DETROIT (dpa-AFX) - Europas größter Autohersteller Volkswagen (VW) (
Volkswagen vz) hat sein selbst gestecktes Absatzziel im vergangenen Jahr erreicht. Mit knapp 8,2 Millionen Fahrzeugen verkaufte der Konzern rund eine Million oder 14 Prozent mehr als vor einem Jahr. Dies sagte VW-Chef Martin Winterkorn am späten Sonntagabend vor der Beginn der Automesse in Detroit. Er will sich damit nicht zufrieden geben. Spätestens bis zum Jahr 2018 soll die Zahl der verkauften Fahrzeuge auf mehr als zehn Millionen steigen. Experten wie der der NordLB-Analyst Frank Schwope halten dies sogar schon ein, zwei Jahre früher für möglich.
Um das Ziel zu erreichen, soll vor allem das Geschäft in Schwellenländern massiv ausgebaut werden. Aber auch in gesättigten Märkten wie den Vereinigten Staaten will VW deutlich zulegen. Dort soll der Absatz im laufenden Jahr auf mehr als 500.000 Wagen steigen, wie der Chef des US-Geschäfts, Jonathan Browning, am Wochenende in New York angekündigt hatte. "Das wäre zum ersten Mal seit 39 Jahren", sagte er. 2011 lieferte der Konzern auf dem US-Markt 444.192 Wagen aus - ein Zuwachs von 23 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
VW WILL 2018 WELTWEIT DIE NUMMER EINS SEIN
Das Absatzplus auf dem US-amerikanischen Markt ist ein wichtiger Baustein auf dem Weg von Volkswagen an die Weltspitze. Der Konzern war in den Vereinigten Staaten lange nur schwach vertreten, während asiatische Hersteller wie Toyota (Toyota Motor) dort auftrumpfen konnten. Bis spätestens 2018 will VW (Volkswagen vz) der weltweit größte Autokonzern sein, derzeit sind die Wolfsburger Nummer zwei hinter General Motors (Motors Liquidation).
VW hat die US-Offensive im vergangenen Jahr mit der Produktion eines speziell für den amerikanischen Markt entwickelten Passat verstärkt. Der neue Wagen wird in Chattanooga im US-Bundesstaat Tennessee gebaut. Die Deutschen kommen dort mit der Produktion kaum hinterher, so stark ist die Nachfrage nach dem großen Wagen, der mit einem Basispreis von 20.000 Dollar gegen den bisherigen Mittelklasse-Primus Toyota Camry antritt.
DERZEIT VIELE BAUSTELLEN IM KONZERN
Winterkorn und sein Aufsichtsratschef Ferdinand Piech setzen zudem darauf, die Zahl der Marken im Konzern zu mehren. Hier hatten die beiden zuletzt zahlreiche Problem. So liegt die Fusion mit dem Sportwagenbauer Porsche SE derzeit wegen juristischer Probleme auf Eis. Zudem ist noch offen, wie der Lastwagenbauer MAN in die Strukturen des Auto-Giganten integriert werden soll. Und ob VW mit dem Partner Suzuki überhaupt eine Zukunft hat, scheint mehr als fraglich.
Am stärksten treibt die Macher hinter den Kulissen jedoch wohl die Hängepartie der aufgeschobenen Porsche-Übernahme um. VW-Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch wollte bis zum Jahresende Klarheit über einen "Plan B" als Alternative zur gescheiterten Direktfusion schaffen. Offizielle Neuigkeiten gibt es allerdings nach wie vor nicht. Der Streit um die Bewertung rechtlicher und steuerlicher Risiken hatte die Pläne für das 2011 erhoffte Zusammengehen ausgehebelt. Winterkorn sagte dazu am Sonntag nur: "Die Absicht zu verschmelzen besteht."/zb/tw