Frankfurt (aktiencheck.de AG) - Die deutschen Standardwerte konnten die vergangene Handelswoche nach zwischenzeitlich deutlichen Kursabschlägen mit leichten Zugewinnen beenden. Der
Dax verzeichnete ein Plus von 0,13 Prozent auf 4.413,39 Punkte, während der
MDAX um 1,39 Prozent auf 5.252,54 Punkte zulegen konnte. Am Morgen konnten die deutschen Leitindices nach positiven Vorgaben aus Fernost bereits mit kräftigen Aufschlägen in den letzten Handelstag der Woche starten. Für Auftrieb sorgte dabei vor allem die deutliche Erholung an den US-Börsen am Vortag. Nach zwischenzeitlichen Abschlägen von mehr als 2 Prozent konnte der
Dow Jones am Ende mit relativ geringen Abschlägen schließen, während dem Technologieindex
Nasdaq sogar der Sprung in positives Terrain gelang. Der für das vierte Quartal 2008 ausgewiesene deutliche Rückgang beim deutschen Bruttoinlandsprodukt wurde hingegen von den meisten Anlegern ignoriert.
Am Nachmittag sorgten positive US-Futures zunächst für gute Stimmung. Neue Hiobsbotschaften in Zusammenhang mit der Finanzkrise holten die Anleger jedoch wieder unsanft in die Realität zurück: So erwartet die britische Großbank Lloyds bei der kürzlich übernommenen Tochter HBOS für das abgelaufene Fiskaljahr einen Rekordverlust. Für weitere Unsicherheiten sorgte das vor der Verabschiedung durch den US-Senat und das Repräsentantenhaus stehende US-Konjunkturprogramm in Höhe von 789 Mrd. Dollar. Angesichts des unerwartet starken Einbruchs des US-Verbrauchervertrauens mussten die US-Börsen kurz nach Handelsbeginn Abschläge vorweisen. Zum Xetra-Schluss konnten sich die US-Indices jedoch wieder erholen und tendierten im positiven Terrain.
Im Blickpunkt der Anleger stand über den gesamten Tagesverlauf hinweg die Aktie des Stahlkonzerns ThyssenKrupp. Am Morgen hatte der Konzern für das erste Quartal zwar einen deutlichen Ergebnisrückgang ausgewiesen, konnte dabei jedoch die Analystenerwartungen übertreffen und rangierte über den gesamten Tagesverlauf mit an der Spitze des Leitindex. Zum Handelsende musste der Wert jedoch einen Großteil seiner anfänglichen Zugewinne abgeben und verabschiedete sich mit einem Plus von rund 1 Prozent ins Wochenende. Im Schlepptau konnte der zweitgrößte deutsche Stahlkonzern Salzgitter zeitweise ebenfalls mit Zugewinnen von über 3 Prozent überzeugen. Anteilsscheine von BASF verbuchten dank positiver Analystenkommentare Zugewinne von mehr als 2 Prozent.
An der Spitze präsentierten sich über weite Strecken die Anteilsscheine der Deutschen Bank, die angesichts des positiven Marktumfelds bei Finanzwerten ein Plus von zeitweise mehr als 5 Prozent ausweisen konnten. Neue Hiobsbotschaften aus der Finanzbranche sorgten im weiteren Verlauf jedoch für Gewinnmitnahmen, die Aktien der Deutschen Bank schlossen schließlich nur noch mit einem Plus von über 1 Prozent. So hatte die britische Großbank Lloyds erklärt, dass bei der kürzlich übernommenen Hypothekentochter HBOS ein Vorsteuerverlust von ungefähr 10 Mrd. Britischen Pfund für das abgelaufene Fiskaljahr zu erwarten sei. Im Sog der schwachen Performance vieler europäischer Finanzwerte hatten auch die Deutsche Postbank und die Allianz mit Gewinnmitnahmen zu kämpfen, sie schlossen mit roten Vorzeichen.
Nach den Abschlägen der vergangenen Handelstage standen auch Automobilwerte mit auf der Einkaufsliste vieler Anleger. So waren über den gesamten Tagesverlauf Daimler und BMW mit größeren Zugewinnen in der oberen Hälfte des DAX zu finden, wobei die Aktie des Münchener Automobilkonzerns am Ende die Spitze im DAX erobern konnte. Volkswagen hatte hingegen unter negativen Analystenkommentaren zu leiden und musste Abschläge von mehr als 1 Prozent hinnehmen.
Nach verhaltenem Start konnte der Einzelhandelskonzern METRO mehr als 3 Prozent zulegen. Gegen Mittag hatte der Konzern den Verkauf der Adler Modemärkte bekannt gegeben. Am Ende reichte dies für einen Platz in der Spitzengruppe des DAX.
Deutlich fester präsentierten sich zunächst auch die Anteilsscheine der Deutschen Lufthansa, die im Sog guter Ergebnisse des französischen Konkurrenten Air France-KLM zwischenzeitlich mehr als 2 Prozent hinzugewinnen konnten. Die am Nachmittag anziehenden Ölpreise sorgten indessen gegen Ende für Gewinnmitnahmen, so dass nur noch ein leichtes Plus ausgewiesen wurde. Siemens präsentierte sich ebenfalls fester. Presseberichten zufolge will der Industriekonzern die Kurzarbeit vor dem Hintergrund der konjunkturell schwierigen Gesamtsituation deutlich ausweiten. Am Ende konnte der Wert rund 0,3 Prozent hinzugewinnen.
