
Bilanz und operative Marge im ersten Quartal waren besser als erwartet. Die bei Vorlage der Zahlen angekündigten Preiserhöhungen bieten zusätzliches Kurspotenzial für den zweitbesten DAX-Wert seit Jahresbeginn. Beim Margenziel von Henkel-Chef Kasper Rorsted für 2012 sind Investoren skeptisch. Wir gehen davon aus, dass Rorsted sein Renditeversprechen einlöst. Die Aktie bleibt aussichtsreich.
WKN: 604843
Die Alternative – LOréal
In Schwellenländern stärker
In diesem Jahr wird der größte Kosmetikkonzern in den Wachstumsmärkten in Asien, Osteuropa, Lateinamerika und Afrika erstmals mehr Umsatz einfahren als in Westeuropa. Bislang machen Westeuropa und die Wachstumsmärkte jeweils 38 Prozent der 20,3 Milliarden Euro Umsatz aus. Mit 9,4 Prozent Umsatzplus ist L’Oréal sehr gut ins Jahr gestartet. Das Umfeld sei für alle Konzernmarken gut, sagt Unternehmenslenker Jean-Paul Agon. Für 2012 stellt er vier Prozent mehr Umsatz in Aussicht. Das entspricht dem Branchentempo. Beim Gewinn erwarten Analysten ein Plus von acht Prozent. Die Aktie ist nicht billig (KGV ’13: 18,2), positive Überraschungen sind jedoch wahrscheinlich. Kaufen.
WKN: 853888