Vom aktuellen Stand her hätte der Dax damit noch ein Potenzial von 7 Prozent und der EuroStoxx eines von etwas mehr als 9 Prozent. Da Kopmann aber vor Weihnachten noch mit einer Konsolidierung rechnet, rät er auf günstigere Einstiegsniveaus zu warten. "Angesichts der bisher schon erreichten Jahresentwicklung sind wir unverändert der Ansicht, dass Konsolidierungsbedarf besteht", schrieb er und verweist auf die bisherige Jahresentwicklung des Dax von 22 Prozent. Er erwartet deshalb, dass bis Mitte Dezember ein Kursniveau unterhalb von 7.000 Punkten im Dax erreicht werden wird. Das Niveau im EuroStoxx 50 sieht er bis auf 2.400 Punkte sinken.
Befeuert worden sei die bisherige positive Entwicklung an den Aktienmärkten von der Ankündigung der Europäischen Zentralbank, alles Notwendige für den Erhalt der Gemeinschaftswährung zu unternehmen, erinnerte Kopmann. Die Risikobereitschaft sei aber auch gestiegen, nachdem die US-Notenbank Fed ihr geldpolitisches Lockerungsprogramm "QE 3" auf den Weg gebracht habe. "Zusammen genommen agieren die wichtigen Notenbanken der Welt damit deutlich aggressiver, als dies über weite Strecken des laufenden Jahres zu beobachten beziehungsweise zu erwarten gewesen wäre."
Anfang des neuen Jahres 2013 nun erwartet Kopmann, dass sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen weiter verbessern werden und dadurch die Aktienkurse steigen sollten. In vielen Wirtschaftsregionen der Welt zeichneten sich bereits jetzt schon leichte Verbesserungen ab. So sende die US-Wirtschaft erste positive Signale, auch wenn das Niveau noch niedrig sei. Die Wirtschaft in China "dürfte nun endlich die Talsohle im aktuellen Konjunkturzyklus erreicht haben" und ähnliches erwarte er im Jahresverlauf 2013 auch für die Wirtschaft in der Eurozone. Die Unternehmenszahlen dürften ebenfalls ab dem kommenden Jahr wieder besser werden.
Mit Blick auf die Eurokrise glaubt der DZ-Bank-Analyst, dass die jüngste zu beobachtende Beruhigung weiter anhalten werde: Griechenland dürfte seines Erachtens schon bald die nächste Tranche aus dem vereinbarten Hilfspaket bekommen, so dass der unmittelbare Staatsbankrott abgewehrt werden könne. Spanien, so erwartet Kopmann, werde zudem in Kürze einen Antrag an den ESM stellen und den Rettungsschirm in Anspruch nehmen. Beides aber sei bereits eingepreist.
Ein echter Lackmustest für den Zusammenhalt des Euro sieht er hingegen in den Parlamentswahlen in Italien im Frühjahr 2013. "Der Weg dorthin, insbesondere die letzten Wochen vor der Wahl, dürfte für die Kapitalmärkte zu einer Zitterpartie werden." Die Bundestagswahl in Deutschland dagegen dürfte seines Erachtens, unabhängig vom Wahlausgang, keinen Paradigmenwechsel für den weiteren Verlauf der Krise einläuten.
Spannend werde es in der zweiten Jahreshälfte 2013 vor allem in Hinblick auf die "italienisch-französische Bewährungsprobe" für den Euro, so der Experte. Das werde auch für die Aktienmärkte entscheidend sein. Sollte sich Italien oder Frankreich nicht disziplinieren und Spar- und Reformbemühungen unterlassen oder schleifen lassen, drohen laut Kopmann "erhebliche Turbulenzen". Daher ist er vorsichtig und rechnet damit, dass sich das von ihm Mitte 2013 erwartete Hoch für Dax und EuroStoxx allenfalls bis zum Jahresende stabil hält./ck/he
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