Nach behauptetem Auftakt rutschten Anteilsscheine der Commerzbank immer weiter ab und rangierten zum Schluss mit einem Minus von mehr als 8 Prozent am unteren Ende des DAX. Hier waren neben dem schwachen Sentiment bei Finanztiteln vor allem negative Analystenkommentare für den deutlichen Kursrutsch verantwortlich. Neben Volkswagen tendierten auch RWE, E.ON und Merck KGaA schwächer.
In der zweiten Reihe standen Anteilsscheine der Hypo Real Estate im Blickpunkt. Zu Handelsbeginn konnte die Aktie aufgrund von Medienberichten über ein bevorstehendes Treffen der Bundesregierung deutliche Zugewinne vorweisen, musste diese jedoch im weiteren Verlauf wieder abgeben. Am Ende ging der Wert mit einem Minus von 4,2 Prozent aus dem Handel. Dabei sorgte ein Interview mit dem Baden-Württembergischen Ministerpräsident Oettinger für Verunsicherung, der auch eine Insolvenz der Hypo Real Estate als mögliche Option bezeichnet hatte.
Schlusskurse (17:36 Uhr):
DAX: 4.413,39 (+0,13 Prozent)
MDAX: 5.252,54 (+1,39 Prozent)
Tagesgewinner: Deutsche Bank, BMW, FMC
Tagesverlierer: Commerzbank, RWE
Unternehmensnachrichten:
Das Geschäft der ThyssenKrupp AG wurde im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2008/09 vom Nachfrageeinbruch bei Stahl, Edelstahl und Werkstoffdienstleistungen sowie von starken Preisrückgängen belastet.
Der Automobilkonzern Volkswagen AG (VW) (ISIN DE0007664005/ WKN 766400) und die Toshiba Corp. (ISIN JP3592200004/ WKN 853676), der zweitgrößte Elektronikkonzern und Chip-Hersteller in Japan, haben am Donnerstag in Wolfsburg eine Absichtserklärung unterzeichnet.
Aktuellen Presseberichten zufolge erfasst der Abschwung Deutschlands größten Industriekonzern. Nach Informationen von "SPIEGEL-ONLINE" will die Siemens AG (ISIN DE0007236101/ WKN 723610) die Kurzarbeit in ihren Werken deutlich ausweiten.
Der Finanzdienstleister GRENKELEASING AG (ISIN DE0005865901/ WKN 586590) gab am Donnerstag bekannt, dass er von der Hesse Newman Capital AG sämtliche Aktien an der Hesse Newman & Co. AG (Privatbank seit 1777) in Hamburg gekauft hat.
Der Energieversorger MVV Energie AG (ISIN DE000A0H52F5/ WKN A0H52F) konnte dank der Erfolge im deutschlandweiten Gas- und Stromvertrieb für Industrie und Gewerbekunden erfolgreich in das neue Geschäftsjahr starten und wies im ersten Quartal neben einem Umsatzanstieg auch ein operatives Ergebnisplus aus.
In Zusammenhang mit der geplanten Rettung des durch die Finanzkrise in Schieflage geratenen Finanzkonzerns Hypo Real Estate Holding AG (HRE) (ISIN DE0008027707/ WKN 802770) dürfte sich in Kürze eine Lösung abzeichnen.
Laut einem Bericht der "Börsen-Zeitung" (Freitag), werde die Bundesregierung im Rahmen eines erneuten Spitzentreffens im Kanzleramt über den Einstieg bei der Bank beraten.
Der Einzelhandelskonzern METRO AG (ISIN DE0007257503/ WKN 725750) hat sich im Rahmen der weiteren Fokussierung auf das Kerngeschäft mit Wirkung zum 1. Januar 2009 von den Adler Modemärkten getrennt. Dies gab der im DAX30 notierte Konzern am Freitag bekannt. Wie aus der Pressemitteilung weiter hervorgeht, wurden die Adler Modemärkten an die Beteiligungsgesellschaft BluO veräußert. Finanzielle Details der Transaktion wurden nicht bekannt gegeben.
Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger hat in Zusammenhang mit den laufenden Bemühungen um die Rettung des in Schieflage geratenen Finanzkonzerns Hypo Real Estate Holding AG (HRE) (ISIN DE0008027707/ WKN 802770) auch eine Insolvenz des Unternehmens als Option ins Spiel gebracht. "Die Frage ist doch, ob die HRE um jeden Preis erhalten werden muss", sagte Oettinger im Interview mit der "WirtschaftsWoche" (Freitag). Er sei davon nicht überzeugt. Käme die HRE in ein Insolvenzverfahren, so Oettinger, "wären zwar alle beteiligten Banken zu Wertberichtigungen gezwungen. Aber den in Deutschland betroffenen Banken könnten wir dann zielgenauer und möglicherweise auch kostengünstiger helfen als durch eine in ihrer rechtlichen Dimension und finanziellen Auswirkung nicht überschaubare Verstaatlichung dieser Bank." (13.02.2009/ac/n/m)